| Meine liebe Frau Marx

Hoffentlich wird unter Ihrer pflegenden Hand das Uebel, von dem Ihre freundlichen Zeilen Meldung thun, von Mohr gewichen oder doch im Weichen begriffen seyn. Das fehlte auch noch, daß der oder die oder das Karbunkel (ich weiß nicht welchen Geschlechts das fragliche Uebel ist) sich hindernd vor den II. Band lagerte!

Den I., d. h. dessen französische Uebersetzung betreffend, so habe ich nach Empfang Ihres Schreibens, was mich in der Rekonvalescenz von einem heftigen Grippanfall traf, sofort auf die Beine gemacht, assistirt von Dronke, um Moses heimzusuchen. Da ich jedoch meinen Bericht an Mohr’s früheres Schreiben anknüpfen will, so beurlaube ich mich hiermit von Ihnen, werthe Frau, mache Ihnen eine möglichst graziöse Neujahrsreverenz nebst bezüglichen Glückwünschen, und sage 

| Mein lieber Marx

Mit Deinem letzten Schreiben pflog ich damals die geeigneten Verhandlungen mit Hess, hinterließ ihm dasselbe, gewißermaßen als Titel, legitimatio ad causam, so wie zur Benutzung Deiner darin enthaltenen Bemerkung zur Abfassung des einleitenden Vorworts zu seiner Arbeit, d.h. Uebersetzung aus der Analyse der Fabrikinspektors Inquests. Diese Arbeit gedachte er damals schon eher dem Intérêt Public als dem Courrier français zu offeriren. Gegen Letztern äußerte er misgivings, als sey es nur ein scheinbar oppositionnelles, au fond jedoch ein der Regierung dienendes Blatt. Mir scheint dieses Gerede von der Regierung (Polizei) ins Publikum geworfen zu seyn, um dem gefährlichsten Gegner ein Bein zu stellen (ich halte den Courr. für dasjenige Blatt, dem es am Meisten ernst mit der Revolution u. deren gehöriger Verwertung ist; so auch Dronke). Hess mag dem Int. Publ. besonders zugethan seyn, weil er da besser seine Rechnung quoad Honorar findet, denke ich. Es ist ein neues, einstweilen zweimal wöchentlich erscheinendes Blatt, wahrscheinlich gut fundirt, | vielleicht aus orleanistischen fonds, gut redigirt (Brisson), übrigens nicht einmal sozialistisch geschweige denn something more.

In Bezug auf die Collaboration mit Reclus zur Uebersetzung des Buchs verabredeten wir, daß, sobald ich den angekündigten Band von Meisner erhalte, ich ihn Hess bringen solle, der dann mit Reclus darüber sich benehmen solle. Reclus wohnt en province, u. kommt nur zeitweise hierher. Aber siehe, das Buch kam nicht, ich erwarte es noch bis zu dieser Stunde, und unter diesen Umständen verschob ich den Besuch bei Hess. Da kommt Dronke in seinen Geschäften vor 10 Tagen hierher, ich verabrede mit ihm, Hess gemeinschaftlich zu besuchen, um ihn gemeinschaftlich ins Geschirr to goad (durch alte Partheireminiszenzen und Traditionen) was denn unter Mitwirkung Deines resp. Deiner Frau Briefes um so besser geschah.

Hess, freundlich angeregt durch unsern Besuch, erklärt, seine Arbeit schon vor längerer Zeit angefertigt, Sachkennern (auch Freunden von Proudhon, wie Massol) mitgetheilt und deren Beifall gefunden zu haben. Auch die Redaktion des Int. Publ. habe den Artikel acceptirt, u. werde ihn wohl bald erscheinen lassen.

| Reclus habe er gesprochen, unter Vorzeigung seines, Hess’ens, Exemplars des Buchs. Die Uebersetzung dieses Volumens werde, nach Reclus, circa 9 Monat in Anspruch nehmen; dafür werde ein Honorar von 3000 fcs (Dronke hat verstanden 3 bis 4000 fcs) in Anspruch zu nehmen seyn. Frage: ob sich ein Verleger finden werde, der das auswerfe. Dabei wird weniger eine wirkliche Uebersetzung, als eine kondensirte Bearbeitung ins Auge gefaßt; der Umfang, die hegelsche Methode würden nicht leicht einen französischen Leserkreis finden; man müße die Sache quoad volumen reduziren (d. h. Manches weglassen) quoad Methode franzisiren, sonst werde man schwerlich einen Verleger finden.

Auf meine Bemerkung, daß sich ein Uebersetzer, mit Verleger im Hintergrund, aus Genf gemeldet habe, erwiederte Hess, da solle man nur zugreifen, damit je eher je lieber die Sache ins Reine käme. Ich meine, der Genfer Pole mag ein ganz richtiger Pole seyn, und | einen unaussprechlichen polnischen Namen aufzuweisen haben, aber für den richtigen Uebersetzer halte ich ihn nicht, nicht einmal für einen richtig wenigstens nicht gewand französisch schreibenden Menschen überhaupt, geschweige denn für einen ad hoc qualifizirten Spezialisten, tout membre de l’ass. int.e des trav.s, et rédacteur du journal etc. etc., qu’il soit. Hoffentlich wird der Artikel von Hess bald erscheinen u. das Exemplar für Reclus (von Meisner) bald eintreffen, um unter dieser Constellation bei Reclus, der einstweilen das Bu[ch] wohl nur mittelst Durchblätter[n] bei Hess kennen gelernt hat, die Sache gründlich zum Austrag zu bringen. Ich habe an Liebknecht geschrieben, keine Antwort erhalten. Er soll mir nur schleunigst Probenummern oder Prospektus zugehen lassen, ich bin sehr bereit für das Blatt Propaganda zu machen, u. hoffe mit Erfolg. Liebknecht hat sich u. die Sache ganz famos in der Kammer herausgebißen; die Fortsetzung seiner Leistungen in seinem Blatt sey mir willkommen. Gruß von Dronke u. Deinem

Schily

24/l 68

| Madame
Marx
1 Modena Villas, Maitland Park
Haverstock Hill
Londres
 

Zitiervorschlag

Viktor Schily an Jenny und Karl Marx in London. Paris, Freitag, 24. Januar 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00535. Abgerufen am 19.10.2021.