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            <titleStmt>
                <title><idno>180</idno>Eugen Oswald an Karl Marx in London. London, Sonntag, 28. Mai
                    1871</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
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                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>IISG</institution>
                        <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                        <idno><idno type="shelfmark">D 3594/D VI 199. Fotosign.
                            8539a–d</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus zwei Bogen
                            weißem Papier. Oswald hat sieben Seiten vollständig beschrieben, die
                            achte Seite ist leer. Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                        <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes mit Bleistift oben auf der
                            ersten Seite: „199“.</p>
                    </physDesc>
                    <additional>
                        <listBibl>
                            <bibl>RGASPI f. 1 op. 5 d. 2342</bibl>
                        </listBibl>
                    </additional>
                </msDesc>
                <listWit>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/U9EM36WJ">Erstveröffentlichung: in
                            russischer Übersetzung: Письма деятелей Первого Интернационала в дни
                            Коммуны 1871 года / Pisma dejatelej pervogo internacionala v dni kommuny
                            1871 goda. Moskau 1933. S. 54–56.</bibl>
                    </witness>
                </listWit>
            </sourceDesc>
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        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008735 http://d-nb.info/gnd/117159565">Eugen Oswald</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                    <date when="1871-05-28"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
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                </correspAction>
            </correspDesc>
        </profileDesc>
        
    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> 28. Mai 71.</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Lieber Freund</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Mit Ihnen in vollster
                    Sympathie, eile ich, mich zu jeder Zusammenwirkung, im schwachen Maaße meiner
                    Kräfte, zu melden, welche das entsetzliche Unheil mildern kann.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Der Schlag ist ungeheuer.
                    Seine Richtung geht über die Commune hinaus. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismarck</persName> und Versailles wollen hinter 1789 zurück.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich fürchte, unsre Laufbahn
                    ist am Ende. Zu retten, was noch zu retten sein mag, – überdies durch Erziehung
                    auf die Zukunft zu wirken, das kann noch unsre Aufgabe sein.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich habe
                    den Ausbruch
                    vom 18 März getadelt, – ob ich wohl seither zur Ueberzeugung
                    gekommen, daß er schwer zu vermeiden war, – nur durch Staatskunst und
                    berechnetes Verfahren zu vermeiden war, welches die <pb/> Massen und Volksführer
                    in Paris nicht besaßen, nicht besitzen konnten. Ich habe die Niederlage als
                    unvermeidlich vorausgesehen, vorausgesagt, und habe bei Zeiten vor der kommenden
                    Reaction gewarnt. Ich habe mich vergeblich bemüht, hier und in Frankreich auf
                    Vergleich hinzuwirken. Indem ich in der Bewegung der Commune die Richtung auf
                    Municipalfreiheit, und gegen die Tyrannei der Majoritätsherrschaft eines
                    allgemeinen und gleichen, nach meiner Ansicht nothwendig stupiden, Stimmrechts
                    als hoffnungsreich für die Zukunft begrüßte, auch mich der Richtung gegen
                    absurden Patriotismus und Hartherzigkeit der Geldsäcke freute, <pb/> mußte ich
                    doch das Verfahren der Führer in vielen Fällen als ungerecht oder abgeschmackt
                    bezeichnen; – ohne doch zu vergessen, daß dergleichen in jeder großen Bewegung
                    vorkommen muß. Ich kann weder den anfänglichen Mord der
                    beiden
                    Generale,
                    noch die Verbrennung von Paris rechtfertigen; – wenn die Commune sie angeordnet,
                    – was mir aber ebensowenig bewiesen ist, als die Verbrennung Rom’s durch die
                    Christen oder durch <hi rendition="#u"><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011662 http://d-nb.info/gnd/118586998">Nero</persName></hi>.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Dies, denn, mein
                    Standpunkt.– Was nun zu thun?</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Zunächst dem
                    Auslieferungsbegehren entgegenzuwirken.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Zu diesem Zweck habe ich
                    gestern Abend einen
                    Brief
                    eines englischen
                    Rechtsgelehrten
                    an die <bibl type="periodika" corresp="">Pall Mall G.</bibl>
                    <pb/> veranlaßt; und heute früh ähnlichen
                    Brief
                    eines andern englischen
                    Freundes
                    an den <bibl type="periodika" corresp="">Standard</bibl>. In beiden
                    Fällen hab’ ich das zu Schreibende, mit den Herrn durchgesprochen. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Lesen Sie nun <ref xml:id="d7ff8260-b367-492a-bf82-60b367c92afd" corresp="#c2e04bb3-3c52-4d1e-a04b-b33c520d1e58" type="editorialNote">die Inlage</ref><note xml:id="c2e04bb3-3c52-4d1e-a04b-b33c520d1e58" corresp="#d7ff8260-b367-492a-bf82-60b367c92afd" type="editorial">Nicht
                            überliefert.</note>. Zu deren Verständniß lassen Sie mich sagen,
                    daß der Brief durch eine Discussion veranlaßt wurde, in der ich neulich den
                    Preußen ihre Schergendienste zu Gunsten der Rußen vorwarf; – welche Dienste der
                    Schreiber
                    der Inlage zuerst gerechtfertigt glaubte. Sie sehen, der Mann ist keinesweges
                    ein
                    politischRadicaler.
