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         <titleStmt>
            <title>
               <idno>75</idno>Louis Kugelmann und Gertrud Kugelmann an Karl Marx in London.
                    Hannover, Montag, 21. März 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>RGASPI</institution>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 2099</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen weißem Papier. L. Kugelmann hat die ersten drei Seiten vollständig
                            beschrieben, die vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.
                            Die Zeilen von G. Kugelmann sind in blauer Tinte auf der dritten Seite
                            links neben L. Kugelmanns Unterschrift notiert. </p>
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Louis Kugelmann</persName>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">Gertrud Kugelmann</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001901 http://www.geonames.org/2910831">Hannover</placeName>
               <date when="1870-03-21"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <note>Zur überlieferten Beilage („Einliegender Brief von Bracke“): </note>
            <note>
               <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M1282679">Leonhard von Bonhorst und Wilhelm Bracke an Louis
                        Kugelmann, 7.3.1870</ref>
            </note>
            <note>(Originalhandschrift: IISG, Marx-Engels-Nachlass, Sign. D 374/D I 53–2.
                    Fotosign. 13527a–b.)</note>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002997">Journalismus/Publizistik</term>
               <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
               <term key="M0004600">Fenier</term>
               <term key="M0004815">Irland</term>
               <term key="M0001907">Arbeiterparteien und -vereine</term>
               <term key="M0003389">Deutsche Sozialdemokratie</term>
               <term key="M0002227">Privates - Marx (Familie, Gesundheit, Finanzen)</term>
               <term key="M0001544">Ökonomie</term>
               <term key="M0002264">Österreich</term>
               <term key="M0004394">Russland</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Hannover, 21. März 1870.</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Mein lieber Marx!</salute>
            </opener>
            <p sameAs="MBTextohneEinzug">Welch’ große Freude hat uns das <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">l<ex>iebe</ex>
               </expan>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName> heute durch
                    ihren
                    Brief u.
                    die gesandten Zeitungen gemacht! — Ich hatte die fraglichen Artikel schon
                    vor einigen Tagen in der <bibl type="periodika" corresp="">Zukunft</bibl>
                    gelesen u. da mir der Inhalt aus der jüngst von Euch erhaltenen
                    Brochüre
                    bekannt war, vorausgesetzt, daß der <bibl type="periodika" corresp="">„Marseillaise“</bibl> ebenfalls ein Exempl. davon zu Gebote gestanden habe.
                    — Wahrlich ich vermuthete nicht, daß
                    Bye
                    — Bye so
                    wachsam gewesen u. so richtig auf die Empfindlichkeit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011324 1014122">John Bull</persName>’s in Bezug auf seine respectability nach Außen
                    speculirt hat. — Unsere continentalen Regierungen kümmern sich den Teufel darum,
                    was man über ihre Methode, ihre Rebellen zu zähmen, denkt, Forderungen der
                    öffentlichen Meinung nachzugeben gilt ihnen als Schwäche u. unsere — mit Respect
                    zu sagen — Nationalliberalen wissen der Regierung immer zu erläutern, daß, wenn
                    das u. das bewilligt wird, es ja mit demüthigem Danke u. durchaus nicht als
                    Nachgiebigkeit angenommen werden sollte. —
                    Immerhin
                        beweist<ref xml:id="b9c2e31c-0269-4670-82e3-1c02698670a5" corresp="#da3067de-8243-48fb-b067-de8243e8fb2d" type="editorialNote"> Jennychens herrlicher</ref><note xml:id="da3067de-8243-48fb-b067-de8243e8fb2d" corresp="#b9c2e31c-0269-4670-82e3-1c02698670a5" type="editorial">
                     <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/JNJLH856">Jenny Marx: (Tochter): Articles sur la question
                                irlandaise</bibl>. (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> /21</bibl>. S.
                            1027–1051 u. 2227–2235).</note> Erfolg, daß England dennoch ein
                    unendlich vor dem militärisch gezähmten Europa bevorzugtes Land
                    ist. — Eine Parallele zwischen den Neapolitanischen Gefangenen
                    unter <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006665 http://d-nb.info/gnd/119502410">Bomba</persName> u. den fenischen unter <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006962 http://d-nb.info/gnd/118695207">Gladstone</persName> würde nicht uninteressant sein.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Hier scheint das öffentliche Leben der bürgerlichen
                    Kreise völlig zu stagniren, während die gewerksgenossenschaftliche Organisation
                    des Proletariats langsam aber stetig fortschreitet. Es ist oft komisch
                    anzusehen, wenn manchem Arbeiter, der bislang die „sociale Frage“ als ein
                    angenehmes Excitement betrachtete plötzlich erfährt, daß das doch ein verdammt
                    practisches Ding ist. <pb n="2"/> So z. B. die Mitglieder der
                    hiesigen
                    Kranken Casse der Maler u.
                    Lackirer,
                    deren Arzt ich bin. — Der Cassirer derselben ist bislang ein Meister gewesen.
                    Dieser verbummelte in sehr vielen Fällen die Eincassirung der Beiträge, die
                    Mitglieder sind eine sehr fluctuirende Menge, oft nur einige Monate hier u.
                    suchen sich zum Theil ihren Verpflichtungen zu entziehen. — Plötzlich tritt vor
                    einigen Wochen der noch nicht
                    dagewesen
                    Umstand ein, daß auch nicht ein Pfennig in der Casse ist, die Kranken keine
                    Unterstützung bekommen können u. der Cassirer seine leere Casse dem Magistrat
                    übergiebt, der das Oberaufsichtsrecht hat. — Diese patriarchalischen Zustände
                    werden Dir komisch vorkommen, ich aber benutze sie, um daran die Nothwendigkeit
                    der internationalen Organisation nachzuweisen, wodurch allein das „Auskneifen“
                    verhindert werden kann. –</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">
               <ref xml:id="aad72a82-18b1-465d-972a-8218b1365d24" corresp="#b9a49c07-4a75-429f-a49c-074a75529f24" type="editorialNote">Einliegender
                            Brief von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005741 http://d-nb.info/gnd/118672940">Bracke</persName>
                     
