<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M7622640">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>262</idno>Friedrich Engels an Karl Marx in Ramsgate. Manchester,
                    Samstag, 20. August 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">D 1811/D III 581</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen weißem Papier. Engels hat die ersten drei Seiten vollständig
                            beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze
                            Tinte.</p>
                  <p>Von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005553 http://d-nb.info/gnd/118509993">Eduard Bernstein</persName>s Hand:
                            Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite oben rechts mit schwarzer
                            Tinte: „503“ bzw. der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „65,1–3“,
                            sowie redaktionelle Vermerke und Streichungen.</p>
                  <p>Von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006322 http://d-nb.info/gnd/11945842X">Heinrich Dietz’</persName> Hand:
                            Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite oben mit Bleistift: „1228“
                            .</p>
                  <p>Von unbekannter Hand (Dietz?): Vermerk „D“ auf der ersten Seite oben mit
                            Bleistift.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2721</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RDJTHVVL">Erstveröffentlichung:
                            gekürzt: Bw 4 (1913). S. 324–325.</bibl>
               </witness>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/MYHFKSKB">vollständig: MEGA<hi rendition="#sup">1</hi> III/4 (1931). S. 371–373.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004039 http://www.geonames.org/2643123">Manchester</placeName>
               <date when="1870-08-20"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003185 https://www.geonames.org/2639660">Ramsgate</placeName>
            </correspAction>
            <correspContext>
               <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M1528854"/>
               <ref type="next" target="https://megadigital.bbaw.de/M9929707"/>
            </correspContext>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002134">Privates - Engels (Familie, Geschäfte, Reisen)</term>
               <term key="M0002227">Privates - Marx (Familie, Gesundheit, Finanzen)</term>
               <term key="M0004468">Militärwesen</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Mchr 20 Aug 1870.</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Lieber Mohr</salute>
            </opener>
            <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Ich hoffe Dein Rheumatismus
                    ist weniger acut geworden. Das Chloral wird Dir gut gethan haben, wo nicht, so
                    zieh doch einen Arzt zu Rath daß er Dir was zu schlafen eingibt. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007134 1011403">Gumpert</persName> ist in Wales, ist also nicht füglich zu
                    konsultiren.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">
               <ref xml:id="c32060a5-dedd-4b53-a060-a5dedd6b5368" corresp="#e699a03a-ff5a-4292-99a0-3aff5ae29299" type="editorialNote">Ich
                            habe wegen des Hauses heute energisch an den <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M1054411">Smith</persName> geschrieben.</ref><note xml:id="e699a03a-ff5a-4292-99a0-3aff5ae29299" corresp="#c32060a5-dedd-4b53-a060-a5dedd6b5368" type="editorial">Engels siedelte am 20. September 1870 von
                            Manchester nach London über (siehe
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0483680">E. Dupont an Marx,
                            19.9.1870</ref>
                     ) und war im Vorfeld auf der Suche
                            nach einer Wohnung.</note> Ich kann mich von dem grouse shooting
                    aristocrat nicht länger
                    humbuggen
                    lassen, in 4 Wochen sollte ich schon dort sein. Es sind gestern 5 Wochen daß ich
                    die Sache mit Smith ins Reine brachte, &amp; noch keine Antwort!</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich glaube, die Annexation
                    der DeutschFranzosen ist jetzt beschlossene Sache. Hätte sich noch vorige Woche
                    in Paris eine revolut. Regierung gebildet, so wäre noch was zu machen gewesen.
                        <hi rendition="#u">Jetzt</hi> kommt sie zu spät, &amp; kann sich nur noch
                    lächerlich machen durch Parodie des Convents. Ich bin überzeugt <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">
                  <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismar<ex>c</ex>k</persName>
               </expan> hätte mit einer revolut.
                    Regierung, die rechtzeitig auftrat, Frieden ohne Gebietsabtretung geschlossen.
                    Aber wo Frankreich sich wie jetzt benimmt, hat er keinen Grund dem Drängen von
                    Außen, &amp; seiner eignen Eitelkeit von Innen zu widerstehn. Es ist ein großes
                    Pech, aber es scheint mir unvermeidlich. Wenn Deutschland <pb/> Ein Staat wäre,
                    wie Frankreich, so wäre die Sache noch eher zu entschuldigen. Aber so, wo das
                    Eroberte zwischen den drei Gränznachbarn getheilt werden muß, es ist lächerlich.
