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         <titleStmt>
            <title>Karl Marx an den Braunschweiger Ausschuß der SDAP.
                        Zwischen Mittwoch, 17. August 1870 und Donnerstag, 1. September 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <notesStmt>
            <note type="editorial">
               <p>Auszüge nach <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 1064.12–1065.27–39.</p>
            </note>
         </notesStmt>
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            <msDesc rend="manuscript">
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            <p/>
            <p>[Text nach
                        <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> /21</bibl>, S.
                    1064.12–1065.44:]
                </p>
            <p>„Die Militairkamarilla, Professorschaft, Bürgerschaft und Wirthshauspolitik — so
                    schreibt uns einer unserer ältesten und verdientesten Genossen in London — giebt
                    vor, dies sei das Mittel, Deutschland auf ewig vor Krieg mit Frankreich zu
                    schützen. Es ist umgekehrt das probateste Mittel, diesen Krieg in eine <hi rendition="#g">europäische Institution</hi> zu verwandeln. Es ist in der
                    That das sicherste Mittel, den Militairdespotismus in dem verjüngten Deutschland
                    zu verewigen als eine Nothwendigkeit zur Behauptung eines <hi rendition="#i">westlichen Polens</hi>, des Elsaß und Lothringens. Es ist das unfehlbarste
                    Mittel, den kommenden Frieden in einen bloßen Waffenstillstand zu verwandeln,
                    bis Frankreich so weit erholt ist, um das verlorene Terrain heraus zu verlangen.
                    Es ist das unfehlbarste Mittel, Deutschland und Frankreich durch wechselseitige
                    Selbstzerfleischung zu ruiniren.</p>
            <p>Die Schufte und Narren, welche diese Garantien für den ewigen Frieden entdeckt
                    haben, sollten doch aus der preußischen Geschichte wissen, aus Napoleon’s
                    Pferdekur im Tilsiter Frieden, wie solche Gewaltmaßregeln zur Stillmachung eines
                    lebensfähigen Volkes gerade das Gegentheil des beabsichtigten Zweckes bewirken.
                    Und was ist Frankreich, selbst nach Verlust von Elsaß und Lothringen, verglichen
                    mit Preußen nach dem Tilsiter Frieden!</p>
            <p>Die Schufte und Narren, welche diese Garantien für den ewigen Frieden entdeckt
                    haben, sollten doch aus der preußischen Geschichte wissen, aus Napoleon’s
                    Pferdekur im Tilsiter Frieden, wie solche Gewaltmaßregeln zur Stillmachung eines
                    lebensfähigen Volkes gerade das Gegentheil des beabsichtigten Zweckes bewirken.
                    Und was ist Frankreich, selbst nach Verlust von Elsaß und Lothringen, verglichen
                    mit Preußen nach dem Tilsiter Frieden!</p>
            <p>Wenn der französische Chauvinismus, so lange die <hi rendition="#i">altstaatlichen</hi> Verhältnisse
                    dauerten, eine gewisse materielle Rechtfertigung hatte in der Thatsache, daß
                    seit 1815 die Hauptstadt Paris und damit Frankreich nach wenigen verlorenen
                    Schlachten Preis gegeben war, welche neue Nahrung wird er nicht erst saugen,
                    sobald die Grenze östlich an den Vogesen und nördlich an Metz liegt.</p>
            <p>Daß die Lothringer und Elsasser die Segnungen <hi rendition="#i">deutscher</hi> Regierung wünschen,*)
                    wagt selbst der enragirteste Teutone nicht zu behaupten. Es ist das Princip des
                    Pangermanismus und ,sicherer‘ Grenzen, das proclamirt wird und das von östlicher
                    Seite zu schönen Resultaten für Deutschland und Europa führen würde.</p>
            <p>Wer nicht ganz vom Geschrei des Augenblicks übertäubt ist, oder ein <hi rendition="#i">Interesse</hi>
                    hat, das deutsche Volk zu übertäuben, muß einsehen, daß der Krieg von 1870 ganz
                    so nothwendig einen <hi rendition="#g">Krieg zwischen Deutschland und Rußland</hi> im Schooße trägt, wie
                    der Krieg von 1866 den Krieg von 1870.</p>
