| Engelsk. 20 August 67

Lieber Friedrich

Ich muß Dir wol erst die gewünschte Adresse schicken bevor ich von Dir Nachricht erwarten darf obgleich ich gern hörte ob Du glücklich angekommen bist u. wie die Stimmung der Herren Ermen ist. Hier hat sich seid Deiner Abreise auch manches zugetragen. Zuerst kam Alberth u. während seiner Anwesenheit verschlimmerte es sich so mit Adolfs Schlaflosigkeit u. Kopfschmerz, daß wir ernstlich darauf bestanden er solle nach Cöln gehn u. Dr. Fischer um Rath fragen. Dieser hat dann gesagt es sei durchaus nöthig daß er 3 Wochen nach Kissingen u. dann noch 3 Wochen nach Ostende ging, er wird nun morgen dahin abreisen u. hat vorläufig die Pariser Reise ganz daran gegeben. Ich erhielt in der vorigen | Woche einen Brief von Rudolf worin er mir schrieb seine Frau befinde sich nach ihrer Ankunft in Barmen gar nicht wohl, ihre Verdauung sei schlecht, sie habe viel Magenschmerzen u. ihre Nerven seien angegriffen u. er frage hiermit an, ob er sie auf kurze Zeit hierher bringen könne. Ich war natürlich damit einverstanden u. seid vorigen Sammstag ist sie hier, Rudolf reißte gestern wieder ab u. nahm Frl. Cramer wieder mit. Mathilde nimmt nun Stahlbäder in Ründeroth u. Stahlpillen hier.

Alberth Griesheim ist noch immer der alte gemüthliche Mensch, er sagte er fühle doch daß er nicht noch einmal einen solchen Feldzug mit Nächte unter freiem Himmel aus halten könne sein Reumatismus habe sich nach dem | wieder gemeldet u. er kam von Wisbaden wo er 4 Wochen gewesen war, da jetzt in den neuen Landestheilen so viele neue Landwehr Regimenter errichtet werden so hat er sich für eine Stelle darin gemeldet u. wie er hier war bekam er einen Brief worin ihm sein Regimentskommandeur sagen ließ, er solle sich jetzt ich glaube beim Kriegsministerium melden u. er gebe ihm die Wahl ob er in Marburg, Eisenach, Weimar, Gotha oder Meinungen leben wolle, er reißte darauf gleich ab um mit seiner Frau zu überlegen u. wird dann diesen Herbst noch seine neue Stelle antreten, er war sehr vergnügt über diese Sache.

Sonst sind wir Alle gesund, auch mein Husten hat sich bei dem warmen Wetter verloren.

| Die Adresse ist „J.M. Dahm in Walporzheim“, die Sorte Wein die Frau Wittw. Friedr. Engels in Barmen 1866 erhalten hat.

Am 31 August kommt Hedwig mit ihren 8 Kinder hier her, Mathilde reißt dann wieder ab. Hermann reißt diesen Abend mit dem Baumeister Scheid nach Paris ab.

Nun leb wol für heute, Alle lassen Dich herzlich grüßen. Ich hoffe nun recht bald einen Brief von Dir zu erhalten. Von den Ermens haben sie hier nichts gehört.

Mit treuer Liebe

Deine Mutter E. |
 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Engelskirchen, Dienstag, 20. August 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00325. Abgerufen am 20.08.2019.