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    <teiHeader>
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            <titleStmt>
                <title><idno>28</idno>Karl Marx an Sigfrid Meyer in New York. London, Samstag, 21.
                    Januar 1871</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>IISG</institution>
                        <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                        <idno><idno type="shelfmark">C 608/C 169</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen weißem Papier. Marx hat die erste und dritte Seite vollständig,
                            anschließend die zweite Seite quer und etwa zur Hälfte beschrieben; die
                            vierte Seite blieb leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                        <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite „169“
                            (Bleistift) und „98“ (Rotstift); oben auf der vierten Seite mit Tinte:
                            „21/1/17“ und mit Bleistift: „10#“.</p>
                    </physDesc>
                    <additional>
                        <listBibl>
                            <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2769</bibl>
                        </listBibl>
                    </additional>
                </msDesc>
                <listWit>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/NLYXHEPM">Erstveröffentlichung: in
                            russischer Übersetzung: МЭС1 26 (1935). S. 86–88.</bibl>
                    </witness>
                    <witness>
                        <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/38I66UYF">in der Sprache des Originals: МEW 33
                            (1966). S. 172–174.</bibl>
                    </witness>
                </listWit>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                    <date when="1871-01-21"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008348 1019016">Sigfrid Meyer</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002865 http://www.geonames.org/5128581">New York</placeName>
                </correspAction>
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                    <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M5746629"/>
                </correspContext>
            </correspDesc>
            <textClass>
                <keywords>
                    <term key="M0002820">USA (Arbeiterorganisationen, allgemeine politische Lage,
                        Auswanderung in die USA)</term>
                    <term key="M0002585">Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA, A.I.T.,
                        I.W.M.A.)</term>
                    <term key="M5828893">Frankreich – Dritte Republik</term>
                    <term key="M0004394">Russland</term>
                    <term key="M0003244">Internationale Beziehungen in Europa</term>
                    <term key="M0003714">Preußen</term>
                    <term key="M0001509">Ferdinand Freiligrath – „Nationalgabe“ (1867)</term>
                    <term key="M0002227">Privates - Marx (Familie, Gesundheit, Finanzen)</term>
                    <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
                    <term key="M2481952">Russische Sprache</term>
                    <term key="M0002469">Fotografie</term>
                    <term key="M0002820">USA (Arbeiterorganisationen, allgemeine politische Lage,
                        Auswanderung in die USA)</term>
                    <term key="M0002748">„Das Kapital“ (Arbeit an Manuskripten, Veröffentlichung,
                        Rezeption)</term>
                </keywords>
            </textClass>
        </profileDesc>
        
    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener>
                    <dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> 21 Jan 1871.</dateline>
                    <salute sameAs="MBAnrede">Lieber Meyer,</salute>
                </opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Die Bildung des s. g.
                        <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M6365245">Central Committee zu New York</orgName> war durchaus
                    nicht nach meinem Geschmack. Ich verzögerte die Anerkennung des Generalraths so
                    lange als möglich, wurde aber entwaffnet, sobald <subst>
                        <del rendition="#ow">aus</del>
                        <add place="across">durch</add>
                    </subst> einen
                    Brief des
                    Herrn <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006036 1005213">Charnier</persName> herauskam,
                    daß unser fzs. Sekretair <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006445 http://viaf.org/viaf/211267717">Dupont</persName> – ein ganz
                    ausgezeichneter Mann, aber zu heftig u. durch seinen That<add place="superlinear">en</add>drang oft zu falschen Schritten hingerissen –
                    der Initiator dieser Geschichte war.
                    Alors,
                    il n’y avait plus rien à faire. Er erhielt einen Rüffel vom
                    Generalrath,
                    mais
                    le jeu était fait!
                </p>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Engels (der jezt hier wohnt) u. ich rufen Ihnen u. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010116 1029081">Vogt</persName> ins Gedächtniß, daß gemäß unsren Statuten der
                    Generalrath nur sein Veto einlegen kann, wo offne violations der Statuten u.
                    Principien der „ <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internationale</orgName>“ vorliegen,
                    daß es aber im übrigen unsre unveränderliche Politik ist, die Sektionen gewähren
                        <del rendition="#s">zu</del> u. sich selbst regieren zu lassen. Ausnahme
                    bildete, wegen seiner exceptionellen Verhältnisse zur Zeit des Empire, nur Fkch.
                    Unsre Freunde müssen sich daher ebenfalls nach der Decke strecken. Wir, hier in
                    London, arbeiten zusammen mit Engländern, wovon ein Theil uns in keiner Art
                    zusagt u. von denen wir sehr gut wissen, daß sie die „Internationale“ nur als
                    Milchkuh für ihre kleinen persönlichen Ambitionszwecke ausbeuten wollen. Dennoch
                    machen wir bonne mine à mauvais jeu. Wenn wir uns wegen dieser Leute entrüstet
                    zurückziehn <add place="superlinear">wollten</add>, würden wir ihnen ja nur eine
                    Macht geben, die unsre Gegenwart jezt paralysirt. Und so müßt Ihr es auch
                    machen.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Quant à <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010116 1029081">Vogt</persName>, so <subst>
                        <del rendition="#s">habe x</del>
                        <add place="intralinear">war</add>
                    </subst> ich von vorn herein überzeugt, daß der wichtig thuende <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009679 http://d-nb.info/gnd/119040921"><expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">S<ex>orge</ex></expan></persName> Wind mache. Ich mußte ihm jedoch auf
                    seine direkte Anfrage antworten. Sonst hätte er sich mit dem Tratsch an meinen
                    Freund <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009405  http://d-nb.info/gnd/139571175">Schily</persName> persönlich gewandt, eine
                    Unannehmlichkeit, die ich leztrem ersparen wollte.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Hier haben wir grosse
                    Bewegung gegen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006962 http://d-nb.info/gnd/118695207">Gladstone</persName> unter d.
