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            <titleStmt>
                <title><idno>112</idno>Louis und Franziska Kugelmann an Karl Marx in London.
                    Hannover, Mittwoch, 5. April 1871</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 2309</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen stark vergilbtem Papier. L. Kugelmann hat drei Seiten vollständig,
                            die letzte zu drei Vierteln beschrieben. F. Kugelmanns Zeilen sind
                            darunter im unteren Viertel der letzten Seite notiert. Schreibmaterial:
                            schwarze Tinte.</p>
                        <p>Von unbekannter Hand: Unterstreichung der Datumszeile mit Blaustift;
                            Nummerierung von allen beschriebenen Seiten mit Bleistift:
                            „93a–d“.</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
                <listWit>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/W5MKBP48">Erstveröffentlichung: in
                            russischer Übersetzung: gekürzt: Первый Интернационал и Парижская
                            Коммуна 1871-1971. Moskau 1972. S. 458/459.</bibl>
                    </witness>
                    <witness>
                        <bibl type="print">Vollständig in der Sprache des Originals wird der Brief
                            hier erstmals veröffentlicht.</bibl>
                    </witness>
                </listWit>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Louis Kugelmann</persName>
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">Franzisca Kugelmann</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001901 http://www.geonames.org/2910831">Hannover</placeName>
                    <date when="1871-04-05"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                </correspAction>
                <correspContext>
                    <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M7914526"/>
                    <ref type="next" target="https://megadigital.bbaw.de/M8450461"/>
                </correspContext>
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    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> Hannover, 5. April
                        1871.</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Mein hochverehrter, lieber
                        Freund!</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; "><ref xml:id="f80c74f2-56c5-45b5-8c74-f256c515b5f6" corresp="#c18c8f95-5088-4a99-8c8f-955088ba999f" type="editorialNote">Seit länger als 2 Monaten habe ich nichts von Dir
                            gehört</ref><note xml:id="c18c8f95-5088-4a99-8c8f-955088ba999f" corresp="#f80c74f2-56c5-45b5-8c74-f256c515b5f6" type="editorial"><ref target="https://megadigital.bbaw.de/M7914526">Marx
                                an L. Kugelmann, 4.2.1871</ref>.</note>,
                    außer
                    von dem lieben <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName>
                    kürzlich, daß Du den alten,
                    abscheulichen Husten immer noch nicht los bist. – Du mußt wirklich etwas
                    Ordentliches dagegen unternehmen, damit Du später nicht ernstlich dadurch
                    gefährdet wirst. – Ob Jennychens Ansicht, sie u <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008229 http://d-nb.info/gnd/118745913">Tussy</persName> in die Pyrenaeen zu begleiten richtig ist, weiß ich nicht,
                    weil Leberaffectionen eigentlich kein warmes Klima vertragen. An diese
                    Complication muß man bei Dir immer denken. – Wie ich mir Dein Befinden vorstelle
                    scheint mir in der warmen Jahreszeit (Juni–August) eine Cur in Marienbad (2000’
                    hoch), oder eine Molkencur, an irgend einem geschützten Orte in den Alpen, aber
                    einige Tausend Fuß hoch gelegen, am besten beiden Indicationen zu entsprechen.
                    Ist der Catarrh dann noch nicht ganz geschwunden, dann würde ich Dir die
                    Inhalationen in Inselbad bei Paderborn empfehlen, die von eminenter Wirkung
                    sind. – Sprich doch mal mit einem tüchtigen Arzte dort u. frage den mal, was er
                    zu diesen Vorschlägen meint. Im Sommer 1868 hatte auch ich mir einen Catarrh
                    zugezogen, der 4 Monat anhielt. Nach einer Luftveränderung von nur kurzer Dauer
                    (14 Tage in Dresden zur Naturforscher-Versammlung u. einige Tage in der
                    sächsischen Schweiz) verschwand derselbe völlig. – Jedenfalls erwarte ich Dich
                    u. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName> im Laufe des Jahres hier zu
                    sehen. – Ich werde dieses Jahr <hi rendition="#u">nicht</hi> nach Karlsbad
                    gehen, ich bin so reducirt, daß ich schon seit <pb n="2"/> mehreren Wochen (mit
                    günstigem Erfolge) Eisen nehme. (Augenblicklich habe ich wieder eine sehr
                    vielfällige Furunkeleruption) Ich denke meine Erholungsreise (Mitte August–Mitte
                    Sept.) nach Tyrol zu machen, würde mich sehr freuen, wenn das in Deiner lieben
                    Gesellschaft sein könnte, aber ich möchte doch nicht, daß Du Deine
                    „Regenerationscur“ so lange aufschöbest. Am Besten ist es Du disponirst für den
                    Juni u. bleibst dann hinterher noch einige Wochen bei uns „zur Nachcur“. Laß
                    Alles liegen u. stehen, lieber Freund, u. sorge, <hi rendition="#u">so lange es
                        noch Zeit ist</hi>, daß Du wieder ganz gesund wirst.
