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                <title>Jenny Marx an Louis Kugelmann in Hannover. London, Freitag, 12. Mai
                    1871</title>
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                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
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                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
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            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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                        <idno><idno type="shelfmark">Wiedergabe nach Druck</idno></idno>
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                        <p>Die Originalhandschrift konnte nicht eingesehen werden. Die Wiedergabe
                            erfolgt nach dem Druck (D2).</p>
                    </physDesc>
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                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/ALNTBPZ7">auszugsweise: Andréas: Briefe und Dokumente der Familie Marx aus den Jahren 1862–1873 (1962). S. 250</bibl>
                    </witness>
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                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RQ96LE52">vollständig: Hecker,
                            Limmroth: Jenny Marx. Die Briefe (2014). S. 444/445.</bibl>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008236 http://d-nb.info/gnd/118578510">Marx, Jenny (1814-1881)</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                    <date when="1871-05-12" cert="high"/>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Kugelmann, Louis (1828-1902)</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001901 http://www.geonames.org/2910831">Hannover</placeName>
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                <opener>
                    <dateline>London den 12<hi rendition="#sup">ten</hi> Mai 1871</dateline>
					<salute>Lieber Herr Doktor</salute>
                </opener>
                <p>Der <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Mohr</persName> beauftragt mich, Ihnen in seinem
                    Namen für alle Ihre lieben Briefe und besonders für die freundliche Erinnerung
                    an seinen Geburtstag den herzlichsten Dank zu sagen. Gleich, als das Paket mit
                    den Angebinden eintraf (ich habe die Kupferstiche in <ref xml:id="ac9d1b70-82ce-476f-9d1b-7082cee76f28" corresp="#a6cc1d91-a543-4fb4-8c1d-91a5430fb421" type="editorialNote"><bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/A5LJZ7BI">Fritz
                                Reuter</bibl></ref><note xml:id="a6cc1d91-a543-4fb4-8c1d-91a5430fb421" corresp="#ac9d1b70-82ce-476f-9d1b-7082cee76f28" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M6179968">L.,
                                F. u. G. Kugelmann an Marx,
                            28.4.1871</ref>.</note> um so mehr bewundert,
                    als mich der Inhalt des Buches sehr hieroglyphisch ansah), wollte er schreiben,
                    da kam etwas dazwischen und er verschob das Schreiben. Nun wissen Sie, wie
                    gefährlich das Aufschieben ist, aus dem Tag wird eine Woche, aus der Woche ein
                    Monat; nun liegt es ihm aber schwer auf dem Gewissen und ich trete daher für ihn
                    als Fürsprecher ein. Leider war er den ganzen Winter leidend und hat jetzt eine
                    schwere Leberattacke, die regelmäßig im Frühjahr wiederkehrt. Er hat sich seit
                    Wochen zwar einer ärztlichen Behandlung und Kur unterworfen, bisher aber noch
                    mit geringem Erfolge. Doktor und Arznei können kaum helfen, wo der Geist so
                    aufgeregt und das ganze Nervensystem so zerrüttet ist. Sie können nicht ahnen,
                    wie mein Mann, die Mädchen und wir alle durch die französischen Geschichten
                    gelitten haben. Erst der entsetzliche Krieg und nun noch die viel schrecklichere
                    zweite Belagerung von Paris. Der Tod von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003959 https://d-nb.info/gnd/118952706">Flourens</persName>, dem Bravsten der Braven, hat uns alle tief ergriffen
                    und nun der verzweifelte Kampf der Commune, an dem alle unsere ältesten, besten
                    Freunde teilnehmen. Der Mangel an militärischer Führung, das ganz natürliche
                    Mißtrauen gegen alles was »Militär« ist, das zudringliche Einmischen der
                    Journalisten, der Phrasenhelden wie <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009011 https://d-nb.info/gnd/117706868">Felix
                        Pyat</persName>, die daraus notwendig entstehenden Zwistigkeiten,
                    Unentschiedenheit und widerspruchsvolle Aktion – alle diese Übel, unvermeidlich
                    in einer so kühnen jugendlichen Bewegung –, wären sicher von dem Kern tüchtiger,
                    aufopferungsfähiger, selbstbewußter Arbeiter überwunden worden – aber jetzt,
                    glaube ich, ist alle Hoffnung verloren, seit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismarck</persName> sich durch deutsches Geld bezahlt macht, den
                    Französischen Ordnungskanaillen, von denen jeder einzelne ein infames
                    bürgerliches Verbrechen repräsentiert, nicht allein alle Gefangenen, sondern
                    alle Festungswerke ausliefert. Eine zweite Junischlacht ist vor uns. Wie sehr
                    sich die Mädchen die Sachen zu Herzen genommen haben, kann ich Ihnen nicht
                    sagen. Hoffentlich erholt sich <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jenny</persName> etwas
                    in dem milden schönen Klima und auf dem geliebten französischen Boden. Sie sind
                    glücklich nach einer 4tägigen sehr stürmischen Seefahrt in Bordeaux angekommen.
