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         <titleStmt>
            <title>
               <idno>200</idno>Louis Kugelmann und Franziska Kugelmann an Karl Marx in
                    London. Hannover, Montag, 18. Juli 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>Standort Orig. nicht bekannt; Kopie: RGASPI</institution>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">f. 1 op. 1 d. 2691</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit
                            aus der Fotokopie zu ersehen ist , besteht der Brief aus zwei Blatt (?)
                            weißem Papier. Kugelmann hat die ersten drei Seiten vollstänig
                            beschrieben, die vierte Seite bis zur Hälfte. Die zweite Hälfte der
                            vierten Seite wurde von Franziska Kugelmann beschrieben.
                            Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                  <p/>
               </physDesc>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/A6N2PNIK">Erstveröffentlichung:
                            gekürzt: Rjazanoff: Stellungnahme (1915). S. 166/167.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Louis Kugelmann</persName>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">Franziska Kugelmann</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001901 http://www.geonames.org/2910831">Hannover</placeName>
               <date when="1870-07-18"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
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         </correspDesc>
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            <keywords>
               <term key="M3079638">Krieg Deutschland-Frankreich</term>
               <term key="M0004344">Deutscher Krieg 1866</term>
               <term key="M0004068">Frankreich</term>
               <term key="M0003714">Preußen</term>
               <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
               <term key="M0001544">Ökonomie</term>
               <term key="M0004559">Deutsche Parlamentsangelegenheiten</term>
               <term key="M0004468">Militärwesen</term>
               <term key="M0002748">„Das Kapital“ (Arbeit an Manuskripten, Veröffentlichung,
                        Rezeption)</term>
               <term key="M0002227">Privates - Marx (Familie, Gesundheit, Finanzen)</term>
               <term key="M0003244">Internationale Beziehungen in Europa</term>
            </keywords>
         </textClass>
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   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Hannover, 18. Juli
                        1870.</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Mein lieber
                    Marx!</salute>
            </opener>
            <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Der Beginn der jetzigen
                    Verwicklungen zwischen Frankreich u Preussen hatte so sehr den Typus
                    corpsburschlicher Tifteleien, daß ich mir nicht denken konnte, daraus würde ein
                    Krieg resultiren. Wirklich ist eine Kriegserklärung erfolgt u. diese nicht <hi rendition="#u">allein</hi> erklärlich aus der gefährdeten Lage <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008553 http://d-nb.info/gnd/118586416">Bonapartes</persName> in seinem Lande. Er weiß wohl, daß ein
                    Krieg mit Deutschland ein anderer wie mit Italien, Oesterreich pp. — Wie also
                    erklärt sich die Situation? Ich diagnosticire folgendermaßen. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Vor dem Kriege 1866 haben
                    Transactionen zwischen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> u. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008553 http://d-nb.info/gnd/118586416">Bonaparte</persName> in Biarritz stattgefunden, deren Inhalt
                    vielleicht Niemand wie diese beiden <hi rendition="#u">kennt</hi>, die man aber
                    dahin vermuthen darf, daß Frankreich durch eine Gebietsvergrößerung über den
                    fortdauerden Besitz seines Herrschers getröstet werden sollte. Man sprach damals
                    viel von der geforderten Abtretung des Saarbeckens, es wird sich daher wohl um
                    etwas anderes gehandelt haben. — Abtretung deutschen Landes sans phrase würde
                    jedem deutschen Staatsmann unmöglich sein u. auch an der Persönlichkeit des
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">Königs Wilhelm</persName> eine unübersteigliche
                    Schranke finden. — Möglich auch, daß Bismarck bona fide Versprechungen gemacht,
                    die ihm später unmöglich auszuführen. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">In Frankreich hat sich die
                    Sache inzwischen trotz „liberaler Ära“, trotz Plebiscit immer bedrohlicher für
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008553 http://d-nb.info/gnd/118586416">Bonaparte</persName> gestaltet, er ist im Begriff
                    durch die allgemeine Verachtung u. Lächerlichkeit erstickt zu werden.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">In Preussen hat sich der
                    Siegesrausch bedeutend abgekühlt, <hi rendition="#u">Neuwahlen stehen
                        unmittelbar bevor</hi>, es bilden sich democratische Parteien u. selbst die
                    Waschlappen der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004019 https://d-nb.info/gnd/5006371-6">Fortschrittsparthei</orgName> wollen in
                    den energischeren Elementen für Verringerung des <pb/> Militär-Etats event.