            <p>Ich sage <hi rendition="#g">nothwendig</hi>, <hi rendition="#g">unvermeidlich</hi>, außer im unwahrscheinlichen Falle eines
                    vorherigen Ausbruches <hi rendition="#g">einer Revolution in Rußland</hi>.</p>
            <p>Tritt dieser unwahrscheinliche Fall nicht ein, so muß der Krieg zwischen
                    Deutschland und Rußland schon jetzt als un fait accompli (eine vollendete
                    Thatsache) behandelt werden.**)</p>
            <p>Es hängt ganz vom jetzigen Verhalten der deutschen Sieger ab, ob dieser Krieg
                    nützlich oder schädlich.</p>
            <p>Nehmen sie Elsaß und Lothringen, so wird Frankreich mit Rußland Deutschland
                    bekriegen. Es ist überflüssig, die unheilvollen Folgen zu deuten.</p>
            <p>Schließen sie einen ehrenvollen Frieden mit Frankreich, so wird jener Krieg
                    Europa von der moskowitischen Dictatur emancipiren, Preußen in Deutschland
                    aufgehen machen, dem westlichen Continent friedliche Entwicklung erlauben,
                    endlich der russischen socialen Revolution, deren Elemente nur eines solchen
                    Stoßes von außen zur Entwicklung bedürfen, zum Durchbruch helfen, also auch dem
                    russischen Volke zu Gute kommen.***)</p>
            <p>
               <hi rendition="#g">Aber ich fürchte, die Schufte und Narren werden ihr tolles Spiel ungehindert
                    treiben, wenn die deutsche Arbeiter-Classe nicht en masse ihre Stimme
                    erhebt</hi>.“</p>
            <p>Diese Vertreter der Annexion werden ihr Spiel nicht ungehindert treiben und
                    Namens der deutschen social-demokratischen Arbeiterpartei <hi rendition="#g">erheben wir hiermit
                    gegen die Annexion von Elsaß und Lothringen Protest. Und wir wissen uns Eins mit
                    den deutschen Arbeitern</hi>. Die deutschen Arbeiter werden, im Interesse Frankreichs
                    wie Deutschlands, im Interesse des Friedens und der Freiheit, im Interesse der
                    westlichen Civilisation gegen die kosackische Barbarei, die Annexion von Elsaß
                    und Lothringen <hi rendition="#g">nicht dulden</hi>. –</p>
            <p>
               <hi rendition="#g">Und Deutschland</hi>?</p>
            <p>„Der jetzige Krieg — so schreibt unser Genosse — eröffnet dadurch eine neue
                    weltgeschichtliche Epoche, daß Deutschland bewiesen hat, daß es selbst mit
                    Ausschluß von Deutsch-Oesterreich fähig ist, <hi rendition="#g">unabhängig vom
                        Auslande</hi>, seine eigenen Wege zu gehen. Daß es zunächst seine <hi rendition="#i">Einheit</hi> in der <hi rendition="#i">preußischen
                        Kaserne</hi> findet, ist eine Strafe, die es reichlich verdient hat. Aber
                    ein Resultat ist selbst so unmittelbar gewonnen. Die kleinlichen Lumpereien, wie
                    z.B. der Conflict zwischen national-liberalen Norddeutschen und
                    volksparteilichen Süddeutschen werden nicht länger nutzlos im Wege stehen. Die
                    Verhältnisse werden sich auf gro ßem Maßstab entwickeln und vereinfachen. Wenn
                    die deutsche Arbeiter-Classe dann nicht die ihr zukommende historische Rolle
                    spielt, ist es ihre Schuld. <hi rendition="#g">Dieser Krieg hat den Schwerpunkt
                        der continentalen Arbeiter-Bewegung von Frankreich nach Deutschland
                        verlegt</hi>. Damit haftet größere Verantwortlichkeit auf der deutschen
                    Arbeiter-Classe.“</p>
            <p>*) Im Gegentheil! Die Elsasser und Lothringer sind trotz ihrer deutschen Sprache
                    die fanatischsten Franzosen.</p>
            <p>**) Man lese nur in den russischen Zeitungen, wie die Annexion des Elsaß als
                    directe Bedrohung des russischen Besitzes von Esthland, Kurland und Livland
                    bezeichnet und schon jetzt zum Kriege gegen Deutschland gehetzt wird!</p>
            <p>***) Wir erinnern hierbei an den Ausspruch Napoleon’s I.: „Binnen 50 Jahren wird
                    Europa kosackisch oder republikanisch sein.“</p>
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