                    Du weißt
                    wie nothwendig Deine wissenschaftlichen Arbeiten für die Welt überhaupt u. Deine
                    Thätigkeit für die <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internat.</orgName> in’s Besondere
                    sind, deshalb erhalte Dich dafür – u. ein klein Bischen auch für
                    uns. – Ich kann mir denken, wie unbequem es Dir ist, wenn ich
                    Dich jedes Mal so medicinisch <ref xml:id="d684998e-7567-44a1-8499-8e756744a137" corresp="#eeec5382-93a3-4c78-ac53-8293a3ec7804" type="editorialNote">andufte</ref><note xml:id="eeec5382-93a3-4c78-ac53-8293a3ec7804" corresp="#d684998e-7567-44a1-8499-8e756744a137" type="editorial">Siehe „anduften“, in: Deutsches Wörterbuch von
                            Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018),
                            digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache,
                                &lt;<ref target="https://www.dwds.de/wb/dwb2/anduften">https://www.dwds.de/wb/dwb2/anduften</ref>&gt;, abgerufen am
                            15.04.2024.</note>, aber es hilft Alles nichts: <ref xml:id="fd7926dd-741b-4569-b926-dd741b156909" corresp="#a1daa492-94ad-41f0-9aa4-9294add1f054" type="editorialNote">Ceterum censeo … catarrhum esse delendam.</ref><note xml:id="a1daa492-94ad-41f0-9aa4-9294add1f054" corresp="#fd7926dd-741b-4569-b926-dd741b156909" type="editorial">Wortspiel zu dem Cato dem Älteren (234–149 v.
                            Chr.) zugeschriebenen Ausspruch: Ceterum censeo Carthaginem esse
                            delendam („Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden
                            muss“). </note> –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Die
                    gegenwärtige pariser Insurrection scheint mir eine durchaus verfehlte zu sein,
                    die wiederum der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internationalen</orgName> zur Last
                    gelegt werden wird, obgleich dieselbe, dem Anscheine nach keine hervorragende
                    Rolle darin spielt. Was man dort treibt scheint mir sehr den Character der
                    Kleinbürger von 1848 ff. zu tragen. Anstatt sich zu
                    organisiren u. der Regierung gegenüber <ref xml:id="d5bc50c4-ba7f-4e88-bc50-c4ba7f5e885e" corresp="#d7a85d4c-62a9-43d9-a85d-4c62a903d92d" type="editorialNote">Posto zu
                            fassen</ref><note xml:id="d7a85d4c-62a9-43d9-a85d-4c62a903d92d" corresp="#d5bc50c4-ba7f-4e88-bc50-c4ba7f5e885e" type="editorial">Siehe „Posto“, bereitgestellt
                            durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, &lt;<ref target="https://www.dwds.de/wb/Posto">https://www.dwds.de/wb/Posto</ref>&gt;, abgerufen am
                            15.04.2024.</note>, in den großen Städten Einfluß in der
                    Verwaltung zu gewinnen, provocirt man, durch eine das Land verletzende Dictatur
                    eine Niederlage, die eine energische Reaction auf dem ganzen Continent zur Folge
                    haben wird. – Stellt Paris sich dem Lande (den Bauern) gegenüber <pb n="3"/> so
                    muß es der Landbevölkerung erliegen. – Eine Umgestaltung der Productionsweise
                    ist von den unklaren Franzosen wohl nicht zu erwarten, kann auch von einem Volke
                    allein nicht vollführt werden. – Hätte Frankreich aber auch die Stellung, welche
                    England in der bürgerl. Gesellschaft einnimmt, so könnte es, wie 1789 seine
                    Umgestaltung nur durch einen glücklich durchgeführten Weltkrieg befestigen u.