                    Arbeiterklasse hervorgerufen (für die French Republic), die ihn wahrscheinlich
                    stürzen wird. </p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/> Preussen ist Hand u.
                    Fuß unter der Botmässigkeit des russischen Kabinets. Sollte es
                    définitivement
                    siegen, so wird der heroic German philistine Dinge erleben, die er verdient.
                    Das Unglück
                    ist, daß die jetzige fzs. Regierung glaubt, einen Revolutionskrieg ohne
                    Revolution führen zu können.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Der edle Dichter <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006797 1009644">Freiligrath</persName> ist augenblicklich hier bei seinen
                    Töchtern. Er wagt nicht, sich bei mir zu zeigen. Die 60000 Thaler, die ihm der
                    deutsche Philister geschenkt hat, müssen abverdient werden durch <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M3343871">Tyrtäus</persName>—Gesänge
                    wie: <ref xml:id="d5a22bfc-508c-4f63-a22b-fc508cdf6393" corresp="#e762f9e6-c655-4ed2-a2f9-e6c6552ed22e" type="editorialNote">„Du stolzes Weib Germania“</ref><note xml:id="e762f9e6-c655-4ed2-a2f9-e6c6552ed22e" corresp="#d5a22bfc-508c-4f63-a22b-fc508cdf6393" type="editorial"><bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AXFR3GV4">Ferdinand Freiligrath: Hurrah,
                            Germania!</bibl></note> etc.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Meine
                    Gesundheit war Monatelang wieder
                    abominabel,
                    aber wer kann denken an solche Kleinigkeit unter so grossen historischen
                    Ereignissen!</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">In Petersburg erscheint ein
                        <bibl type="periodika" corresp="">„<hi rendition="#u">Archiv der
                            gerichtlichen Medizin</hi>“ (in russischer Sprache)</bibl>, halbamtlich.
                    Einer der mitarbeitenden Aerzte brachte in dem letzten Quartband einen Aufsatz
                        „<hi rendition="#u">Ueber <subst>
                            <del rendition="#ow">die</del>
                            <add place="across">den</add>
                        </subst> hygienischen Zustand des westeuropäischen Proletariats</hi>“, worin
                    er hauptsächlich – aber mit Quellenangabe –
                    mein <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Buch</bibl>
                    citirt. In Folge dessen ist folgendes Unglück passirt: Der <subst>
                        <del rendition="#s">Obercensor</del>
                        <add place="intralinear">Censor</add>
                    </subst> hat einen gewaltigen Rüffel vom <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M5949948">minister of
                        the Interior</persName> erhalten, der editor in chief ist abgesetzt, u. der
                    Band selbst ist in allen noch zu fassenden copies – verbrannt worden!</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich weiß
                    nicht, ob ich Ihnen mitgetheilt, daß ich seit Anfang 1870 mich selbst im
                    Russischen unterrichten mußte, was ich jezt ziemlich geläufig
                    lese. Die Sache kam daher, daß man mir von Petersburg
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005565 http://d-nb.info/gnd/119112787">Flerowski</persName>’s sehr bedeutendes <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/ZFH3GSNA">Werk über die „Lage der
                        arbeitenden Klassen (bes. Bauern) in Rußland“</bibl> zugeschickt hatte u.
                    daß ich auch mit den <subst>
                        <del rendition="#s">W</del>
                        <add place="intralinear">ökonomischen (famosen) Werken</add>
                    </subst> v. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006019 http://d-nb.info/gnd/118666150">Tschernischewski</persName> (zum Dank zu
                        d<ex>en</ex> sibirischen Minen seit 7 J. verurtheilt) bekannt werden wollte.
                    Die
                    Ausbeute lohnt die Mühe, <pb/> die ein Mensch von meinen Jahren in der
                    Ueberwältigung einer Sprache hat, die den<del rendition="#s">en</del>
                    Klassischen <subst>
                        <del rendition="#s">u.</del>
                        <add place="across">,</add>
                    </subst> Germanischen und <choice>
                        <sic>u.</sic>
                        <corr cert="high"> </corr>
                    </choice> Romanischen Sprachstämmen so fern abliegt. Die geistige Bewegung, die
                    jezt in R<ex>u</ex>ß<ex>lan</ex>d vorgeht, zeigt, daß es tief unten gährt. Die
                    Köpfe hängen immer durch unsichtbare Fäden mit dem body des Volks zusammen.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Sie u. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010116 1029081">Vogt</persName> schulden mir Ihre Photogramme. Ich glaube
                    wenigstens, daß sie mir versprochen wurden.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift">
                    <salute>Salut an Sie u. Vogt.</salute>
                    <signed>Ihr<lb/>Karl Marx.</signed>
                </closer>
                <postscript>
                    <p><ref xml:id="db43b4eb-f108-4a1d-83b4-ebf1080a1dd9" corresp="#c710f5aa-83ba-43e4-90f5-aa83bab3e4cb" type="editorialNote">Wegen d<ex>er</ex> public lands habe ich an meinen
                                alten Freund <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007215 http://d-nb.info/gnd/128888652">G. J. Harney</persName>
                                geschrieben</ref><note xml:id="c710f5aa-83ba-43e4-90f5-aa83bab3e4cb" corresp="#db43b4eb-f108-4a1d-83b4-ebf1080a1dd9" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M5648326">Marx an G. J. Harney,
                            21.1.1871</ref>.</note>, der jezt Untersekretär d<ex>es</ex>
                        Staats Mass. </p>
                </postscript>
            </div>
        </body></text>
</TEI>