                    Aber es <choice>
                        <sic>ist</sic>
                        <corr type="deleted"/>
                    </choice> gibt Dinge, welche auch diese ruhigen, &amp; scheinbar herzlosen
                    Gesetzesmenschen empören; und die Versailler haben das Maaß übervoll gefüllt.
                    Nichts, das man der Commune vorwerfen mag, kann die Versailler Gräuel
                    entschuldigen; – selbst nicht – wäre sie erwiesen – die Brandstiftung; denn
                    diese sind Aufständische, jene Regierung, – über den Parteien stehend, zu
                    richterlicher Kühle verpflichtet. Ebenso möchte, im Tribunal, der Richter von
                    seinem <pb/> Sitze herabsteigen, um den Angeklagten am Halse zu fassen, und mit
                    ihm zu ringen.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Das Original des Briefes
                    hab’ ich gestern Abd. an
                    Bertin gesandt den londoner Correspondenten der
                        <bibl type="periodika" corresp="">Indépendance belge</bibl>; seine
                    beiden
                    Söhne haben es von mir in
                    Empfang genommen; sie stimmen und fühlen mit mir.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Das <bibl type="periodika" corresp="">Echo</bibl> ist seit drei Tagen mit uns. Mit Recht sagt es,
                    daß man die Leute nicht zur Verzweiflung treiben mußte. Im selben Sinn arbeite
                    ich am <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M2731377 https://d-nb.info/gnd/7601967-6">Working Men’s College</orgName>.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Auf heute Nachmittag erwarte
                    ich einen französ. Freund, kürzlich von St. Denis zurückgekommen, der mit dem
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M9610701 https://d-nb.info/gnd/129498475">Herzog
                        von Wellington</persName> bekannt ist; und, mit uns
                    übereinstimmend, auf die Kreise der Aristokratie wirken mag, in denen man für
                    die französ. Nothleidenden thätig war. </p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/> Ich will Alles thun,
                    was gethan werden kann. Sagen Sie nicht, das sei unnöthig, weil doch nur Wenige
                    hierherkommen können, da die Ueberfahrt ihnen allzu schwierig. Erstens werden
                    Einige kommen, und dann wird das Beispiel Englands mächtig auf die Schweiz
                    wirken.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Wer hierherkommt, soll
                    gleich seinen Namen wechseln, – bis das Gewitter sich verzogen. Man muß es
                    selbst der engl. Regierung nicht allzu schwer machen, ein Auge zuzudrücken.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Wo ich einem von Ihnen
                    Empfohlenen nützlich sein kann, bin ich’s natürlich gern. </p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/> Einstweilen wünschte
                    ich daß jemand dem Chauvinisten <unclear reason="illegible" cert="low">Kercher</unclear>
                    auf die Finger klopfte, der sich wie ein Einfaltspinsel &amp; französischer
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005636 http://d-nb.info/gnd/118796569">Blind</persName> benimmt. –</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich muß eilig schreiben.
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M7189516">Kern</persName>
                    drängt. Also geben Sie Allem hier Gesagten, wohl Gemeinten, vielleicht
                    ungeschickt Ausgedrückten die günstigste Auslegung. Mein Herz ist ganz mit
                    Ihnen, &amp; auch ein gut Stück von meinem Kopfe.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><signed>Ihr<lb/>EO.</signed></closer>
                <postscript>
                    <p>Darf ich die <bibl type="periodika" corresp="">Fortnightly</bibl> noch
                        ein paar Tage behalten? <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006122 http://d-nb.info/gnd/17850260X">Collet</persName> mag in
                        unserm Sinne schreiben. </p>
                </postscript>
            </div>
        </body></text>
</TEI>