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         <titleStmt>
            <title>
               <idno>277</idno>Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Sonntag,
                    4. September 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">D 1812/D III 582</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen weißem Papier. Engels hat alle vier Seiten vollständig
                            beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                  <p>Von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005553 http://d-nb.info/gnd/118509993">Eduard Bernstein</persName>s Hand:
                            Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite oben rechts mit schwarzer
                            Tinte: „504“ bzw. der beschriebenen Seiten mit Bleistift: „69,1–4“,
                            sowie redaktionelle Vermerke und Streichungen.</p>
                  <p>Von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006322 http://d-nb.info/gnd/11945842X">Heinrich Dietz</persName>’ Hand:
                            Nummerierung des Briefes: „1232“. </p>
                  <p>Von unbekannter Hand: Vermerk: „Wacker“ auf der ersten Seite oben mit
                            Bleistift.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2729</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RDJTHVVL">Erstveröffentlichung:
                            gekürzt: Bw 4 (1913). S. 328–330.</bibl>
               </witness>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/MYHFKSKB">vollständig: MEGA<hi rendition="#sup">1</hi> III/4 (1931). S. 375–377.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004039 http://www.geonames.org/2643123">Manchester</placeName>
               <date when="1870-09-04"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <correspContext>
               <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M0340122"/>
               <ref type="next" target="https://megadigital.bbaw.de/M5350868"/>
               
            </correspContext>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M3079638">Krieg Deutschland-Frankreich</term>
               <term key="M0004068">Frankreich</term>
               <term key="M0004068">Frankreich</term>
               <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
               <term key="M5340211">Elsass und Lothringen</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Mchr 4 Sept 1870.</dateline>
            </opener>
            <p rendition="#et">
               <ref xml:id="e030d203-1b2f-4607-b0d2-031b2f760706" corresp="#dfb6b5d9-ca47-4595-b6b5-d9ca47d5957c" type="editorialNote">Was schert mich Weib, was schert mich
                            Kind,<lb/> Ich trage höhres Verlangen;<lb/> Laß sie betteln gehn, wenn
                            sie hungrig sind —<lb/>Mein Kaiser, mein Kaiser
                            gefangen!</ref><note xml:id="dfb6b5d9-ca47-4595-b6b5-d9ca47d5957c" corresp="#e030d203-1b2f-4607-b0d2-031b2f760706" type="editorial">Abgewandelte Verszeilen aus
                            Heinrich Heines Gedicht „Die Grenadiere“ aus dem
                                „<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/ZHGBJSBM">Buch der
                                Lieder</bibl>“
                            (1827).</note>
            </p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Die
                    Weltgeschichte ist doch die größte Poetin, sie hat es fertig gebracht, selbst
                    den <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007274 http://d-nb.info/gnd/118548018">Heine</persName> zu parodiren.
                    Mein <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008553 http://d-nb.info/gnd/118586416">Kaiser</persName>, mein Kaiser gefangen! Und von
                    den „Stinkpreußen“ noch dazu, &amp; der arme <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">Wilhelm</persName> steht dabei &amp; versichert zum hundertsten Mal daß er
                    wahrhaftig ganz unschuldig an all den Geschichten, &amp; daß es eine pure Fügung
                    Gottes ist!
                    Der Wilhelm
                    sieht dabei aus wie der Schuljunge: Wer hat die Welt erschaffen? — Ich, Herr
                    Lehrer, ich habs gethan, ich will’s aber wahrhaftig nicht wieder
                    thun!</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Und da kommt der elende
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006645 http://d-nb.info/gnd/118904388">Jules Favre</persName> &amp; schlägt vor, <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002680 http://d-nb.info/gnd/1055270183">Palikao</persName>, <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009967 http://d-nb.info/gnd/117636460">Trochu</persName> &amp; ein paar Arkadier sollen die Regierung bilden.
