| Barmen 23 April 1867

Lieber Friedrich

Da ich noch immer die Fortsetzung Deines Briefes nicht erhalten habe will ich mal wieder schreiben, vieleicht wirst Du dadurch dazu aufgemuntert. Zuerst will ich Dir mittheilen daß ich gestern meinen Geburtstag hatte u. 70 Jahr alt wurde. Da ich mich beim lesen von Fritz Reuters Werken so gut unterhalten u. so herzlich gelacht hatte, wurde ich damit beschenkt u. bekam dazu noch eine schöne Spanische Wand, wofür ich Euch Alle herzlich danke. Ich konnte diesen Tag Gott sei Dank mit Deinen Geschwistern recht heiter verleben u. befinde mich überhaupt in den letzten Wochen wieder viel wohler. Emil in Engelskirchen ist aber wieder ziemlich krank gewesen, er bekam nach einer Ohnmacht u. heftigem Frost die Kopfrose ziemlich bedeutend u. mußte über 8 Tage zu Bette liegen, jetzt ist er ziemlich | wieder hergestellt nur muß er sich bei dem nassen u. stürmischen Wetter was wir noch immer haben noch etwas schonen. Rudolf kann auch noch nicht recht wieder auf den Strumpf kommen, wie es schei[nt] ist sein Magen geschwächt, so bald er etwas unvorsichtig im essen oder trinken ist bekommt er wieder Schwindel u. vor einigen Tagen bekam er in der Nacht Erbrechen u. war mehrere Tage, wie er sagte duselich u. sah schlecht aus, er kann sich noch nicht darin finden daß er nicht mehr so drauflos leben kann wie früher u. wenn er sich dann einmal wieder recht gesund fühlt, verdirbt er sich durch Unvorsichtigkeit.

Was sagst Du denn zu der Luxenburger Geschichte, werden wir wieder Krieg bekommen? Ich fürchte es u. er wird dann wol schlimmer werden wie im vorigen Jahr. Wer ist nun wol eigentlich Schuld daran, Napoleon | oder das französische Volk? Es ist recht betrübt u. schrecklich daß wieder so viel Blut vergossen werden soll u. so viel Elend u. Jammer herbeigeführt wird. Wie glücklich könnten die Menschen sein, wenn sie Alle friedlich gesinnt wären. Der junge Caspar Engels, der sich jetzt eben verlobt hat, müßte dann auch gleich mit fort. Er heirathet eine Fräulein Knobel aus Düsseldorf, er wohnte in seinem Dienstjahr mit ihr in einem Hause u. hat sich schon in der Zeit in sie verliebt, er war gestern hier u. machte mir mit seiner Braut einen Besuch, sie ist ein recht hübsches Mädchen aber ganz ohne Vermögen.

Was hat denn G. Ermen zu dem Brief von Hermann gesagt? Er hatte eben seinen Brief den Tag vorher abgeschickt, als Deiner an kam worin Du sagtest es sei nicht nöthig daß er schrieb, G. habe es wol schon wieder vergessen. Ich fürchtete es wäre Dir  | unangenehm daß er geschrieben hatte aber es war nun nicht mehr zu ändern. G. hat übrigens nichts darauf von sich hören lassen, wenigstens bis jetzt nicht.

Uebermorgen bin ich zu einem großen Fest bei Molineus eingeladen, Ida u. Albert feiern ihre silberne Hochzeit u. zugleich die Hochzeit ihrer Tochter Constanze mit Herr Satweber, es wird wol eine etwas sonderbar zusammengesetzte Gesellschaft werden, der Färber Kamman kommt als Onkel hin u. noch einige ähnliche Glieder der Familie Satweber, der Frisör Hoffmann hat sogar der Marie erzählt auch Kamman hier im Bruch, mit seiner Frau frührere Caroline Voch müsse eingeladen werden, das ist aber nicht so. Uebrigens ist der Bräutigam ein ganz netter u. feiner Mann der mir besser gefällt wie seine Constanze. Doch nun leb wohl, Gott sei mit Dir u. erhalte Dich gesund.

Mit treuer Liebe Deine Mutter
E.
 

Zitiervorschlag

Elisabeth Engels an Friedrich Engels in Manchester. Barmen, Dienstag, 23. April 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00250. Abgerufen am 20.08.2019.