| Engelskirchen 15 Juni 68

Lieber Friedrich

Ich bin nun schon über einen Monat hier u. hoffte immer einen Brief von Dir zu erhalten der mir etwas über Deine Plane für diesen Sommer sagte damit ich mich etwas danach richten könnte, aber es scheint Du weißt darüber noch nichts bestimmtes sonst würdest Du mir mal geschrieben haben. Seid Freitag ist Marie mit ihren drei kleinen Mädchen u. Hermann Lehna hier, der Stickhusten hat sich wieder verloren, sie war erst mit ihnen u. ihrem Mann acht Tage in Rolandsek, da die Ferien aber eigentlich schon vorüber sind so geht sie am Sammstag wieder fort. Ich will Dir nun einmal schreiben was die verschiedenen Glieder der Familie vorhaben.

| Hedwig will gegen Mitte August mit 3 bis 4 Kindern nach Ostende gehn, Marie wird wahrscheinlich mit ihrem Mann u. den Kindern im Septmbr. dahin gehen, Rudolf u. Mothe wollten auch dahin, von der Zeit habe ich noch nichts gehört aber ich denke auch im August, weil Hermann meistens im Septmbr. zur Jagdzeit nach Gladbach geht. Was ich nun thue, das hängt von Dir ab, wir sprachen im vorigen Jahr von Thüringen doch scheint mir das jetzt etwas gewagt für mich, da ich nicht gut weite Wege machen kann u. die Berge nicht besteigen kann, was Dir doch wohl mit Hauptsache ist. Dann dachte ich auch mal den Wagen u. die Pferde mit an den Rhein zu nehmen, wenn ich nur bestimmt wüßte wohin u. wer sonst noch | mit mir ging, denn Du allein mit der alten Mutter wäre doch etwas langweilig für Dich. Ich würde gern Hebchen mit nehmen, aber ich glaube der wäre Ostende auch besser, da sie sich so sehr leicht erkältet u. wol eine kleine Abhärtung nöthig hätte. Es ist zwar noch gar keine Rede davon gewesen aber es liegt sehr nahe da so viele Glieder der Familie hingehn. Wenn es nun so kommen sollte, dann gehe ich am Ende mit Dir auch nach Ostende, einige Wochen an der See könnten uns Beide auch nicht schaden. Ueberlege Dir nun einmal Alles u. schreibe mir, wie Du darüber denkst u. wann Du wol abkommen kannst.

Hier ist Gott sei Dank alles gesund, Lottchen erwartet aber in einigen Wochen ihre Entbindung, sie selbst ist in | einer gedrückten Stimmung, Gott gebe daß das Kind gesund u. wohlgestaltet ist. Der kl. Junge von Elise ist recht gesund u. dick, sie selbst aber ziemlich mager geworden u. hätte auch wol eine kl. Stärkung nöthig, sie will aber von keinen reisen wissen so lange das Kind noch so klein ist. Alberth Griesheim ist seid 14 Tagen hier u. seid einigen Tagen auch seine Frau, die einem Ohrenleiden wegen 5 Wochen in Würzburg war, morgen reisen sie wieder ab.

Nun leb recht wohl, Marie u. die andern Geschwister grüßen Dich mit mir herzlich. Schreibe nun recht bald

Deiner treuen Mutter
E.
 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Engelskirchen, Montag, 15. Juni 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00656. Abgerufen am 06.12.2021.