| Barmen 23 Novbr. 67

Lieber Friedrich

Erst heute komme ich dazu Deinen Brief vom vorigen Monat zu beantworten, wie er an kam war ich grade auf ein Paar Tage mit Hepchen in Barmen um da allerlei Besorgungen zu machen u. auch nebenbei ein Conzert zu hören. Ich reißte wieder nach Engelsk. zurück um bei der Unruhe der Kircheneinweihung etwas zu unterstützen, denn Elise war in einem so unbeholfenen Zustand, daß auf sie gar nicht zu rechnen war. Am 13t ist sie denn eingeweiht, es war ein recht schönes Fest u. vom schönsten Wetter begünstigt u. ich freute mich daß ich es mit machen konnte. Wir hatten das Consistorium von Coblenz bei uns im Hause, wozu auch Carl Snethlage | gehört, der President von Cöln war auch da, verschiedene Landräthe u. wenigstes 20 bis 30 Pastöre, die aber alle denselben Abend wieder abreißten. Es war eine rechte Unruhe aber nicht unangenehm, es waren bei den Herrn aus Coblenz recht angenehme u. interessante Leute u. da sie 2 Tage bei mir u. Lottchen wohnten lernte man sie auch etwas näher kennen. Elise lag in der Zeit in aller Ruhe in ihrem Bette, sie hatte uns 8 Tage vorher sehr rasch mit einem Söhnchen überrascht, das Kind ist zwar einige Wochen zu früh geboren aber doch recht gesund, wenn gleich es klein u. mager war, es schläft u. trinkt vortrefflich u. hatte auch schon zugenommen wie ich abreißte was vor 3 Tagen war.

Wie ich aus Deinem Brief sehe haben die Ermens wieder unheilvolle u. theils dumme Streiche gemacht. Ich hoffe du | ärgerst Dich nicht so sehr darüber, es ist nun einmal nicht anders mit ihnen, hat ja dieselben Erfahrungen gemacht. Es ist in diesem Fall allerdings gut daß Du bald mit ihnen nichts mehr zu thun hast u. wünsche ich nur daß bis dahin daß Geschäft noch gut bleibt. Hier kann man nicht viel rühmen, die Bestellungen kommen schwach, die Preise müssen ermäßigt werden u. dabei haben sie im Sommer theure Baumwolle gekauft. Das ist nicht angenehm.

Ich bin in diesem Jahr 6 Monate in Engelsk. gewesen u. wie wir am letzten Morgen wie ich abreisen wollte davon sprachen meinte Adolf, wenn ich noch einige Tage länger blieb, dann würde Engelskirchen sich melden u. mich zu den Steuern heran ziehen, hierdurch würden wir veranlaßt überhaupt darüber zu sprechen was ich für Nutzen haben würde wenn | ich mein Domicil dahin verlegte u. Adolf u. Emil meinten ich würde wol 300 Thl. damit ersparen. Diese Unterhaltung veranlaßte mich wie ich ankam mal genaue Erkundigungen über die Steuern anzustellen die ich hier bezahle, u. da fand ich daß ich in diesem Jahr schon über 1300 Thl. bezahlt habe wo bei über 600 Thl. Kommunalsteuer sind u. hier von muß ich noch 25% Zuschlag bezahlen für die Bedürfnisse der Cholera Kranken. Der Zweck ist allerdings gut u. ich habe nicht’s dagegen aber da ich doch beinah 6 Monate in Engelsk. bleibe kann ich auch leicht noch 14 Tage länger bleiben u. spare damit wahrscheinlich 600 Thl., ich habe mich deshalb entschlossen eine Anzeige zu machen daß ich von Januar an mein Domicil nach Engelskirchen verlege. Nun leb wohl für heute, wir sind Gott sei Dank gesund u. ich hoffe daß Du es auch geblieben bist. Sei nur vorsichtig mit Deinem neuen Pferd besonders auf der Jagd. Die Geschwister lassen Dich alle grüßen.

Mit treuer Liebe
Deine Mutter E.

| Herrn Friedr. Engels
adr. Ermen & Engels
Manchester |

 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Samstag, 23. November 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00439. Abgerufen am 24.08.2019.