| Barmen 30 Decbr. 67

Lieber Friedrich

Deinen Brief vom 21. d.M. habe ich erhalten u. freute mich gleich wie ich ihn geöffnet hatte über seine Länge, alle Seiten voll geschrieben, einen solchen langen Brief habe ich lange nicht von Dir erhalten. Daß es mit den Ermens so fort geht, mit lauter kleinen Unannehmlichkeiten kann ich mir wol denken u. es wird auch so fort gehn so lange ihr zusammen seid, der Vater hatte es nicht besser mit ihnen, nur mit dem Unterschied daß er nur alle Jahr einmal mit ihnen zusammen kam, Du dagegen täglich den Krakel hast. Du mußt Geduld haben, sie werden nun einmal nicht anders. Ich denke mir übrigens wenn Du mal mit ihnen nichts mehr | zu thun hast werden wir Dich immer die Christtage hier haben, wenn mir der liebe Gott das Leben noch erhält wäre mir das eine große Freude. Wie am Weihnachts Abend die Kinder und Enkel alle hier waren habe ich viel daran gedacht, daß Du später wol unter uns sein würdest. Die Enkel waren sehr vergnügt u. wie immer sehr lebhaft, besonders stand eine kleine nette Drehorgel die Lili Blank bekam den ganzen Abend nicht still. Ich bin wieder sehr reich beschenkt worden u. sage Dir hiermit auch noch meinen Dank dafür. Ich bekam 18 schöne Tassen mit den dazupassenden Tellerchen, ein Paar kleine Tischdecken, einen Kanarienvogel u. eine Kapute, außerdem aber von den verschiedenen Enkeln Stickereien, eine schöne Fußbank, Papierkorb, | 3 Kläulbecher (weil ich sie so leicht zerbreche) 1 Korb für schmutzige Wäsche, alles gestickt u. ich werde so reichlich mit schönen Arbeiten versorgt daß ich für Engelskirchen mit genug habe. Mit meiner Gesundheit geht es wie im Winter immer, ich darf nicht viel heraus, ein mal habe ich das Bett schon ein Paar Tage hüten müssen, ich hatte mich dadurch verdorben daß ich Einkäufe für Christtag machen wollte, das geht nun einmal nicht mehr. Ich will Dir nur eben dabei bemerken daß ich Dir Deine Th. 50 für Christtag gut schreiben lasse.

Wie ich von Engelsk. hier her kam war C. Siebel schon nach Madera abgereißt, vor einigen Tagen hörte ich von seiner Mutter daß er sehr krank gewesen sei, sie hätten nehmlich zwei sehr stürmische Tage gehabt wo sie Alle ganz durchnäßt gewesen wären, in Folge davon sei er sehr krank doch wieder etwas auf der | Besserung. In Boellings Familie haben sie auch einen solchen Kranken in der Fremde, einen jungen Prinzen, seine Mutter war eine Schwester von Fr. Boelling, die Eltern sind beide an der Schwindsucht gestorben, er war vor 3 Winter mit seiner Schwester in Pau u. darauf den Sommer in Reichenhall, wo er so gesund wieder kam, daß er wieder nach Gladbach in sein Geschäft ging, den ersten Winter ging es auch gut mit ihm doch im zweiten wurde er wieder krank u. war den ganzen Sommer theils in Ems theils in Meran, jetzt ist er wieder mit der Schwester in Mentone nahe bei Nitza, sie haben aber in den letzten Tagen so traurige Nachricht bekommen, daß der Schwager, ein Herr v. Eÿnern gleich dahin abgereißt ist. Es ist eine traurige Sache, wenn diese Krankheit in der Familie ist.  |

 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Montag, 30. Dezember 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00505. Abgerufen am 20.08.2019.