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            <titleStmt>
                <title><idno>26</idno>Louis und Gertrud Kugelmann an Karl Marx in London. Hannover,
                    Freitag, 20. Januar 1871</title>
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                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
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                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
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                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
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                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
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                        <institution>RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 2251</idno></idno>
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                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen weißem, stark vergilbtem Papier. L. Kugelmann hat die vierte und
                            erste Seite vollständig, die zweite zu zwei Dritteln beschrieben. Der
                            Briefteil von G. Kugelmann befindet sich darunter, im unteren Drittel
                            der zweiten Seite, mit dünnerer Feder notiert. Die dritte Seite ist
                            leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                        <p>Von Kugelmanns Hand: Anstreichungen am Rand.</p>
                        <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung der beschriebenen Seiten mit Bleistift
                            „88a–c“.</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Louis Kugelmann</persName>
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">Gertrud Kugelmann</persName>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
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                <keywords>
                    <term key="M2532583">Deutsch-Französischer Krieg 1870/71</term>
                    <term key="M0002306">Zeitungen der IAA</term>
                    <term key="M0004559">Deutsche Parlamentsangelegenheiten</term>
                    <term key="M0003714">Preußen</term>
                    <term key="M5340211">Elsass und Lothringen</term>
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    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> Hannover, 20. Janr.
                        1871</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Mein hochverehrter, lieber
                        Freund!</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Wie im vorigen Frühjahr, so
                    auch diesmal hat sich meine Neuralgia ulnaris in eine Furunculose über der
                    gleichseitigen Austrittsstelle des Plexus brachialis aufgelöst. Abgesehen von
                    den individuellen, Dir leider genügend bekannten, Unannehmlichkeiten, ein
                    interessanter Schritt weiter für die, noch ziemlich dunkle
                    Ätiologie dieser so höchst lästigen Affection. – Es freut
                    mich aus Euren Mittheilungen zu sehen, daß es Dir bis jetzt in diesem heillosen
                    Winter gut geht, hoffentlich auch ferner. – Welch angenehmes Dasein ich unter
                    der hier herrschenden allgemeinen Urtheilslosigkeit u. moralischen Feigheit
                    führe magst Du Dir denken. – Ein Umschwung in der öffentlichen Meinung ist schon
                    seit Wochen nicht zu verkennen.
                    Die
                    Widerstandskraft u. Ausdauer des französischen Volkes, ist für eine an
                    Bevormundung so gewöhnte Nation, wie die deutsche, welche, nach <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName>’s Ausspruch, für sich selbst nichts wagt,
                    sondern sich nur zum Krüppel schießen läßt, wenn sie in Reih’ und Glied steht,
                    vollständig unbegreiflich. Ich höre häufig, daß <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002176 http://d-nb.info/gnd/118716263">Gambetta</persName>, die französ. Regierung überhaupt durch
                    allerlei Kniffe u. Lügen das französ. Volk täusche, daß es „sich gewiß zugeben“
                    würde, wenn es den wahren Sachverhalt kenne. – Daß die jetzige Regierung in
                    Frankreich eher noch ein Hemmniß der Vertheidigung glaubt keiner. –
                    Sähest Du
                    die alten Leute, welche jetzt als Garnison-Bataillone eingezogen werden, ein
                    lebhaftes Mitleid würde Dich ergreifen. Wie muß unter den deutschen Truppen
                    aufgeräumt <pb n="2"/> sein, wenn man schon zu solchen Mitteln
                    greift. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Man beabsichtigt, nach der
                    vorausgesetzten baldigen Capitulation von Paris die Forts zu besetzen, der
                    Nationalgarde den Schutz der Ordnung zu überlassen, Armee u. Mobile in die
                    Gefangenschaft zu schicken, Elsass u. Lothringen zu behalten, die Champagne als
                    Kriegspfand zu occupiren u. dann den Franzosen die Fortführung des Krieges ad
                    libitum anheimzugeben. So berichteten wenigstens kürzlich die Zeitungen. Gesetzt
                    es käme so. Was würde die Folge sein? Die bis zur Maiblamage 1848 bestandene
                    Waffenbrüderschaft zwischen Nationalgarde u. Armee wird unwiederbringlich
                    vernichtet, die erste im <hi rendition="#u">Bunde mit der Invasion</hi>,
                    übernimmt den wohlbekannten Schergendienst gegenüber dem Proletariat, dieses, so
                    weit es Waffen getragen theilt das Schicksal der Armee u. so bereitet sich die
                    so äußerst schwierig zu verwirklichende Interessengemeinschaft, richtiger, das
                    Verständniß des gemeinsamen Interesses zwischen städtischen (Mobile) u.
