| Mchr 23 Jan 68.

Lieber Mohr

Aus inl. Wisch ersiehst Du was Wilhelmchen nicht gethan hat. Ich werde ihm dieser Tage einen gehörigen Rüffel ertheilen. A jolly idea, wir sollen die Position „benutzen“, die er sich in Sachsen lokal gemacht hat, also wohl bodily für ihn eintreten! Sein Blättchen kommt mir heute zu, ich hab’s noch nicht ansehn können.

Hoffentlich bist Du endlich mit diesem hartnäckigen Karbunkel fertig. Du wirst aber doch wohl endlich einsehn daß das bloße Gehenlassen bei dieser Geschichte nicht länger geht, & daß mindestens starke tägliche Bewegung in freier Luft & regelmäßiges „Entsagen“ der Nachtarbeit nöthig ist (sobald ersteres wieder angeht) um Dich überhaupt wieder arbeitsfähig zu machen. So kommt der 2te Band nie zu Stande.

Inl. die Actien für Strohn.

Wegen der Wiener Artikel bin ich wirklich in Verlegenheit. Außer Neuer Freien Presse & Wiener Tageblatt weiß ich kein Blatt namentlich das Richter an der Hand hat & habe bei der fast totalen Unkenntniß des Publikums gar keine Idee wo anfassen, & das ist doch das Wichtigste. Laura schreibt, die Leute belehren, all very well, aber das Richtige herausgreifen, da liegt grade die Schwierigkeit. Ich gehe eben das ganze Buch nochmals durch um mir dies klar zu machen, & Deine Meinung wäre mir dabei sehr erwünscht.

| Auch eine gute Zumuthung von Wilhelmchen, ich soll ihm & seinen Lesern so auf einer Seite seines Blättchens, & aus diesem Buche, ein für allemal klar machen, wo der Unterschied zwischen Marx & Lassalle eigentlich liegt. Diese Zumuthung hat mich auf die Idee gebracht ob es nicht gut wäre, für die Arbeiter ein populäres Broschürle von ca 6 Bogen zu machen: Marx & Lassalle, auf diesem Raum ließ sich das machen & auch das den Arbeitern Nöthige Positive entwickeln. Das Ding müßte spottbillig verkauft werden & würde sofort die Lassalleaner zwingen Front zu machen. Dazu gehörte aber Zeit.

Die russ. Pamphlets von Borkheim durchzuochsen kannst Du nicht von mir verlangen – wenigstens in diesem Augenblick. Ich habe viel im Geschäft zu thun, komme spät nach Hause sodaß ich vor 8 Uhr zu nichts komme, & muß dazu sehr regelmäßig leben da ich seit einiger Zeit, was mir in meinem Leben noch nie vorgekommen, schlecht schlafe & in Folge dessen oft Morgens ganz caput bin. Dazu noch immer stellenweise unvermeidliche Abhaltungen & die absolute Nothwendigkeit mir körperliche Bewegung zu machen um den Schlaf wieder in Ordnung zu bringen. Jede russ. Broschüre würde mir 8–14 Tage auffressen bei der Nothwendigkeit mich neu hineinzuarbeiten & der Schlechtigkeit der Wörterbücher. Ne vaut pas la peine.

| Wegen der Fortnightly nächstens. Ich ruminire noch über diesen Punkt. Das Geldwesen – so wichtig es für England – werde ich wohl der x // im ersten Artikel nur flüchtig berühren können, das nimmt mir sonst den ganzen Artikel weg. Wäre dann ein Zweiter anzubringen so käme es dafür immer noch ein. Was hältst Du davon?

Beste Grüße an Deine Frau & die Mädchen nebst Lafargue.

Dein
F. E.
 

Zitiervorschlag

Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Donnerstag, 23. Januar 1868. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00534. Abgerufen am 25.09.2021.