| Hannover, 9. Juli 1868

Mein hochverehrter, lieber Freund!

Es freut mich mal wieder von Schnacke zu hören. Ich theilte einige Wochen mit ihm die Ehre Vorstandsmitglied des „Volksclub“ in Düsseldorf zu sein (Juni 1848), wie Sie in der N. Rh. Ztg vom 7. Juni 1848. No 7. Beilage ersehen können. Seit ich dem „lausigen Commerce“ valet sagte habe ich ihn ganz aus den Augen verloren. Können Sie mir seine Adresse angeben, so würde ich mal wieder mit ihm anknüpfen. – Es scheint mir durchaus nothwendig, daß die wenigen engeren Parteigenossen in Connex stehen. –

Gestern Abend schickte ich Ihnen die Bogen aus „Julius Faucher: Vierteljahrsschrift für Volkswirthschaft u. Culturgeschichte. Berlin 1867. F. A. Herbig. 5. Jahrgang 1867. 4. Bd. Der ganzen Zeitschrift 20. Bd.“ – die Besprechung Ihres Buches enthalten. Nach dieser Sudelei ist zu vermuthen, daß der Schreiber in dem Werke nur geblättert hat, denn „nach flüchtigem Ueberblick scheinen“ ihm noch mehr Springpuncte verhanden. – Wollen Sie, daß ich Faucher einliegende „Erklärung“ zuschicke? Haben Sie daran zu ändern oder wollen Sie eine andere Form dann theilen Sie mir es mit. Die Idee, Sie als Plagiator u. Verballhorner des Bastiat anzuzapfen ist colossal. – Wenn irgend thunlich möchte ich Sie bitten nicht selbst auf diese Dummheiten zu antworten. – Könnte nicht „Georg Eccarius, Schneidergeselle“ (letzteres Epitheton nicht zu vergessen) in der „Zukunft“ eine Polemik gegen dies elende Gesindel eröffnen, das wirklich nicht würdig ist von der Keule des Heracles erlegt zu werden. –

Beifolgendes Liter. Centralbl. No  28 4/7 68 enthält ebenfalls eine Besprechung Ihres Buches. Es ist der Ton der „satten Tugend“ u. „zahlungsfähigen Moral“. – Dies noch als mangelhaft bewiesene Axiom bezeichnete, scheint mir seine Erledigung in der Geschichte der Theorie finden zu müssen, d. h. die kritische Entwicklung der | entgegenstehenden oder vorangegangenen Theorien. –?

Die Frage über „den Werth der s. g. nicht beliebig vermehrbaren Waren“ findet wohl ihre Stelle bei der Grundrente?

Den Artikel aus dem Württemberg. Staatsanzeiger ist es mir endlich gelungen im „Hannoversch. Courier“ vom 4. d. Mts. wieder zum Abdruck zu bringen. Ich ließ mir, zum Zwecke der Verbreitung 25 Separat-Abdrücke davon abziehen. Wollen Sie einige davon?

Was denken Sie darüber, die Artikel im Social-Democrat als Brochüre drucken zu lassen u. zu verbreiten? Wenn Sie es wünschen will ich der Redaktion des Soc. Democrat den Vorschlag machen. – Die Brochüre müßte dann einen marktgerechteren Titel, zB.: Wie bildet sich das Kapital. Eine Besprechung von K. M. „Das Kapital“ haben. –

Ein Herr Wolff in der Redaction der Rh. Ztg hatte jüngst die Naivität mir Actien für das Blatt zu senden, die ich behalten oder unterbringen möchte. – Nachdem ich kurz bemerkt, daß hier keine democratische Partei vorhanden sagte ich am Schluß: „Ich selbst bin nicht in der Lage mich an der Actienzeichnung betheiligen zu können, so sehr ich die Verdienste der „Rh. Ztg“ um die Entwicklung der bürgerlichen Classenherrschaft zu würdigen weiß, welcher letzteren sie in so hervorragender Weise dient.“ –

Hat die Rh. Ztg keine Besprechung gebracht?

Dringend bitte ich Sie Engels zu veranlassen, daß er mich hier besucht. Der schauderhafte Patron hat mir noch immer sein u. Lupus Bild nicht geschickt.

Ihren Kindern geht es hoffentlich wieder wohl. – Empfehlen Sie mich Ihren Damen u. geben Sie recht bald wieder Nachricht

Ihrem
treu ergebenen
LKugelmann
Dr
 

Zitiervorschlag

Louis Kugelmann an Karl Marx in London. Hannover, Donnerstag, 9. Juli 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00680. Abgerufen am 20.10.2021.