                    ländlichen (Armee) Proletariat vor. – Die anhaltende Occupation großer
                    Gebietstheile wird bei der Zusammensetzung der deutschen Armee die productiven
                    Elemente Deutschlands dem Ruin entgegenführen. – Deutschland wird wie Frankreich
                    gründlich zerrüttet, die Armee selbst nach etwaigem Friedensschlusse längere
                    Zeit zu ihrer Regeneration bedürfen, während eine halbe Million wuthentbrannter
                    französischer Streiter aus der Gefangenschaft heim kehrt, bereit u. fähig jeden
                    Augenblick das Schwerdt zu ziehen. – Dazu die drohenden Verwicklungen vom
                    Orient. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Wie <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> die traurige Parodie <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008553 http://d-nb.info/gnd/118586416">Bonaparte</persName>’s, so das preußische Abgeordnetenhaus die des Corps
                    legislatif u. das Herrenhaus des Senats. – Die Kaiserkrone dem Kalender zu Liebe
                    angenommen, wo die bairische Volksver<pb n="3"/>tretung die Verträge zu
                    verwerfen droht, welche allen Betheiligten gleich ungenügend u. verwerflich u.
                    zwar offen anerkannt erscheinen. Das ist das Resultat so großer
                    Anstrengungen.–</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; " rendition="#mMM">Bitte sage
                    mir, was Du von meiner Auffassung hältst?</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; " rendition="#mMM">Ob Du meine
                    Kreuzbandsendungen
                    erhältst? (Zuletzt am 18/1
                        Tageblatt N<hi rendition="#sup">o</hi> 9 u <bibl type="periodika" corresp="">Zkft</bibl> N<hi rendition="#sup">o</hi> 10 u. 11<ex>)</ex> u. <hi rendition="#u">vergiß, bitte, nicht meine angestrichenen Fragen zu
                        beantworten</hi>, damit etwas Sicherheit in unsere Correspondenz kommt. Die
                    vom <ref xml:id="dcd09b62-79c4-4553-909b-6279c465533c" corresp="#bac4c50e-0e9b-44c6-84c5-0e0e9ba4c634" type="editorialNote">26/12 70</ref><note xml:id="bac4c50e-0e9b-44c6-84c5-0e0e9ba4c634" corresp="#dcd09b62-79c4-4553-909b-6279c465533c" type="editorial">Siehe
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M9244116">Louis,
                                Franzisca und Gertrud Kugelmann an Marx,
                                26.12.1870</ref>.</note> blieben ganz
                    unberücksichtigt. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Der „<bibl type="periodika" corresp="">Volksstaat</bibl>“ hat sich unter <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007347 http://d-nb.info/gnd/1054241228">Carl Hirsch</persName>’s Redaction <hi rendition="#u">wesentlich</hi>
                    gebessert.–</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Mit herzlichen Grüßen für
                    Deine Damen, namentlich d<ex>as</ex> l. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName> u. Staff</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><signed>Dein<lb/>treu ergebener<lb/>LKugelmann<lb/>Dr</signed></closer>
                <postscript>
                    <p>Von Euch habe ich keine Zeitungen erhalten.</p>
                    <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; " rendition="#mMM">Habt
                        ihr welche geschickt?</p>
                </postscript>
            </div>
            <div type="writingAct" hand="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Anstatt einen Brief an die
                    liebe <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jenny</persName> zu schreiben, wie ich heute, und
                    schon früher, wollte, füge ich hier nur meine herzlichsten Grüße für Sie
                    allesammt bei, nebst vielem Danke für die große Freude, die mir zu Anfang dieses
                    Jahres <ref xml:id="d7b214c8-56d3-4c36-b214-c856d32c3626" corresp="#ac3a9c3c-f01a-4b72-ba9c-3cf01a3b7221" type="editorialNote">Ihre
                            Zeilen</ref><note xml:id="ac3a9c3c-f01a-4b72-ba9c-3cf01a3b7221" corresp="#d7b214c8-56d3-4c36-b214-c856d32c3626" type="editorial">Nicht
                            überlieferter Brief von <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M1767019">Marx an Louis (?) und
                                Gertrud (?) Kugelmann, geschrieben um den 1. Januar 1871</ref>.
                        </note>, lieber Herr Dr. und der reizende Brief Ihrer lieben <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008236 http://d-nb.info/gnd/118578510">Frau</persName> und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychens</persName> bereiteten. In den nächsten Tagen schreibe ich ihr u.
                    für jetzt nur noch <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">Fränzchens</persName> Grüße</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><signed>von Ihrer Gertr. Kugelmann.</signed> </closer>
            </div>
        </body></text>
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