<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M5351569">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>93</idno>Wilhelm Liebknecht an Friedrich Engels in Manchester. Leipzig,
                    Dienstag, 5. April 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">L 3438/L V 423–11. Fotosign.
                                8698a–c</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus zwei Blatt weißem Papier. Liebknecht hat die ersten
                            drei Seiten vollständig beschrieben, die vierte Seite ist leer.
                            Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                  <p>Von unbekannter Hand: Archivsignaturen auf der ersten Seite mit
                            Bleistift: „L Pg B10.“ und „L Ⅴ 423–11“.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2634</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/T6GR93DH">Erstveröffentlichung:
                            Liebknecht Bw (1963). S. 95–97.</bibl>
                  
               </witness>
               
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Wilhelm Liebknecht</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003610 http://www.geonames.org/2879139">Leipzig</placeName>
               <date when="1870-04-05"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004039 http://www.geonames.org/2643123">Manchester</placeName>
            </correspAction>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0003389">Deutsche Sozialdemokratie</term>
               <term key="M0003380">Genossenschaften</term>
               <term key="M0002997">Journalismus/Publizistik</term>
               <term key="M0004106">Gewerkschaften</term>
               <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> 5 April 1870</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Lieber Engels!</salute>
            </opener>
            <p sameAs="MBTextohneEinzug">Sei so gut und sehe den <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/66R4CEE6">
                  <hi rendition="#u">Bauernkrieg</hi> im Volksst.</bibl> immer
                    <hi rendition="#u" xml:space="preserve">genau durch</hi> und <hi rendition="#u">schreibe es</hi> mir, <hi rendition="#u">wenn Du Druckfehler findest</hi>,
                    damit dieselben im <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/NV2L8CZ3">Separatabdruck</bibl> vermieden werden können. Aber schreibe stets <hi rendition="#u">gleich nach Empfang des <bibl type="periodika" corresp="">Blatts</bibl>
               </hi>, weil wir den Satz nicht lang stehn
                    lassen können <hi rendition="#u">(nicht über 8 Tage)</hi>.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">
               <ref xml:id="e3705da5-4620-477e-b05d-a54620977e35" corresp="#dc896e55-032d-471f-896e-55032de71f3a" type="editorialNote">Deine <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/DUICMHF9">Einleitung</bibl>
                            ist famos</ref><note xml:id="dc896e55-032d-471f-896e-55032de71f3a" corresp="#e3705da5-4620-477e-b05d-a54620977e35" type="editorial">Siehe <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 167–174. Friedrich
                            Engels: <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/DUICMHF9">Vorbemerkung</bibl> zu <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/NV2L8CZ3">„Der deutsche Bauernkrieg“ (1870)</bibl>. Diese
                            Vorbemerkung schrieb Engels im Februar 1870 für einen von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Wilhelm Liebknecht</persName> zuerst im Feuilleton
                            des „<bibl type="periodika" corresp="">Volksstaats</bibl>“ als
                            Broschüre geplanten Neudruck der von ihm 1850 verfassten Arbeit „<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/LXNT3Y4G">Der deutsche
                                Bauernkrieg</bibl>“. (Siehe Friedrich Engels: Der deutsche
                            Bauernkrieg. In: <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/DXFJ7YYE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/10</bibl>. S.
                            367–443.)</note>, und namentlich freut mich 1) daß Du Preußen als
                    einzigen gegner der Revol. (in Deutschland) hingestellt und damit im
                    Wesentlichen meinen bisherigen Kämpfen das placet ertheilst, und 2) Daß Du für
                    die Baseler Beschlüsse eine Lanze gebrochen hast. Ich werde nächstens <ref xml:id="a6d1a790-dd3a-4907-91a7-90dd3aa907ce" corresp="#ae06fff6-cc3b-4da7-86ff-f6cc3bada7a5" type="editorialNote">meinen seit Oktober mal gehaltnen
                            Vortrag</ref><note xml:id="ae06fff6-cc3b-4da7-86ff-f6cc3bada7a5" corresp="#a6d1a790-dd3a-4907-91a7-90dd3aa907ce" type="editorial">Das Referat von Liebknecht „Zur Grund- und
                            Bodenfrage“ erschien in der ersten Auflage unter dem Titel „Vortrag
                            gehalten im Saale des Schützenhauses zu Meerane am 12. März 1870“.
