| Barmen 21 Mai 1867

Lieber Friedrich

Deinen Brief erhielt ich u. will dir diesen Abend noch vor schlafen gehn einiges darauf antworten. Zu erst theile ich Dir mit, daß Hermanns Frau Emma vor 8 Tagen von einem Knaben entbunden wurde, das Kind aber leider wieder bei der Geburt starb. Es ist recht betrübt, es war ein sehr kräftiges, starkes Kind. Emma hat sich besser darin gefunden wie wir erwartet haben u. befindet sich auch im(?) Verhältniß wohl, wenn wir schönes warmes Wetter behalten wird sie bald wieder heraus gehn können. Was nun den Brief von Herm. an G. Ermen betrifft, so trift ihn die Schuld nicht allein, es war die Folge einer Ueberlegung nach Empfang Deines Briefes, Herm. sagte mir er hätte gefürchtet in den nächsten Tagen eine | Anonce von G. E. in der Zeitung zu finden. Er hat mir den Brief vorgelesen, er war sehr artig u. höflich geschrieben, er gab darin zu daß sie noch bei einigen Artikeln den Nahmen „Manchester“ gebrauchten, wie er glaube dadurch dem Manchester Geschäft keinen Schaden zu gefügt werde, er berief sich auf die freundlichen Beziehungen die immer unter ihnen bestanden hätten u. hoffe es werde auch in der Folge so bleiben. Das war, wie ich glaube so ungefähr das Ganze. Sie hätten freilich besser gethan Dir den Brief erst offen zu schicken u. es Deinem Urtheil zu überlassen ob er angebracht sei oder nicht, daran haben si[e] aber nicht gedacht u. keinen Falls haben sie aber dabei beabsichtigt etwas hinter Deinem Rücken zu thun. G. E. hat kein Wort darauf geantwortet. Ich denke Herm. wird Dir nächstens selbst darüber schreiben, augenblicklich sind sie sehr beschäftigt damit neue Preislisten heraus zu geben, dabei | hat Herm. seine Schwiegermutter zu Emmas Erheiterung da u. seine Schwiegerin Bertha die damit beschäftigt ist für ihre künftige Haushaltung Möbel hier zu bestellen, sie ist mit einem Regierungsrath Duddenhausen [v]erlobt, der bei der Bergisch-Märkischen Eisenbahn angestellt ist in Elberfeld.

Ich habe heute meine Koffer gepackt u. denke so Gott will Uebermorgen nach Engelskirchen zu gehn, meine Mägde habe ich schon heute dahin voraus geschickt, damit ich etwas Ordnung finde u. habe Regiena so lange im Hause. Wie es in diesem Sommer mit unsern Reisen wird, ist noch sehr unbestimmt, nach Ostende werden wir wol nicht kommen. Hedwig, die hauptsächlich immer für Ostende stimmt muß diesen Sommer auf der Wochenstube zu bringen, sie erwartet ihre Entbindung im Juli, Elise, die auch sonst ziemlich mobil ist, erwartet ihre Entbindung Ende Novbr. Marie hat aber mit ihren Kindern | so viel zu thun, daß sie wol nicht daran denkt andere Reisen zu machen, wie nach Engelsk. wo ich sie nach Pfingsten mit ihren 3 kleinen Mädchen erwarte. Ich habe mich auch ohne Ostende diesen Winter so gut befunden wie sonst, wenn ich dah[in] gewesen war. Etwas reisen mögte ich indessen doch wol u. dachte daran ein Paar Wochen vieleicht am Rhein an einem angenehmen nicht zu unruhigen Ort zu zu bringen u. wäre es sehr angenehm, wenn Du mit dahin gingst, wir wollen dies mal näher überlegen. Es thut mir sehr leid für Dich daß der G. E. so unausstehlich u. unredlich ist, Du hast aber gan[z] recht, wenn die Sache nicht gar zu arg wird nicht immer Streit mit ihm darüber anzu fangen, es ist mir aber lieb daß Du Dich mir gegenüber darüber aussprichst, ich weiß immer gern um Alles was Euch betrifft, hoffe aber daß es auch wirklich so ist, daß Du | die Sache nicht so schwer nimmst u. deinen Aerger u. Verdruß auf dem Comptoir zurück läßt, aber jedenfalls würde ich mir in diesem Sommer einen längeren Uhrlaub nehmen, darin hast Du g[an]z recht. Gott gebe daß wir dann gesund zusammen kommen u. zufriedene u. heitre Tage verleben.

Gestern ist der junge E. Blank von London hier angekommen um ein Paar Wochen hier zu bleiben.

Für jetzt will ich schließen, ich bekomme fast immer vom anhaltenden schreiben etwas Kopfschmerzen. Leb recht wol lieber Friedrich u. laß mal bald wieder etwas von Dir hören.

Mit treuer Liebe
Deine Mutter E. |

Den 22ten

Ich sprach heute noch mal mit Herm. über seinen Brief an G. E. Er sagte mir er habe Deinen Brief nach Engelsk. geschickt u. sie haben gemeinschaftlich beschlossen daß er an G. E. in der Weise schreiben solle wie er gethan hat, dein Brief muß doch wol derart gewesen sein, daß sie befürchten konnten G. E. könne wegen dieser Sache gegen sie einschreiten.

Herm. will Dir wenn du es wünscht den Abdruck seines Briefes an G.E. einschicken. Nun noch mals leb recht wohl, Herm. u. Rudolf lassen herzlich grüßen.

Deine Mutter E. |
 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Dienstag, 21., und Mittwoch, 22. Mai 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00270. Abgerufen am 20.08.2019.