| Genthiner Str. 16.
Berlin, 30. Juli 1868.

Lieber Marx,

Gestern hatte ich keine Zeit mehr Ihnen zu schreiben: Das per Kreuzband übersandte Exemplar der Brochüre werden Sie erhalten haben.

Letztere wird am Sonnabend erscheinen, & möchte ich Sie nun noch bitten, über eine beliebige Anzahl von Exemplaren für befreundete Vereine & Privatpersonen zu disponiren.

Rohexemplare habe ich bereits gesandt an: Liebknecht, Joh. Phil. Becker & Dr. Reinke.

Am Sonnabend beabsichtige ich zu senden:

1 Ex an den Generalrath durch Ihre Vermittlung
1 " an den Arb. Bild. Ver.. 40. Rupert Str.

je 1 an Engels, Borkheim, Dr. Kugelmann, Lessner, J. V. Weber, Scherzer: die letzteren drei per adr. des Arb. Bild. Vereins.

Ist Dr. Rohde noch in Liverpool, oder ist er nach Amerika ausgewandert?

Geben Sie mir die Adressen von denjenigen Vereinen & Personen in Deutschland, Schweiz, England & Vereinigten Staaten etc. auf, denen Sie Exemplare zugestellt zu sehen wünschen, & ich werde die Schrift sofort per Kreuzband überallhin expediren.

Auch Guido Weiss hat bereits sein Exemplar, ebenso das Manifest & die Preßprozeß Brochüre.

| Mit Liebknecht habe ich mich wegen Nürnberg in Verbindung gesetzt, & erwarte täglich seine Antwort.

Was nun die zu erwartenden Artikel der „Zukunft“ betrifft, so muß ich die Details, die Art & Weise der Ausführung des besprochenen Feldzugplans ausschließlich Guido Weiss überlassen. Zwischen uns Beiden existirt nur die allgemeine Verabredung: wie er mit Rücksicht auf seine an der Spitze des Unternehmens stehenden Bourgeois operiren wird, wird er sich jedenfalls selbst schon überlegt haben, und da es sich nur um die Frage handelt:

welche Stellung sollen die großdeutsch-demokratischen Bourgeois in Zukunft gegenüber den Ansprüchen des 4ten Standes einnehmen? Sollen sie Front machen gegen die Bewegung, oder dieselbe unterstützen?

so würde er Artikel von prononcirter Haltung oder Gesinnung gar nicht einmal gebrauchen können.

Der 3te Punkt meines letzten Briefes, bezog sich, so weit ich mich dessen entsinnen kann, auf die Möglichkeit, daß die gesammte politische Partei der „Zukunft“ dahin gebracht werden kann, sich der Arbeiterbewegung nicht feindlich gegenüberzustellen, sondern seufzend & schaudernd ihre Berechtigung anzuerkennen und zur Erreichung der erkennbaren nächsten Ziele (politische Vertretung in Parlamenten) | mitzuwirken. Die Ihnen unverständliche Stelle meines Briefes bezog sich keineswegs auf sociale Probleme und Versuch einer Ausgleichung von Klassengegensätzen, sondern nur auf „Eroberung politischer Macht“ mit Hilfe der, oder gegen die Bourgeoisie.

Als ich Ihnen schrieb, die deutschen Arbeiter stünden auf dem Punkt sich Ihnen anzuschließen, identificirte ich der Kürze halber Ihre Person mit der internationalen Ass. Ich werde übrigens Weiss morgen doch besuchen, & ihm einfließen lassen, Sie nur wissenschaftlich theoretisch , praktisch dagegen die Association ins Gefecht zu führen.

Tropische Hitze hier, wie bei Ihnen. Am 23. Juli hatten wir 29° Réaumur im Schatten. Die Juli-Früchte sind noch auf dem Markt, und schon giebt es August- & September Früchte (Pfirsiche, Birnen etc. zugleich mit Kirschen!) Das Jahr ist ein gutes Erndtejahr (viel Glück für L. Nap.) & wird ein Weinjahr wie 1811, es müßte denn ein sehr nasser Herbst folgen. Nichts giebt Kühlung in diesem Jahr, nicht einmal ein seltener Gewitterregen. Mitunter, namentlich wenn ich in die Stadt gehen mußte, habe ich dreimal per Tag die Wäsche wechseln müssen. Man arbeitet jetzt wirklich im Schweiße seines Angesichts.

Daß Sie die Mitgliedskarte antedatirt haben, ist mir sehr angenehm, namentlich für den Fall, daß hier in Berlin im Lauf der Begebenheiten | sich etwas organisiren lassen sollte.

Von Herrn von Schweitzer weiß ich indirect, daß er im nächsten Monat bei der Generalversammlung des Allg. Arb. Vereines in Hamburg den Anschluß des gesammten Vereines an die Internationale beantragen wird. Dies entre nous, mein Reporter ist mit Schweitzer befreundet.

Sorgen Sie nur dafür, daß diese beiderseitigen Anschlüsse (Nürnberg & Hamburg) in Belgien recht bekannt, die bevorstehenden Verhandlungen dort womöglich mit Hinweis auf den September Congreß veröffentlicht werden.

Freundschaftlichst Ihr
Wm Eichhoff.
 

Zitiervorschlag

Wilhelm Eichhoff an Karl Marx in London. Berlin, Donnerstag, 30. Juli 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00701. Abgerufen am 16.10.2021.