                  </ref><note xml:id="b9a49c07-4a75-429f-a49c-074a75529f24" corresp="#aad72a82-18b1-465d-972a-8218b1365d24" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M1282679">Leonhard von Bonhorst und Wilhelm Bracke
                                an Louis Kugelmann, 7. März 1870</ref>.</note> interessirt
                    Dich vielleicht in Bezug auf sein Verhältniß zur falliten
                    <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M5348699">Association der Cigarrenarbeiter</orgName>. Die
                    Entschuldigung ist veranlaßt durch einen Brief des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0082790">Ausschußes</orgName>, unterzeichnet: „Bonhorst“, an mich, wodurch man
                    meinen Eifer für die Sache anzuregen für angemessen fand. Ich machte die Herren
                    darauf aufmerksam, daß dies nicht nöthig sei. — Vor einigen Tagen besuchte mich
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001771 http://d-nb.info/gnd/1034703692">Bonhorst</persName>, um mich wegen eines kleinen
                    Übelbefindens zu consultiren u. da erfuhr ich denn zu meinem Bedauern, daß
                    Bracke’s Gesundheit auch nicht ganz
                    kapitelfest
                    sei. —</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Mit herzlicher Theilnahme höre ich, daß Lafargue’s ihr
                    kleines <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M9205550">Töchterchen</persName> wieder verloren haben,
                    indeß kommt mir <hi rendition="#u">die Kälte</hi> als causa mortis doch etwas
                    problematisch vor, wenn man das Kind derselben nicht unvorsichtig ausgesetzt
                    hat. — Daß <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004125">Snappy</persName>, der Euch im vorigen
                    Herbste so viel Sorge machte, allen Schwankungen des Thermometers gegenüber
                    seinen Individualismus wahrt, macht seiner Selbstständigkeit inmitten der <pb n="3"/> mutualistischen Strömung alle Ehre. —</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Daß es Dir gut geht, bin ich glücklich zu hören. Nimm
                    Dich nur in Acht, daß Du Dich nicht wieder überarbeitest. —</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Was sagst Du zu den Angriffen des <ref xml:id="b81f81ed-f25a-4709-9f81-edf25a1709c7" corresp="#b3a1f2cd-d6d6-449f-a1f2-cdd6d6b49f1c" type="editorialNote">Wiener <bibl type="periodika" corresp="">Oeconomist</bibl>
                     
                  </ref><note xml:id="b3a1f2cd-d6d6-449f-a1f2-cdd6d6b49f1c" corresp="#b81f81ed-f25a-4709-9f81-edf25a1709c7" type="editorial">
                     <bibl type="periodika" corresp="">Der
                                Oesterreichische Oekonomist.</bibl> Wien.</note> gegen
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005579 http://d-nb.info/gnd/118510444">Beust</persName>? Man wird dadurch wieder an die
                    Anklage der <bibl type="periodika" corresp="">Free Press</bibl>, vor
                    einigen Jahren, erinnert, daß Beust’s Schulden von Rußland bezahlt worden
                    seien.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Die letzten Monate war ich in der Praxis sehr angespannt
                    u. hatte sehr viele anstrengende u. aufregende Fälle, so daß mir kaum Zeit zu
                    anderer Thätigkeit blieb. Ich freue mich wie ein Kind auf Karlsbad <hi rendition="#u">mit Euch</hi>. —</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug" rendition="#mMM">Nun noch
                    eine Bitte, lieber Marx! Sei so gut, mir <hi rendition="#u">umgehend</hi> zu
                    sagen, ob <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName> wohl ein gutes Exemplar
                    von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006983 http://d-nb.info/gnd/118540238">Göthes</persName> sämmtl. Werken zu ihrem
                    Geburtstage Freude machen würde? Ich möchte dem l. Kinde gern eine kleine
                    Aufmerksamkeit erweisen. — Sage ihr aber nichts davon. —</p>
            
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Nun, lebe wohl, mein lieber, bester Freund, empfiehl
                    mich Deinen Damen u. sei herzlich gegrüßt von </p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Deinem<lb/>treu ergebenen<lb/>L. Kugelmann<lb/>Dr</signed>
               <lb/>
            </closer>
            <postscript>
               <p>Durch die
                        Blätter säuselt es wieder von Nord-Ostsee-Canal. Man muß
                        wohl wieder ein Interesse haben, die Wichtigkeit der Pläne Preußens für
                        Deutschland
                        Größe im Allgemeinen u. die Entwicklung der Herzogthümer im Besondern
                        nachzuweisen. — In Petersburg wird man darüber lachen. —</p>
            </postscript>
         </div>
         <div type="writingAct" hand="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">
            <p>Lieber Herr Doctor, ich gratulire Ihnen zu <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName>s Heldenthat. Vivat sequens!
                    Hätte ich
                    doch in meiner Jugend für mein Latein Französisch gelernt,
                    womit ich mich jetzt noch sehr quäle, wie Ihnen Jennychen erzählen kann.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Herzlichen Gruß von Ihrer<lb/>G. Kglm.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>