<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M1880656">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>181</idno>Louis und Gertrud Kugelmann an Karl Marx in London. Hannover,
                    Mittwoch, 29. Juni 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>RGASPI</institution>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 2139</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen gelblich-weißem Papier. L. Kugelmann hat die erste Seite
                            vollständig, die vierte Seite zu drei Vierteln beschrieben. G.
                            Kugelmanns Zeilen sind darunter und vertikal am linken Rand der vierten
                            Seite notiert. Die zweite und dritte Seite blieben vermutlich leer.
                            Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                  <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift: „79a“.</p>
               </physDesc>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Louis Kugelmann</persName>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">Gertrud Kugelmann</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001901 http://www.geonames.org/2910831">Hannover</placeName>
               <date when="1870-06-29"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <correspContext>
               <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M3396448"/>
            </correspContext>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002227">Privates - Marx (Familie, Gesundheit, Finanzen)</term>
               <term key="M0003389">Deutsche Sozialdemokratie</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Hannover 29. Juni
                        1870</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Mein lieber Marx!</salute>
            </opener>
            <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">In <ref xml:id="b7bee251-79f8-4304-bee2-5179f84304ad" corresp="#aae43e18-9502-491b-a43e-189502d91b9a" type="editorialNote">Deinem heutigen Briefe</ref><note xml:id="aae43e18-9502-491b-a43e-189502d91b9a" corresp="#b7bee251-79f8-4304-bee2-5179f84304ad" type="editorial">Siehe
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M3396448">Marx
                                an L. Kugelmann, 27.6.1870</ref>.</note>
                    erfreut mich seit langer Zeit wieder ein fröhlicherer Ton, den ich so lange
                    schmerzlich in Deinen seltenen Mittheilungen vermißte. Deine bessere Stimmung
                    ist unzweifelhaft das Resultat deiner 4wöchentlichen Ausspannung.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Im Übrigen hat mir Dein
                    Brief — abgesehen von den, auf Deine Beurtheiler bezüglichen Stellen — wirklich
                    mit Schrecken erfüllt. — Du gestehst, daß Du fast den ganzen Winter krank
                    gewesen u. stellst Deine, so <hi rendition="#uu">unbedingt</hi> nothwendige
                    Karlsbader Cur, so sehr in Frage, als ob es sich um eine Bagatelle handle. Deine
                    gestörte Verdauung, Deine Leberaffection, Deine Carbunculose, alles das macht
                    die Cur in Karlsbad absolut nothwendig, wenn Du das Übel nicht bis <supplied cert="high">zu</supplied> einem Grade einreißen lassen willst, daß später,
                    wenn erst ausgedehnte Gewebsveränderungen der Leber vorhanden, gar nichts mehr
                    hilft. Muß <hi rendition="#u">ich</hi>
               <hi rendition="#uu">Dir</hi> erst nachweisen, daß Deine Krankheiten Dir
                    kostspieliger sind, als die Reise nach Karlsbad? Glaubst Du mit schlechten
                    Witzen über Ärzte die Zerstörung einer Existenz aufhalten zu können, die nicht
                    nur der Stolz u. das Glück derer ausmacht, die ihr nahe stehen, sondern für die
                    Zukunft der Menschheit von unberechenbarer Wichtigkeit ist?</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Die Karlsbader Cur kostete
                    mir im vorigen Jahre c<hi rendition="#sup">a</hi> r<ex>eichstaler</ex> 117.
                    Rechne dazu etwa r<ex>eichstaler</ex> 10 für Bäder u. andere Ausgaben, die ich,
                    als Arzt, nicht habe, so hast Du da die Summe, die es Dir <hi rendition="#u">ab
                        Hannover</hi> kosten würde. — Ich brauche Dir gewiß nicht zu sagen, wie die
                    Freude mit Euch <hi rendition="#u">allen</hi> zusammen zu sein, seit Ihr uns
                    dies in Aussicht stelltet, tagtäglich von uns im Voraus genossen wurde, könnt
                    Ihr jedoch nicht <hi rendition="#u">alle</hi> kommen, so bringe mit wen Du
                    kannst, u. kannst Du Niemanden <pb n="2"/> mitbringen, dann komm allein, denn
                        Du<hi rendition="#uu"> mußt</hi>.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich möchte Dir noch über
                    andere Dinge schreiben, ich bin aber wirklich zu verstimmt dazu, so lange ich
                    nicht von Dir die feste Zusicherung habe, daß Du mit nach Karlsbad gehst; diese
                    letztere erwarte ich nun umgehend. Ich warte noch immer mit der Bestellung des
                    schönen u. billigen Logis bis ich weiß, wie ich mit Dir daran bin u. es wird
                    jetzt Zeit, sonst muß man schlechtere Wohnungen nehmen, kleine Zimmer, was der
                    Gesundheit auch nicht förderlich. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011595 1018799">Theod. Menke</persName> aus Hamburg habe ich auch vorlängst, nach langem
                    Widerstreben, mit der Hetzpeitsche nach Karlsbad getrieben, jetzt dankt er mir
                    dafür. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Nun, lieber, guter Marx,
                    bitte ich Dich flehentlich mir <hi rendition="#u">umgehend</hi> die erwünschte
                    Nachricht zu geben. — Eine bessere Gesundheit wird Dich hinreichend für die
                    gebrachten Opfer entschädigen. –</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Einliegend der <ref xml:id="f255525d-cb7a-42cf-9552-5dcb7a92cf15" corresp="#feeae726-ac7c-4ecd-aae7-26ac7c1ecd4e" type="editorialNote">Brief von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008296 http://d-nb.info/gnd/1017446180">Meissner</persName>
                  </ref><note xml:id="feeae726-ac7c-4ecd-aae7-26ac7c1ecd4e" corresp="#f255525d-cb7a-42cf-9552-5dcb7a92cf15" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M9808979">O.
