| Hamburg 13 April 1867.

Lieber Fred,

 Marx reiste mit dem Manuskript zum ersten Band des „Kapital“ zu dem Hamburger Verleger Otto Meißner. Siehe Erl. zu Marx an J. Ph. Becker, zw. 9. u. 15.1.1866. – Die Reise begann am Mittwoch, den 10. April 1867. Vom 12. bis 16. April blieb er in Hamburg und besuchte vom 16. April bis etwa 14. Mai 1867 Louis Kugelmann in Hannover (siehe Marx an L. Kugelmann, 16.4.1867). Auf der Rückreise nach London hielt sich Marx wieder einige Tage (etwa vom 14. bis 18. Mai 1867, siehe Marx an Engels, um den 22.5.1867 „Sonntag angekommen in London ...“) in Hamburg auf, wo er weitere Verhandlungen mit Meißner führte. – Des Weiteren dazu: Sommer: Karl Marx in Hamburg. S. 55–59.
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Gestern 12 Uhr Mittag kam ich hier an.
Das Schiff verließ London  10. April 1867.
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Mittwoch,
8 Uhr Morgens. Du siehst darin die ganze Geschichte der Seereise. Höchst tolles Wetter und Sturm. Mir war, nach dem langen Verschluß, dabei  Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Eine Tragödie. Auerbachs Keller in Leipzig. Faust: „Uns ist ganz kannibalisch wohl / Als wie fünf hundert Säuen!“
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so kannibalisch wohl als wie 500 Säuen.
Doch wäre die Sache auf die Dauer ennuyant geworden mit all dem kranken und abfallenden Gesindel rechts und links, hätte nicht ein gewisser nucleus Stich gehalten. Das war ein sehr „gemischter“ Kern, viz. ein deutscher Schiffskapitain, der Dir im Gesicht sehr ähnlich, aber kleiner Kerl, er hatte auch viel von Deinem Humor u. doch selber dasselbe gutmüthig frivole Zwinkern des Auges; ein Londoner Viehhändler, echter  Auch Name des Schiffes, mit dem Marx reiste.
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John Bull
, bovine in every respect; ein deutscher Uhrmacher aus London, netter Bursche; ein Deutscher aus Texas; und die Hauptperson, ein Deutscher, der seit 15 Jahren sich herumtreibt in neuern östlichen im Osten von Peru , einer erst kürzlich geographisch registirten Gegend, wo u.a. noch tüchtig Menschenfleisch verspeist wird. Ein toller, thatkräftiger und lustiger Bursche. Er hatte sehr werthvolle Sammlung bei sich von Steinäxten u.s.w., die in den „Höhlen“ gefunden zu sein verdienten. Als Anhang eine Frauensperson (die andern Damen alle seasick und kotzend in der Damencabin), alter Gaul mit zahnlosem Maul, hännöversch fein sprechend, Tochter eines urehmaligen hannoverschen Minister,  Nicht ermittelt.
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oder so was, jezt seit lange Menschenabrichterin, Pietistin, Arbeiter Arbeiterlage hebend, bekannt mit Jules Simon, voll Seelenschöne, womit sie unsern bovine friend todt ennuyirte. Well! Donnerstag Abend, wo der Sturm am schlimmsten, so daß alle Tische u. Stühle tanzten, kneipten wir en petit Comité, während „das“ alte weibliche Gaul auf einem Kanapee in derselbe // lag, wovon die Bewegung des Schiffs sie von Zeit zu Zeit in die Mitte der Cabin – zur um sie zu zerstreuen ein wenig – auf den Boden trollte. Was hielt diese Schöne unter diesen erschwerenden Umständen gefesselt? Warum verzog sie sich nicht ins Frauengemach? Unser deutscher Wilde erzählte mit wahrem Gusto alle Geschlechtsschweinereien der Wilden. Voilà le charme für die Zarte, Reine, Feine. Ein Beispiel: Er ist begastet in einer Indianerhütte, wo grade denselben Tag die Frau niederkommt. Die Nachgeburt wird gebraten und – höchster Ausdruck der Gastfreundschaft – er hat ein Stück von dem Sweetbread mit zu geniessen!

Gleich nach unsrer Ankunft geh ich zu Meißner. Commis sagt mir, daß er vor 3 Uhr Abe[nd] (Nachmittag) nicht zurück. Ich ließ meine Karte da u. lud Herrn M. zum Dinner bei mir ein. Er kam, se // hatte aber noch einen Andern bei sich u. wollte ich solle mit ihm gehn, da seine Frau ihn erwarte. | Ich schlug das ab, kam aber überein, daß er mich 7 Uhr Abends besuchen sollte.  Wilhelm Strohn führte im Auftrag von Marx die Verhandlungen mit Meißner über die Veröffentlichung des „Kapital“. Anfang 1865 vermittelte er bei dem Vertragsabschluß. Siehe MEGA² III/13. Br. 105, 107, 113, 122, 154 und 195.
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Er sagte mir en passant, daß Strohn wahrscheinlich noch in Hamburg.
Ich ging also zu Strohns  Eugen Strohn.
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Bruder
. Unser Mann the very same morning nach Paris gereist. Also Abends kam Meißner. Netter Kerl, obgleich etwas sächselnd, wie sein Name andeutelt. Nach kurzem Pourparler all right.  Karl Marx: Das Kapital.
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Manuscript
sofort in sein Verlagshaus gebracht, dort in safe gesteckt. Der Druck wird in a few days beginnen u. rasch von Statten steh[…] gehn . Wir kneipten dann u. er erklärte sein grosses „Entzücken“ meine werthe Bekanntschaft gemacht zu haben.  Siehe Erl. zu Marx an J. Ph. Becker, zw. 9. u. 15.1.1866.
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Er will jezt, daß das Buch in 3 Bänden erscheint. Er ist nämlich dagegen, daß ich das letzte Buch ( die den Geschichtlich=literarischen Theil) ab[…] concentrire , wie ich es vorhatte. Er sagt, buchhändlerisch, u. für die „flache“ Lesermasse, rechne er grade am meisten auf diesen Theil. Ich sagte ihm, mich // in dieser Hinsicht ihm zur Verfügung zu stehn.

At all events, haben wir in Meißner einen Mann ganz zu unsrer Disposition; u. er hat grosse Verachtung für das sämmtliche Lumpenliteratenpack.  Siehe Engels an Marx, 13.3.1867 „eine Anweisung mit um das Honorar“ und 4.4.1867 „einen Zettel“ und Erl.
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Deine little bill fand ich klug noch nicht zu präsentiren.
Die angenehmsten Ueberraschungen immer für den Schluß.

Und nun Adio, old boy.

Dein
K. Marx.

Best Compliments to Mrs. Burns!

 

Zitiervorschlag

Karl Marx an Friedrich Engels in Manchester. Hamburg, Samstag, 13. April 1867. In: Marx-Engels-Gesamtausgabe digital. Hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. URL: http://megadigital.bbaw.de/briefe/detail.xql?id=B00247. Abgerufen am 01.12.2020.