                    Verweigerung des Budgets stimmen. — Das Widerstreben Bayern’s u. Württemberg’s
                    gegen die preußische Hegemonie, namentlich die jüngsten Verhandlungen in der
                    bayrischen Kammer zeigen den neuen Konflikt in vollem Anzuge.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich halte daher einen
                    zwischen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismarck</persName> u. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008553 http://d-nb.info/gnd/118586416">Bonaparte</persName> verabredeten Krieg nicht für
                    unwahrscheinlich, dessen Preis auf der einen Seite Belgien, auf der andern der
                    Eintritt der Südstaaten in den Norddeutschen Bund, Herstellung eines einigen
                    Deutschlands mit Ausschluß Österreichs u. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">Wilhelm
                        I</persName> als Kaiser von Deutschland sein würde. — Ist diese Diagnose
                    richtig, dann würde Süddeutschland speciell Württemb. u. Bayern der
                    Kriegsschauplatz sein, damit diese für die Nothwendigkeit preußischer
                    Staatseinrichtungen zugänglich gemacht werden. — Die sich hier neu bildende
                    Opposition würde gesprengt u. für die nächste Legislaturperiode Kammern erzielt,
                    wie sie nur gewünscht werden. — Gleichzeitig den revolutionären Bestrebungen auf
                    beiden Seiten des Rheins eine tüchtige Ableitung geschaffen. — Augenblicklich
                    ist der Krieg noch nicht officiell erklärt. — Sollte England vielleicht
                    ernstliche Schwierigkeiten erheben? schon jetzt Garantien für Belgien
                    verlangen?</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Augenblicklich eine
                    revolutionäre Bewegung oder gar Erhebung in Frankreich würde ich für ein Unglück
                    halten. Dem französischen Proletariat die Beseitigung des Empire anrathen, ja
                    zur Pflicht machen ist ebenso komisch, wie das Versprechen, die deutschen
                    Arbeiter würden es, im anderen Falle ebenso machen nicht nur unwahr, sondern
                    auch renommistisch-läppisch ist. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Außer einer allgemein
                    gedrückten Stimmung, <hi rendition="#u">anscheinend durchaus nicht
                        beschleunigten</hi> Einberufung der Reserven, einiger Störung des
                    Eisenbahnverkehrs, merkt man hier nichts besoneres, Du möchtest denn, die
                    einstweilen noch polizeilich gestatteten Ausbrüche von „Gut u. Blut“ — Adressen,
                    wie solche für das Maaß <pb/> des Spießbürgers sich schicken dazu rechnen, mit
                    der obligaten Kriegsbegeisterung der haute finance. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Beifolgende Kritik <ref xml:id="ffdadee7-32b9-48bc-9ade-e732b958bc03" corresp="#eac26c42-e82c-45c5-826c-42e82c35c569" type="editorialNote">Deines <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">„Kapital“</bibl>
                  </ref><note xml:id="eac26c42-e82c-45c5-826c-42e82c35c569" corresp="#ffdadee7-32b9-48bc-9ade-e732b958bc03" type="editorial">
                     <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Karl Marx: Das Kapital. Bd.
                                1. Buch 1. Hamburg 1867.</bibl> Siehe Erl. zu „1200 Seiten
                            Manuscript“ in <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000007">Marx an J. Ph. Becker, zw. 9. u.
                                15.1.1866</ref>. <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/25ETZ5BH">(MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>
                        II/5)</bibl>.</note> las ich schon vor mehreren Monaten in: <hi rendition="#u">
                  <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007336 http://d-nb.info/gnd/118550942">Bruno Hildebrand</persName>’s</hi>
               <bibl type="periodika" corresp="">Jahrbücher für Nationalöconomie u.
