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            <titleStmt>
                <title><idno>215</idno>Friedrich Engels an Elisabeth Engels in Engelskirchen.
                    London, Freitag, 16. Juni 1871</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark">f. 1 op. 1 d. 2841</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Soweit
                            aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen
                            weißem Papier. Engels hat alle vier Seiten vollständig beschrieben.
                            Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                        <p>Masch.-schr. Nummerierung (aufgeklebte Zettel): „853a–b“ und
                            handschriftlich: „853“.</p>
                        <p> Die Textverluste durch Lochung des Papiers konnten rekonstruiert
                            werden.</p>
                        <p>
                        </p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
                <listWit>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/D7JW8T4Y">Erstveröffentlichung:
                            gekürzt: Briefe von Friedr. Engels an Mutter und Geschwister (1921). S.
                            245–246.</bibl>
                    </witness>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/NLYXHEPM">vollständig: in
                            russischer Übersetzung: МЭС1 26 (1935). S. 124–126. </bibl>
                    </witness>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/38I66UYF">vollständig: in der
                            Sprache des Originals: MEW 33 (1966). S. 235–237.</bibl>
                    </witness>
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        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                    <date when="1871-06-16"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006533 https://d-nb.info/gnd/189469986">Elisabeth Engels</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004167 http://www.geonames.org/2930216">Engelskirchen</placeName>
                </correspAction>
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    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> London, 16. Juni
                        1871.</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Liebe Mutter,</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Grade wie ich mich hinsetze
                    Dir zu schreiben kommt <ref xml:id="aa76747a-4bcf-4a6d-b674-7a4bcf2a6d91" corresp="#f49ed0b8-9797-470b-9ed0-b89797770b66" type="editorialNote">Dein Brief aus
                            Leutesdorf</ref><note xml:id="f49ed0b8-9797-470b-9ed0-b89797770b66" corresp="#aa76747a-4bcf-4a6d-b674-7a4bcf2a6d91" type="editorial"><ref target="https://megadigital.bbaw.de/M1942757">Elisabeth
                                Engels an Engels, 14.6.1871</ref>.</note>,
                    was mich veranlaßt auf der Karte nachzusehn wo ich den Ort auch glücklich
                    gefunden habe. Die Lage muß sehr hübsch sein, grade da wo die Berge wieder dicht
                    an den Rhein antreten, mit der Aussicht auf die Ebene die von Andernach bis
                    Coblenz sich erstreckt, &amp; ich glaube wohl daß Dir die Luft dort sehr gut
                    bekommen ist.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Du hast Recht daß Du Dir
                    nach Engelskirchen eine tüchtige Gesellschaft lustiger junger Mädchen mitnimmst.
                    Das Verhältniß zwischen den beiden Nebenhäusern muß unter den Umständen
                    nothwendig etwas gespannt &amp; penibel sein &amp; da verhindert die Anwesenheit
                    der Mädchen daß zuviel davon gesprochen wird. Da übrigens die Sache jetzt in
                    Ordnung ist, wäre es nicht mehr als recht &amp; billig daß beide Theile Dich
                    jetzt damit in Ruhe ließen, es kann zu Nichts führen den alten Kohl immer wieder
                    neu aufzuwärmen. Was mich angeht, so war es mir sehr unangenehm von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006557  http://d-nb.info/gnd/13590885X">Rudolf</persName> plötzlich aufgefordert zu werden ihm,
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006541 http://d-nb.info/gnd/135908663">Hermann</persName> &amp; <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006534 http://d-nb.info/gnd/136846998">Emil</persName> einen Dienst zu leisten den ich nicht leisten konnte ohne
                    Partei <pb/> gegen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007071  http://d-nb.info/gnd/1051178460">Adolf</persName> zu ergreifen. Du
                    weißt Rudolf ist ein kreuzehrlicher Kerl der sich nicht verstellen kann, &amp;
                    so ließ mir sein Brief auch nicht den mindesten Zweifel daß die ganze Sache
                    hinter Adolfs Rücken abgemacht werden sollte. Adolf hatte aber genau ebensoviel
                    Recht auf die verlangte Information wie die andren Drei. Die Sache war mir so
                    unangenehm daß ich sie erst verschleppte, aber als sie mich mit Briefen
                    bombardirten, m<supplied cert="high">uß</supplied>te ich mich entscheiden, &amp;
                    da konnte ich meiner Ansicht nach nicht umhin auch Adolf die ihn sehr
                    interessirende Mittheilung zu machen. Damit sie aber Zeit hätten die Sache gut
                    zu machen, schrieb ich ihnen daß ich an A. schreiben würde, &amp; schrieb an A.
