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2Theurer Freund!

3Aus voller Seele Dank, Dir und den Dir verbundenen Männern und Freunden, für alle Güte, allen Antheil, alles liebevolle, opferfreudige Handeln! Dank auch allen Mitwirkenden beim Feste, – den dichtenden, den redenden, den singenden! Sage Allen Alles! Mein Herz ist bewegt und froh gehoben! Dank auch für Euer Telegramm, das einen heiteren und glücklichen Tag mit einem heiteren und glücklichen Abend krönte! Es war eine Ueberraschung, – und sich erkenne mit Rührung die Freundschaft und das Wohlwollen, die Euch bewogen, sie mir noch am Festabend zu bereiten! Ich kann Dir nicht sagen, lieber Freund, wie sehr die vielen Beweise neuen Gedenkens, deren das Vaterland mich eben jetzt würdigt, mich ehren und erfreuen! Ich wähnte vergessen zu sein – vergessen und verschollen! – und nun kommen die Edelsten und Besten, nun kommt ein ganzes, großes – ein, will’s Gott, bald auch freies und einiges – Volk, und zeigt mir, daß ich mich geirrt hatte! Es ist mir wie ein Auferstehen von den Todten! Bei dieser seltenen Einmüthigkeit, der Theilnahme und der Zustimmung, gewinnt das Persönliche allerdings eine allgemeine, eine höhere Bedeutung! Und Das grade ist’s, was mich freut und hebt! In diesem Sinne wage ich es, bei aller Bescheidenheit, mich stolz und glücklich zu fühlen Angesichts dieser großen nationalen Kundgebung!

4 Ich drücke Dir warm und herzlich die Hand, lieber Glaßbrenner! Drücke Du sie für mich den Freunden!

5Für immer in Liebe und Treue Dein und Euer

6F. Freiligrath.

7 London, den 24. Juni 1867.