                            Liebknecht erklärt dazu im Vorwort, die Diskussion über die Baseler
                            Beschlüsse habe ihn genötigt, „die Grund- und Bodenfrage in mehreren
                            Vorträgen zu behandeln, von denen die ausgearbeitetste und umfassendste
                            am 12. März 1870 zu Meerane gehalten wurde“. (Siehe Erl. in <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/T6GR93DH">D</bibl>: S.
                            96.).</note> über das Thema veröffentlichen und auch auf dem
                    Stuttgarter
                    Congreß herausgehn. Mein Vortrag wurde auch von Bauern
                    angehört, die <hi rendition="#u">vollständig</hi> bekehrt waren. Die Bauern, d.
                    h. Klein-Grundbesitzer und <pb/> Ackerknechte für uns zu gewinnen, halte ich mit
                    Dir für unsre Hauptaufgabe. Das städtische Proletariat ist zwar auch noch nicht
                    genügend aufgerüttelt, doch gegebnen Falls gehört es uns
                    eo
                    ipso, wie wir an den <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M8035580">Hirsch-Duncker’schen
                        Gewerkverein</orgName>lern sehn.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Die Industriearbeiter allein können in Deutschland keine
                    Revolution machen, und dafür, daß Du das ausgesprochen, danke ich Dir vor Allem.
                    Ich glaube allerdings nicht, daß wir der <hi rendition="#u">aktiven</hi> Hülfe
                    der Bauern bedürfen, aber sie müssen wenigstens so weit gewonnen sein, <hi rendition="#u">daß sie uns nicht entgegentreten</hi>. Wie die Dinge jetzt
                    liegen, würde das städtische Proletariat von den Bauern mit Dreschflegeln
                    todtgeschlagen werden. Von diesem Standpunkt aus vertheidigte ich von Anfang an
                    die Baseler Beschlüsse, als dieses elende Waschweib <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010057 http://d-nb.info/gnd/119059126">Venedey</persName> sammt den
                        <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M8230797">Schwabischen
                        Volksphilistern</orgName> uns den Bauern als theilungswüthige <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011901 1023602">Rinaldini</persName>’s denunzirten.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Daß ich mit diesen Burschen <hi rendition="#u">öffentlich</hi> u. <hi rendition="#u">zurückhaltlos</hi> gebrochen, wird
                    Dir beilaufig ein Beweis sein, daß ich mich mit ihnen nicht <hi rendition="#u">ins geheim’ zu tief</hi> eingelassen hatte, wie ihr zu glauben scheint. Es
                    handelte sich nie um eine <hi rendition="#u">Allianz,</hi> sondern bloß um ein
                    Zusammengehn in einer <hi rendition="#u">bestimmten</hi> Frage, und auch das nur
                    bis zu einem <hi rendition="#u">gewissen Punkt</hi>. Daß wir sonst mit der
                        <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M8230797">schwäbischen „Volkspartei“</orgName> nichts gemein
                    hatten, das sagte ich Hn. <pb/>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M6707909 https://d-nb.info/gnd/118840681">Hausmann</persName>,
                    dem Hauptschreier, schon
                    im Dezember
                    1867 (in Bamberg) auf das Deutlichste und Derbste. Doch das
                    sind die Dinge, über die wir uns vielleicht einmal mündlich des Nähren
                    aussprechen. Kommst Du denn nicht bald wieder nach Deutschland? Dann laufe mir
                    nicht am Haus vorbei, wie <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Père Marx</persName> es im
                    Herbst gethan hat.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Nach Ostern gehe ich nochmals nach <hi rendition="#u">Berlin</hi>; wir wollen sehn, ob sich dort ein <hi rendition="#u">billiges
                        Tagesblatt</hi> gründen läßt. Es sind Ausssichten vorhanden. Unter den
                    Arbeitern fassen wir mehr und mehr Fuß. Berlin zu erobern (wo <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">Schweitzer</persName> außer den Zimmerleuten und Maurern
                    keine 100 Anhänger hat) ist jetzt unser nächstes Ziel, und
                    der Zerfall
                    der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M8035580">Hirsch-Duncker’schen
                    Gewerkschaften</orgName>
                soll uns dabei zu Statten kommen.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <salute>Adieu!</salute>
               <signed>Dein<lb/>W. L.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>