                    erst einige Tage später. Warum sie nun nicht A. sogleich selbst anzeigten, sie
                    hätten mir diese Anfrage gestellt, &amp; ihm meine Antwort mittheilten, ist mir
                    unerklärlich. Dann wäre ja Alles in Ordnung gewesen. Aber ihnen hinter Adolfs
                    Rücken Auskunft verschaffen die sie <hi rendition="#u">gegen</hi> Adolf
                    gebrauchen konnten, dazu konnte ich mich nicht hergeben. Und daß es darauf
                    abgesehn war, beweist Rudolfs späterer Brief an mich. Überhaupt hielt Rudolf es
                    bereits für ein Verbrechen <supplied cert="high">da</supplied>ß Adolf überhaupt
                    austreten wollte, &amp; das kam mir, der ich doch selbst neulich erst
                    ausgetreten war, doch etwas arg vor. Nun die Sache ist glücklicher Weise in
                    Ordnung, &amp; sie werden sich hoffentlich bald vertragen. <pb/> Ich schreibe an
                    Adolf der Auskunft über die Auseinandersetzungen in Manchester von mir verlangt
                    &amp; sage ihm dabei daß sie Alle am Vernünftigsten thäten, wenn sie bei <del rendition="#s">Auseinandersetzung<sic ana="#break-off"/></del>
                    Unterzeichnung des definitiven Contracts oder schon vorher, sich ihre in der
                    Sache gewechselten Briefe gegenseitig zurückgeben, sie ins Feuer werfen, &amp;
                    eine Flasche Champagner trinken.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Was meine Reise nach dort
                    betrifft so ist das eine eigne Sache. Du weißt seit der Pariser Geschichte ist
                    eine allgemeine Hetze auf uns „<orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internationale</orgName>“, wir sollen ja die ganze Revolution angezettelt haben
                    hier von London aus, was grade so ist als wenn Jemand sagt ich hätte den Tuck
                    zwischen meinen Brüdern &amp; <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007071  http://d-nb.info/gnd/1051178460">Adolf</persName>
                    angestiftet. Aber das Geschrei existirt nun einmal, &amp; wir haben sichere
                    Nachricht daß Marx, der in Hannover erwartet
                    wurde, dort abgefaßt werden sollte. Man könnte mir zwar nichts Ernstliches
                    machen wenn ich herüber ginge; aber es könnte doch kleinere Collisionen absetzen
                    von denen ich um Alles in der Welt nicht möchte daß sie in Deinem Hause vor sich
                    gingen. Zudem verlangen die lumpigen Belgier noch immer Pässe. Ich glaube also
                    ich thue am Besten, die Ereignisse noch ein Weilchen abzuwarten bis die Polizei-
                    &amp; Philisterköpfe sich wieder etwas beruhigt haben. </p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/> Mit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006536 1008276">Emma</persName> ist es doch eine sonderbare Sache. Ihr
                    scheint in Barmen <ref xml:id="dff53255-2e16-4dd4-b532-552e16edd447" corresp="#cef25ffc-5580-474a-b25f-fc5580974a84" type="editorialNote">kuriose</ref><note xml:id="cef25ffc-5580-474a-b25f-fc5580974a84" corresp="#dff53255-2e16-4dd4-b532-552e16edd447" type="editorial">Siehe: „kurios“, bereitgestellt durch das Digitale
                            Wörterbuch der deutschen Sprache, &lt;<ref target="https://www.dwds.de/wb/kurios">https://www.dwds.de/wb/kurios</ref>&gt;, abgerufen am
                            11.09.2024.</note>
                    Accoucheure
                    zu haben.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Wir haben hier auch viel
                    Ostwind gehabt, aber erst spät im Mai so daß es nicht übermäßig kalt &amp; oft
                    recht schön war, doch hatte ich in den ersten Tagen des Juni wieder ein paar Mal
                    Feuer. Seit vorgestern ist es schwül &amp; hat stark geregnet, was den Pflanzen
                    sehr gut that, &amp; jetzt sieht es so aus als sollten wir bald schönes Wetter
                        bekom<supplied cert="high">men</supplied>. Im Ganzen hatten wir hier ein
                    recht nettes Frühjahr, weit besser als in Manchester. Ich erhalte von dort her
                    häufig Besuch, vorgestern war der Dr <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007134 1011403">Gumpert</persName>
                    bei mir mit seiner <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007135 1011408">Frau</persName> die sich verwunderte
                    was ich mit dem großen Haus anfing, mir aber große Elogen machte über die gute
                    Ordnung in der es gehalten sei.
                    Im Übrigen
                    bin ich bei gewohnter Gesundheit &amp; Appetit, gewöhne mir mit der Zeit ein
                    Nachmittagsschläfchen an, werde ersichtlich grauer von Bart, &amp; leide fast
                    nur, wie immer, an Durst. Hoffentlich bist Du auch recht wohl
                    &amp; im Stande Deine Gänge in der Lindenallee an der Agger zu machen, wo ich
                    hoffentlich auch bald wieder nach dem Essen auf der Bank liege &amp;
                    einschlafe.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift">
                    <salute>Grüße Alle recht herzlich von Deinem treuen Sohn</salute>
                    <signed>Friedrich.
                        </signed>
                </closer>
            </div>
        </body></text>
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