                                Meißner
                                an Marx, 25.6.1870</ref>.</note> zurück. —
                    Den Ausschußbericht wirst Du <unclear reason="illegible" cert="high">s<ex>amt</ex>
               </unclear>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName>
               <supplied cert="high">durch</supplied>
               <ref xml:id="acc9db5a-7c6c-4f9f-89db-5a7c6c7f9f3d" corresp="#b81947c1-f506-4107-9947-c1f506f10722" type="editorialNote">meinen Brief</ref><note xml:id="b81947c1-f506-4107-9947-c1f506f10722" corresp="#acc9db5a-7c6c-4f9f-89db-5a7c6c7f9f3d" type="editorial">Vermutlich ein nicht überlieferter Brief von L. Kugelmann an Jenny Marx
                            (Tochter). Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M8376670">J.
                                Marx (Tochter) an Engels,
                        30.6.1870</ref>.</note>
               
                    heute Morgen empfangen haben. — <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007776 http://viaf.org/viaf/887144647720821499639">Fränzchen</persName> grüßt herzlich. —</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Deinen Damen herzliche
                    Grüße. –</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Nochmals! Thue was für Dich,
                    so lange es noch Zeit u.
                    nimm Dir ein
                    Beispiel an <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010335 https://d-nb.info/gnd/118634852">Lupus</persName>, wenn die Form in der die
                    Überarbeitung bei ihm zur Erscheinung kam, auch eine andere
                    war.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">Gieb recht bald
                    Antwort<lb/>
               <signed>Deinem<lb/>LKugelmann<lb/>Dr<lb/>
                  <lb/>
               </signed>
            </closer>
         </div>
         <div type="writingAct" hand="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">
            <p>
               <lb/>Wenn Sie diesmal wieder, lieber Herr Marx, beim Erblicken meiner Zeilen —
                    wie Sie so freundlich in <ref xml:id="b33d42d6-b97d-4f63-bd42-d6b97d1f63c9" corresp="#ec222c3d-34e8-439a-a22c-3d34e8439a59" type="editorialNote">Ihrem heutigen
                            Briefe</ref><note xml:id="ec222c3d-34e8-439a-a22c-3d34e8439a59" corresp="#b33d42d6-b97d-4f63-bd42-d6b97d1f63c9" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M3396448">Marx
                                an L. Kugelmann, 27.6.1870</ref>.</note>
                    sagen — Ihres Aufenthaltes bei uns im vorigen Herbste gedenken, so begegnen Sie
                    meinen jetzigen Gedanken, indem ich heute nur in Erinnerung daran schreibe; aber
                    nicht allein der angenehmen unvergeßlichen Stunden, die mir Ihr und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008235  http://d-nb.info/gnd/118728997">Jennychen</persName>s Besuch bereitete, sondern auch der
                    ernsten Unterhaltungen, die wir damals über Ihr Befinden führten, deren Resultat
                    Ihr fester Entschluß war, in diesem Jahre eine Cur in Carlsbad zu gebrauchen.
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007778 http://d-nb.info/gnd/119381311">Mein Mann</persName> hat Ihnen heute schon genug
                    in’s Gewissen geredet und ich spreche nur noch die herzliche Bitte aus die von
                    Ihnen selbst erkannte Nothwendigkeit der Carlsbader Cur nicht hinauszuschieben.
                    Grüßen Sie Jennychen und Ihre andern Lieben herzlichst und lassen Sie sich von
                    Allen zu der so durchaus nöthigen Reise veranlassen. Hoffentlich hören wir bald
                        <hi rendition="#u">wann</hi> Sie kommen und seien Sie bis dahin herzlichst
                    gegrüßt von</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Ihrer<lb/>Gertr Kglm.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>