                    wie wäre daran jetzt zu denken. – Das continentale Proletariat steht eben noch
                    in den Kinderschuhen u. das Bürgerthum hat noch viel in „Organisation der
                    Arbeit“ zu leisten, ehe es seinen Gegensatz vollkommen entwickelt hat. –
                    Allerdings werden die Folgen dieses Krieges die Entwicklung beschleunigen, in
                    Deutschland die bürgerlich-öconomische, in Frankreich durch commercielle Krisen
                    die Schärfung der Gegensätze beschleunigen. – Bitte, sage mir, was Du hierüber
                    denkst. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Am vorigen Sonntag hat eine
                    von 1500 Mann besuchte Arbeiterversammlung eine sympathische
                    Adresse
                    an die pariser Arbeiter
                    beschlossen. – Heute war einer der
                    Sprecher
                    bei mir, um sich zu erkundigen, wie man die Adresse wohl befördere. – Der Mann
                    war mir bis dahin unbekannt. Er wußte, daß ich mit Dir befreundet u. fragte
                    mich, ob Du die Adresse wohl befördern würdest. Ich sagte ihm, für Mitglieder
                    der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internat.</orgName>, würdest Du die Adresse (als
                    Secret. f. Deutschl<ex>and</ex>) wohl annehmen, ob befördern wüßte ich nicht. Da
                    die Versammelten indeß nicht Mitglieder der Intern., sondern des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003640 http://d-nb.info/gnd/2033776-0">Allg. Deutsch. Arbeitervereins</orgName>, so müßten sie wohl
                    erst der Internat. <pb/> beitreten.–</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011595 1018799">Menke</persName> in Hamburg unterhandelt wieder wegen eines Auftrags für
                    Gewehre für die russische Regierung. Außerdem läßt Rußland durch einen
                    militärischen Agenten stark Gewehre in Amerika ankaufen. – Man scheint demnach
                    Eile zu haben. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">„<bibl type="periodika" corresp="">Die Zukunft</bibl>“ ist eingegangen u. nicht viel daran
                    verloren. Der Redaction fehlte die öconomische Anschauung. <ref xml:id="dee73b9f-e03d-4474-a73b-9fe03d447455" corresp="#a45f3b80-ea23-4422-9f3b-80ea2394221e" type="editorialNote">Die schwächliche letzte N<hi rendition="#sup">o</hi>
                            anbei</ref><note xml:id="a45f3b80-ea23-4422-9f3b-80ea2394221e" corresp="#dee73b9f-e03d-4474-a73b-9fe03d447455" type="editorial">Die Beilage unter der Signatur
                            nicht
                    überliefert.</note>.
                    – Ich lese jetzt die „<bibl type="periodika" corresp=""><hi rendition="#u">Frankfurter</hi>
                        <hi rendition="#uu">Zeitung</hi></bibl>“ (Eigenthümer <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009677 http://d-nb.info/gnd/118751484">Leop. Sonnemann</persName>), die ich Dir für etwaige
                    Veröffentlichungen empfehle. Außer in Frankfurt <hi rendition="#sup">a</hi>/M.
                    existirt meines Wissens in ganz Norddeutschland keine „democratische“ Ztg.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><salute>Es ist gleich Mitternacht,
                    deshalb good bye, mein lieber Freund, mit herzlichen Grüßen an Deine Damen</salute><signed>Dein<lb/>LKugelmann<lb/>Dr</signed></closer>
                <postscript>
                    <p>A propos! Kürzlich erzählte mir ein Herr aus Manchester, Engels sei ganz nach London übergesiedelt. Ist
                        dem so?</p>
                </postscript></div>
            <div type="writingAct" hand="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">
                    <p>Lieber Mohr, komm doch bald mal wieder zu uns, wir wollen Dich auch tüchtig
                    pusseln, und ich kann Dir die <unclear reason="illegible" cert="high">Geigenseelen</unclear>geschichte
                    noch ganz ordentlich erzählen, obgleich ich die Namen vergessen habe, doch ich
                    weiß daß der Eine mit einem J anfängt. Sei <ref xml:id="cec92d33-2119-431f-892d-332119131f5d" corresp="#b6666fe4-154d-4c05-a66f-e4154d8c05a5" type="editorialNote">Ostern</ref><note xml:id="b6666fe4-154d-4c05-a66f-e4154d8c05a5" corresp="#cec92d33-2119-431f-892d-332119131f5d" type="editorial">Der Ostersonntag fiel 1871 auf den 9.
                            April.</note> recht vergnügt, lieber Mohr, grüße <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jenny</persName> und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008229 http://d-nb.info/gnd/118745913">Tussy</persName> herzlich von mir und nimm einen tüchtigen Bartzupf von
                    deinem Käuzchen. </p>
                </div>
            
        </body></text>
</TEI>