                        Statistik</bibl>. Jahrgang VII Bd. I Heft 6 Bogen 30. Pag. 457–464. <ref xml:id="b9545b92-55aa-4ce9-945b-9255aacce995" corresp="#d5923997-b5d3-4129-9239-97b5d37129a4" type="editorialNote">Der Verf. Rr soll ein gewisser Rössler sein</ref><note xml:id="d5923997-b5d3-4129-9239-97b5d37129a4" corresp="#b9545b92-55aa-4ce9-945b-9255aacce995" type="editorial">Siehe <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RZDFJGM6">[Hermann] R[ösle]r: Karl Marx, Das Capital. Kritik
                                der politischen Oekonomie. Erster Band. In: Jahrbücher für
                                Nationalökonomie und Statistik. Hrsg. v. Bruno Hildebrand, Bd. 12.
                                Jena 1869. S. 457–464</bibl>.</note>. — Die Einwendungen sind
                    so unbedeutend, daß ein Anfänger sie
                    wiederlegen
                    kann. Es freut mich aber aus dem factum dieser Kritik zu sehen, daß man sich
                    verpflichtet fühlt von Deinem Buche nolens volens Notiz zu nehmen; allerdings in
                    einer Form, die die Verbreitung desselben u. dessen Studium hindern soll. Da
                    dies aber doch nicht gelingt, so führen solche cretinistische „Kritiken“ nur zur
                    späterer Discreditierung der Autoren u. ihrer Mitstrolche. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Was mich in meiner
                    Vermuthung über den bevorstehenden Krieg bestärkt ist der Umstand daß bei den
                    Unterhandlungen mit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">König Wilhelm</persName> in Ems
                    nicht nur nicht <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName>, sondern überhaupt
                    nicht einmal ein Minister Theil nahm u. das ganze Verfahren <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005522 http://d-nb.info/gnd/11865814X">Benedetti</persName>s auf eine rasch erfolgreiche Provocation
                    gegen den sich seiner Würde als Bundesoberhaupt bewußten Monarchen berechnet
                    erscheint. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Entschuldige das ungeordnete
                    dieses Briefes. Ich schrieb denselben während der kleinen Pausen meiner
                    Sprechstunde. — Wenn die Verbindung nach Karlsbad dann frei ist, werden wir, wie
                    beabsichtigt, am 12. August reisen. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Nun sei so gut, lieber
                    Freund, u. antworte doch endlich <pb/> mal. — Zunächst möchte ich Deine Ansicht
                    über die jetzige Weltlage hören u. dann, ob Du nicht kommen willst?</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <salute>Mit herzlichen Grüßen an
                    Deine Damen</salute>
               <signed>Dein<lb/>treu ergebener<lb/>L. Kugelmann<lb/>Dr</signed>
            </closer>
            <postscript>
               <p>Hat Engels nicht Lust den Feldzug mit zu
                        beobachten? Könnte er es nicht vielleicht als Berichterstatter für irgend
                        eine englische Zeitung? Es würde mir eine große <hi rendition="#u">Beruhigung</hi> sein unseren Freund im Generalstabe <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008427 https://d-nb.info/gnd/118583387">Moltke</persName>s zu wissen. —</p>
            </postscript>
         </div>
         <div type="writingAct" hand="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">
            <p>Lieber Mohr, bitte komm doch mit nach Karlsbad, oder laß doch wenigstens mal was
                    von Dir hören. Nach <hi rendition="#u">Karlsbad mußt</hi> Du übrigens, denn wenn
                    Du es nicht thust wird <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Papa</persName> sowohl wie ich
                    dem „Karl Marx“ sagen, was für Unfug Du mit den Mitgliedskarten der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internationalen</orgName> anstiftest wie wir bei
                    Fräulein
                    Podany
                    gesehen haben! —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Auf Wiedersehen, lieber
                    Mohr, mit herzlichen Grüßen für Dich und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName>
            </p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Dein<lb/>Käuzchen.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>