                    Solches Lausepack ist noch nie dagewesen. Es ist nun aber doch zu erwarten daß,
                    wenn dies in Paris bekannt wird, irgend etwas losgeht. Ich kann mir nicht
                    denken, daß dieses Sturzbad von Nachrichten die heute oder morgen doch bekannt
                    sein müssen, nicht irgend welche Wirkung hat. Vielleicht eine Regierung der
                    gauche,
                    die nach etwas Widerstandsparade Frieden schließt.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Der Krieg ist am Ende. Armee
                    gibts keine <pb/> mehr in Frankreich. Sobald <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004834 http://d-nb.info/gnd/118657690">Bazaine</persName> kapitulirt, was in dieser Woche wohl kommen wird, geht
                    die halbe deutsche Armee <subst>
                  <del rendition="#s">nach P<ex>aris</ex>
                  </del>
                  <add place="intralinear">vor Paris</add>
               </subst>, die andre Hälfte über die Loire &amp; fegt das Land von allen
                    Anhäufungen von Bewaffneten.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">
               <ref xml:id="df01e0c3-2215-43a5-81e0-c3221503a560" corresp="#f41c1d9f-accf-4a8d-9c1d-9faccf0a8df5" type="editorialNote">Was meine <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RUT9QI8N">Artikel</bibl> betrifft</ref><note xml:id="f41c1d9f-accf-4a8d-9c1d-9faccf0a8df5" corresp="#df01e0c3-2215-43a5-81e0-c3221503a560" type="editorial">Siehe
                                <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RUT9QI8N">Friedrich
                                Engels: Notes on the War</bibl>. (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 251–476 u.
                            1613–1738).</note> so wirst Du gesehn haben daß ich im
                    vorgestrigen das Nöthige gethan. Aber mein schlimmster Feind in der
                        engl<ex>ischen</ex> Presse ist der Mr. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004214 http://viaf.org/viaf/48791206">Greenwood</persName> selbst. Dieser Narr streicht mir regelmäßig alle
                    Seitenhiebe die ich seinen Concurrenten wegen Plagiat ertheile, &amp; noch
                    besser, in seiner
                    Epitome
                    excerpirt er die mir die Nacht vorher abgeschriebnen Artikel mit der äußersten
                    Bonhommie &amp; ohne nur einen Witz über das Plagiat zu machen. Der Kerl will
                    sich nämlich das Privatvergnügen einer eignen militärischen Meinung nicht nehmen
                    lassen, die reiner Blödsinn ist. Wie jeder Philister es für einen Ehrenpunkt
                    hält, reiten zu können, so auch, etwas von Strategie zu verstehn. Damit nicht
                    genug. Vor ein paar Tagen hat er mir — bloß um die Spalte voll zu machen —
                    einige ganz blödsinnige Zeilen über d<ex>ie</ex> Belagerung v<ex>on</ex>
                    Straßburg hineingesetzt. Ich werde bei erster Gelegenheit einen Artikel darüber
                    schreiben &amp; grade das Gegentheil sagen. Aber was willst Du? <pb/> Das
                    Zeitungsschreiben im Frieden ist ja weiter nichts als ein fortlaufendes
                    Raisonniren über Dinge die man nicht gelernt hat &amp; so habe ich eigentlich
                    kein Recht mich zu beklagen.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Zieh den cheque ein &amp;
                    behalte das Geld. Die Hälfte gehört Dir von Rechts wegen, die andre ist Abschlag
                    auf nächsten Termin, wo ich Dir also noch 70 Pfd. zuschicken werde.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Der Elsaßschwindel ist
                    hauptsächlich — neben dem Urteutonischen drin — strategischer Natur, &amp; will
                    die Vogesenlinie &amp; Deutschlothringen als Vorland. (Sprachgränze: wenn Du vom
                    Donon oder Schirmeck in den Vogesen eine grade Linie nach 1 Stunde östlich
                    Longwy ziehst (wo belg. luxemb. &amp; franz. Gränze zusammentreffen) so ist das
                    fast genau; vom Donon den Vogesen entlang an die Schweizer Gränze.) Die Vogesen
                    vom Donon nördlich sind nämlich nicht so hoch &amp; steil wie die südlichen.
