| St. Louis Mo Janr 31/68

Lieber Herr Doctor.

Nachdem mein Brief vom 26t abgegangen war, fiel es mir ein, daß ich die Bilder Weydemeyers und den Aufruf zu einer Versammlung zur Bildung einer neuen Partei vergessen hatte beizulegen, weshalb ich dieselben heute nachschicke.

Wie sehr das „Kapital“ sich für Grant anstrengt, zeigt Ihnen einliegendes Cirkular, welches an alle Geschäftsleute von Bedeutung geschickt wurde.

Die hiesigen gemäßigten Republikaner haben sich entschieden zu Gunsten Grants ausgesprochen und ihm alle Tugenden Washington’s, Jeffersons und einiger Anderen angedichtet. Die „Radikalen“ wurden dadurch gezwungen, weiter zu gehen und erließen eine „Addresse“, worin sie sich zu Gunsten der Kandidatur von Chase aussprechen, ohne jedoch, wie sie selbst zugeben, große Hoffnung zu haben, daß er in Chicago nominirt werde.

Gestern brachten die Zeitungen eine Cable | depesche, daß General Carl Schurz in einer speziellen Mission für die Vereinigten Staaten in Europa sei und von Bismark empfangen worden sei.

Es ist jedoch daran nur wahr, daß er sich bei Bismark bedankt hat, für die Erlaubniß, sich in Preußen einige Zeit aufhalten zu dürfen.

Die Noth und das Elend drüben scheinen gute Fortschritte zu machen and selbst Herr Dr. Otto Lüning scheint in seinen Korrespondenzen für die „Westliche Post“ etwas ängstlich für die Zukunft zu werden.

Ich grüße Sie und die lieben Ihrigen alle herzlich und verbleibe

freundschaftlichst
Ihr
Hermann Meyer
care of
Angelrodt & Barth
 

Zitiervorschlag

Hermann Meyer an Karl Marx in London. St. Louis, Freitag, 31. Januar 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00543. Abgerufen am 25.09.2021.