                    Jenny war die ersten 2 Tage sehr unwohl, fing aber an in den letzten Tagen sich
                    sehr zu erholen. Tussy war von ½ 5 Uhr morgens bis abends 10 Uhr auf dem
                    Vordeck, sich mit den Matrosen unterhaltend und mit dem Kapitän Zigarren
                    rauchend. Sie war da ganz in ihrem Element. Sturm und Wetter passen für sie, nur
                    kein ruhiges bürgerliches Leben. Sie fanden <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007809 http://d-nb.info/gnd/118725904">Laura</persName> trotz ihrer schweren Krankheit und der vielen Sorgen und
                    Ängsten der letzten Zeit wohl und munter und hübsch wie früher aussehend. Von
                    dem kleinen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004125">Sch<ex>n</ex>appy</persName> sind sie ganz
                    entzückt. Die Tanten sehen im kleinen bon homme ein Wunder von Intelligenz, Güte
                    und äußerer Lieblichkeit. Ich verspreche mir viel Gutes von dieser Reise und der
                    Gedanke tröstet mich jetzt in meinen stillen einsamen Tagen. So bald der Mohr
                    seine <ref xml:id="c96406c7-a201-42f4-a406-c7a20142f400" corresp="#bddc2efd-4dbb-4930-9c2e-fd4dbb0930cd" type="editorialNote">Adresse für die Internationale</ref><note xml:id="bddc2efd-4dbb-4930-9c2e-fd4dbb0930cd" corresp="#c96406c7-a201-42f4-a406-c7a20142f400" type="editorial"><bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/Q8PAC3PL">Karl Marx:
                                The Civil War in France.
                                Address of the General Council of the International Working Men's
                                Association</bibl>. Den größten Teil der Arbeit am ersten und
                            zweiten Entwurf sowie an der endgültigen Fassung leistete Marx ungefähr
                            zwischen dem 6. und 30. Mai. Am 30. Mai 1871, zwei Tage nachdem die
                            letzten Barrikade in Paris gefallen war, billigte der Generalrat
                            einstimmig den Text. Die erste Ausgabe der Adresse erschien dann am 13.
                            Juni 1871 in London.</note> fertig hat, wird er Ihnen schreiben. </p>
				<closer>
                    <salute>Ich selbst bitte Sie, Ihre liebe <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">Frau</persName> und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">Fränzchen</persName> aufs
                        Herzlichste zu grüßen und von mir die Versicherungen herzlicher Freundschaft
                        anzunehmen mit denen ich bin</salute>
                    <signed>Ihre ergebene <lb/>Jenny Marx</signed>
                </closer>
                <postscript><p>Ich habe Jenny geschrieben, daß Sie ihrer so freundlich gedacht. Ich kann natürlich die Broschüre
                        und das pocket book nicht schicken und habe einstweilen selbst die Briefe
                        über Musik gelesen.</p></postscript>
                
            </div>
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