                    Zu glauben
                    daß Frankreich durch Abkneifung dieses c<hi rendition="#sup">a</hi> 1¼ Mill.
                    Bewohner haltenden schmalen Strichs „geknebelt“ werde, können nur die Esel vom
                        <bibl type="periodika" corresp="">Staatsanzeiger</bibl>
                    &amp; <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005752 http://d-nb.info/gnd/11640891X">Braß</persName> &amp; Co
                    leisten. Das Geschrei des Philisters nach „Garantieen“ ist
                    überhaupt absurd, aber es zieht, weil es den Hofleuten in ihren Kram paßt.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Das Große Krankenwärter <ref xml:id="abb20362-df54-4011-b203-62df5490111b" corresp="#fb2aa73b-d96b-4b1d-aaa7-3bd96b0b1d7b" type="editorialNote">Gedicht</ref><note xml:id="fb2aa73b-d96b-4b1d-aaa7-3bd96b0b1d7b" corresp="#abb20362-df54-4011-b203-62df5490111b" type="editorial">
                     <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/4DZB5HG7">Ferdinand
                                Freiligrath: An Wolfgang im Felde. 12. August 1870</bibl>. Siehe
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0340122">Marx
                                an Engels, 2.9.1870</ref>.</note> habe ich
                    noch nicht gelesen. Es muß schön sein.
                    Dazu sind
                    diese Krankenpfleger die größten Bummler die wo es gilt, nicht bei der Hand
                    sind, aber viel fressen, saufen &amp; schwadroniren so daß man sie bei der Armee
                    schon herzlich satt ist. <pb/> Ausnahmen nur wenige.</p>
            
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">In Saarbrücken haben die
                    Franzosen so viel Schaden angerichtet als sie gekonnt. Natürlich dauerte die
                    Beschießung nur ein paar Stunden &amp; nicht wie in Straßburg Tag &amp; Nacht
                    wochenlang.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Der <ref xml:id="e80d61bc-acad-4995-8d61-bcacada995e5" corresp="#b0f6ae7e-a294-45fe-b6ae-7ea294c5fe38" type="editorialNote">Brief
                            von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007809 http://d-nb.info/gnd/118725904">Kakadou</persName>
                     
                     
                  </ref><note xml:id="b0f6ae7e-a294-45fe-b6ae-7ea294c5fe38" corresp="#e80d61bc-acad-4995-8d61-bcacada995e5" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M5138672">L.
                                und P. Lafargue an Marx,
                        17.8.1870</ref>.</note> inl. mit Dank zurück. Sehr
                    interessant. Die Vertheidigung von Paris — wenn nichts Außerordentliches drinnen
                    passirt, wird eine heitre Episode werden.
                    Man bekommt
                    bei diesen ewigen kleinen Panics der Franzosen — die alle aus der Angst vor dem
                    Moment hervorgehn in dem man endlich die Wahrheit erfahren muß — eine viel
                    bessere Idee von der Schreckensherrschaft. Wir verstehn darunter die Herrschaft
                    von Leuten die Schrecken einflößen; umgekehrt, es ist die Herrschaft von Leuten
                    die selbst erschrocken sind. La terreur, das sind großentheils nutzlose
                    Grausamkeiten begangen von Leuten die selbst Angst haben, zu ihrer
                    Selbstberuhigung. Ich bin überzeugt daß die Schuld der
                    Schreckensherrschaft Anno 93 fast ausschließlich auf den überängsteten, sich als
                    Patriot gebahrenden Bourgeois, auf den kleinen hosenscheißenden Spießbürger
                    &amp; auf den bei der terreur sein Geschäft machenden Lumpen mob fällt. Bei der
                    jetzigen kleinen terreur sind es auch grade diese Klassen.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <salute>Beste Grüße von uns allen incl. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009467 http://d-nb.info/gnd/118610511">Jollymeyer</persName> &amp; <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008457 http://viaf.org/viaf/95366881">Moore</persName>
                        an Euch Alle</salute>
               <signed>Dein<lb/>F. E.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
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