                    Noch lächerlicher daß die Deutschen sich im Westen ein <hi rendition="#u">deutsch</hi> redendes Venetien anhängen wollen. Das gewichtige
                    Pamphlet
                    des schwerwiegenden <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005636 http://d-nb.info/gnd/118796569">Blind</persName>
               
                    werde ich mir zu verschaffen suchen, es wird aber wohl zu spät kommen.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Was sagst Du zu <ref xml:id="f9558941-84d6-4f05-9589-4184d66f053e" corresp="#a04e1d79-3c66-42de-8e1d-793c6642de86" type="editorialNote">Mack</ref><note xml:id="a04e1d79-3c66-42de-8e1d-793c6642de86" corresp="#f9558941-84d6-4f05-9589-4184d66f053e" type="editorial">Anspielung auf den österreichischen General
                                <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003017 http://d-nb.info/gnd/116644109">Karl Friedrich Leiberich von
                                Mack</persName> (1752–1828), der mit seiner Armee im Krieg gegen
                                <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008552 http://d-nb.info/gnd/118586408">Napoleon I.</persName> im Oktober 1805 in
                            Ulm kapitulierte. </note>–<persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004834 http://d-nb.info/gnd/118657690">Bazaine</persName>?
                        Mack–<persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008114 http://d-nb.info/gnd/117518123">Mahon</persName> war schon schlimm genug, jetzt kommt Mack
                    (von Ulm) tout court. Es wird denn doch gar zu toll wenn 120,000 Franzosen das
                    Gewehr strecken müssen, &amp; das wird <del rendition="#s">sch<unclear reason="illegible" cert="high">o</unclear>
               </del> wohl davon kommen.
                    Der alte
                        <ref xml:id="bd31c54b-0332-4395-b1c5-4b0332139591" corresp="#fcd3a082-4c68-49cd-93a0-824c68d9cd18" type="editorialNote">
                     <add place="intralinear">Stein-</add>Esel</ref><note xml:id="fcd3a082-4c68-49cd-93a0-824c68d9cd18" corresp="#bd31c54b-0332-4395-b1c5-4b0332139591" type="editorial">Siehe
                            <ref target="https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=S43687">„steinesel, m.“</ref>, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm,
                            digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital
                            Humanities, Version 01/23, abgerufen am 08.08.2023.</note>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">Wilhelm</persName>, noch auf seine alten Tage Metz la
                    pucelle zu defloriren! Solch eine
                    dégringolade
                    ist indeß noch nicht dagewesen wie dies 2<hi rendition="#sup">te</hi> empire sie
                    liefert. Ich bin nur begierig, ob die Pariser sich nicht endlich einmal
                    aufraffen wenn sie <subst>
                  <del rendition="#s">diese</del>
                  <add place="across">die</add>
               </subst> Wahrheit über die letzte Woche erfahren. Nützen kann’s freilich nichts
                    mehr. Die Demolirungen um Paris, um es vertheidigungsfähig zu machen, sind so
                    kolossal, daß ich mir gar nicht denken kann daß sie ordentlich ausgeführt
                    werden. Seit 1840 hat sich die Bevölkerung der Stadt fast verdreifacht, die
                    Er<pb/>nährungsschwierigkeiten auch. Endlich ist aller Waarenverkehr jetzt so
                    sehr auf Eisenbahnen basirt daß es nach Sprengung einiger Bahnbrücken auf jeder
                    Linie fast unmöglich sein wird, zu Wagen irgend welche nennenswerthe Vorräthe in
                    die Stadt zu bringen, selbst bei nur unvollkommner Blokade.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Die Verluste voriger Wochen
                    müssen ungeheuer sein. Die Deutschen sind im ganzen Krieg stets mit der größten
                    Resolution mit dem Bajonett draufgegangen, &amp; jetzt auch die Kavalerie gegen
                    unerschütterte Infanterie, dabei müssen die Leute gefallen sein wie die Fliegen.
                    Der schöne <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">Wilhelm</persName> sagt darüber auch gar
                    nichts. Soviel ist aber sicher, Mann gegen Mann, Bataillon gegen Bataillon,
                    haben die Deutschen den Franzosen gegenüber die entschiedenste Überlegenheit
                    bewiesen. Zuerst bei Spichern 27 Bat. gegen 42 (mindestens) Bat. Franzosen, die
                    eine fast uneinnehmbare Position hatten. Nach der Schlacht vom Donnerstag wird
                    die Demoralisation im f<ex>ran</ex>z. Lager nicht mehr zu halten sein.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ob <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">
                  <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Kugel<ex>mann</ex>
                  </persName>
               </expan> in Karlsbad ist? ich weiß nicht,
                    wohin ich das Portrait schicken soll.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Beste Grüße von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005864 http://viaf.org/viaf/5492147665828360670003">Lizzie</persName> &amp; mir an Euch Alle. Hoffentlich höre
                    ich bald Gutes
                    von wegen
                    dem Rheumatismus.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Dein<lb/>F. E.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>