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                <title><idno>297</idno>H. L. Reiss an Karl Marx in London. London, Freitag, 14. Juli
                    1871</title>
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                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
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                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
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            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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                        <idno><idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 6663</idno></idno>
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                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen blauem Papier. Reiss hat drei Seiten vollständig beschrieben, die
                            vierte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                        <p>Archivsignatur des Moskauer Marx-Engels-Instituts (IMĖ) auf allen
                            beschriebenen Seiten mit Bleistift: „Rj 286a–c“.</p>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M5664138">H. L. Reiss</persName>
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                    <date when="1871-07-14"/>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
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            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> London den 14 Juli 1871<lb/>120
                        Debeauvoir-Road N</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Sehr geehrter
                        Herr!</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Infolge Ihres <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/EEGLDUE6">Briefes</bibl> im <bibl type="periodika" corresp="">Morning Advertiser</bibl> vernahm ich
                    Ihre Adresse. Ich beeile mich daher eine Tatsache zu Ihrer gefäl<ex>ligen</ex>
                    Kenntniß zu bringen der Sie als berühmter Journalist Ihre gütige Aufmerksamkeit
                    schenken mögen:</p>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Ich bin aus Ungarn und war
                    in Paris etablirter Kaufmann als der Krieg ausbrach. Ich hatte die erste
                    Belagerung dort mitgemacht, und dadurch mein winziges Vermögen aufgezehrt, nach
                    Eröffnung von Paris raffte ich jedoch einiges Wenige noch <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">zusam<ex>m</ex>en</expan>, und kam damit nach
                    London um da mit Hülfe meiner Kenntniß von 5 lebenden Sprachen irgend eine
                    Position zu finden. Aus Ermanglung an Empfehlungen gelang mir dieses bis heute
                    nicht, und bin ich infolge dessen in solch tiefes Elend gesunken daß ich alle
                    meine Kleidungsstücke versetzen mußte um mein Quartier zu zahlen, und noch £ 6–
                    darauf schulde, welche ich bis nächsten Montag zahlen mus <pb/> sonst werde ich
                    vor die Thüre gesetzt. </p>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Ich wendete mich demnach
                    Abhülfe an den <ref xml:id="e8670435-4a86-4603-a704-354a86c6031f" corresp="#f6266bf0-bf44-4eec-a66b-f0bf443eec74" type="editorialNote">oesterreichischen Consul</ref><note xml:id="f6266bf0-bf44-4eec-a66b-f0bf443eec74" corresp="#e8670435-4a86-4603-a704-354a86c6031f" type="editorial">Rudolf Apponyi, österreichisch-ungarischer
                            Botschafter in London 1860–71.</note>, welcher mich dieserhalb an
                    die Botschaft wies. Diese jedoch trotz meinen Belegen, beantwortete mein
                    Ersuchen mit den trostvollen Worten: <hi rendition="#u">daß sie für mich nichts
                        thun könne, sie sei von solchen hunderttausenden Ungarn täglich
                        überlaufen</hi>. Man händigte mir einen Zettel als Empfehlung zu einer
                    Society of distress ein Diese bemerkte mir wieder, daß sie nur für Deutsche
                    bestehe, für Oesterreicher nichts thun könne. In dieser verzweifelten Lage
                    wendete ich mich an die hiesige israelitische Gemeinde, wo mir beschieden wurde,
                    oder mit ihren eigenen Worten gegeben: We can nothing do for you. Ich erzählte
                    diese Vorfälle einem jungen Manne der mir rieth gestern Abend zwischen 8–9 zu
                    der German Society of Benevolence zu gehen, als ich dahinkam, wurde ich nicht
                    vorgelassen, weil ich keinen gedrukten Zettel brachte.– Von wo und woher wurde
                    mir nicht gesagt –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/>Geehrter Herr! Ich
                    bedauere heute kein Mitglied der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">International</orgName>
                    zu sein, aber sollte ich je das Glück haben mich emporzuschwingen, woran ich
                    leider zweifle, weil wenn mir nicht bis nächsten Montag Hülfe <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">kom<ex>m</ex>t</expan>, ich meine
                    Lebensaufgabe als beendet betrachte; so würde ich es mir zur Ehre rechnen, als
                    Mitglied dieser Societé aufgenommen zu werden, um gegen das Capital zu kämpfen.
                    Alle anderen Gesellschaften welche reiche Leute zu ihren Mitgliedern zählen,
                    bestehen nur zur prahlerischen Öffentlichkeit und wissen oder wollen die geheime
                    verzweiflungsvolle Armuth nicht würdigen.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><signed>Genehmigen Sie meine
                        vollkommene<lb/>Hochachtung<lb/>H L Reiss</signed><lb/><address>
                        <addrLine>Herrn<lb/>Karl Marx<lb/>Hier</addrLine>
                    </address></closer>
                
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