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      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>37</idno>Peter Imandt an Karl Marx in London. Dundee, Freitag, 18.
                    Februar 1870</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">D 2444/D V 18. Fotosign. 2961a-d</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem Bogen weißem Papier. Imandt hat alle vier
                            Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                  <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite mit
                            Bleistift: „18“.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2595</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007467 http://d-nb.info/gnd/118901850">Peter Imandt</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003438 http://www.geonames.org/2650752">Dundee</placeName>
               <date when="1870-02-18"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
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         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002748">„Das Kapital“ (Arbeit an Manuskripten, Veröffentlichung,
                        Rezeption)</term>
               <term key="M0003714">Preußen</term>
               <term key="M0002313">Gesellschaftsleben/Exilantenleben in London u. Manchester
                        (Schiller-Anstalt, Arbeiter-Bildungsverein, Albert-Club, Versammlungsabende
                        u. ä.)</term>
               <term key="M0002718">„Das Kapital“ (Fortsetzung)</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Broughty Ferry 18. Feb.
                        70.<lb/>(Dundee)</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Lieber
                    Marx,</salute>
            </opener>
            <p sameAs="MBTextohneEinzug">Nach einer Unterbrechung unsrer Correspondenz
                    während so
                    vieler Jahre ist es keine Kleinigkeit für mich nun endlich
                    wieder an Dich zu schreiben. Ich will ohne Umschweif gestehen, daß ich Unrecht
                    that Dir nicht sogleich den Empfang Deines mir vor Jahren geschickten
                    Buches
                    anzuzeigen und daß ich noch größeres Unrecht that, nachdem ich es wieder und
                    wieder gelesen und studiert hatte, Dir nicht meine Bewunderung desselben
                    ausgedrückt zu haben. Die einzige Entschuldigung, die ich hatte, war, daß ich
                    Deine Adresse erst im vorigen Sommer durch <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007464 1013460">Carl</persName>
                    erhielt. Du wirst Dich erinnern, <pb/> daß <ref xml:id="e8828002-d320-4d67-8280-02d320ad67ec" corresp="#c446a0ca-d3d5-43bf-86a0-cad3d503bf97" type="editorialNote">
                     <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">„Das
                            Kapital“</bibl>
                  </ref><note xml:id="c446a0ca-d3d5-43bf-86a0-cad3d503bf97" corresp="#e8828002-d320-4d67-8280-02d320ad67ec" type="editorial">
                     <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1. Buch
                                1. Hamburg 1867.</bibl> Siehe Erl. zu „1200 Seiten Manuscript“ in
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000007">Marx an J. Ph. Becker, zw. 9. u.
                                15.1.1866</ref>. <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/25ETZ5BH">(MEGA<hi rendition="#sup">2</hi>
                        II/5)</bibl>.</note> mir ohne Deine Adresse von Manchester zugeschickt
                    wurde. Ich konnte nicht vermuthen, daß Du nach so langer Zeit immer noch auf dem
                    Haverstockhill haustest.</p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Ich danke Dir daher nachträglich herzlich für
                    Dein
                    Buch. Die Entwickelung des Werthes in der Einleitung ist aber
                    doch a very hard nut indeed und obschon ich mich,
                    wie <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010299  http://d-nb.info/gnd/117393711">Willich</persName>
                    that mit dem <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007268  http://d-nb.info/gnd/118547739">Hegel</persName>
               , in ein
                    Zimmer einschlösse und Tage und Nächte studierte, ich fürchte sehr es würde mir
                    ergehen wie ihm. <ref xml:id="bff48846-bae5-425b-b488-46bae5a25b7c" corresp="#a2428f81-881e-4094-828f-81881e0094a1" type="editorialNote">Ist ein zweiter Theil
                            erschienen?</ref><note xml:id="a2428f81-881e-4094-828f-81881e0094a1" corresp="#bff48846-bae5-425b-b488-46bae5a25b7c" type="editorial">
                     <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Karl Marx: Das Kapital. Bd. 1. Buch
                                1. Hamburg 1867.</bibl> Siehe Erl. zu „1200 Seiten Manuscript“ in
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000007">Marx an J. Ph. Becker, zw. 9. u.
                                15.1.1866</ref>. <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/25ETZ5BH">(MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> II/5)</bibl>. Der
                            geplante zweite Band des „Kapital“ sollte ursprünglich Buch 2 und Buch 3
                            enthalten. Siehe Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen
                            Oekonomie. Erster Band. Buch I. Vorwort (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/25ETZ5BH">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> II/5</bibl>. S. <ref target="http://telota.bbaw.de/mega/#%3Fdoc=MEGA_A2_B005-00_ETX.xml%26book=5%26part=0%26pageNr=14%26startPage=%26endPage=%26startLine=%26endLine=%26startTerm=%26endTerm=">14</ref>). Die Manuskripte zum zweiten und dritten Buch des
                            „Kapital“, an denen Marx bis zum Ende seines Lebens weiterarbeitete,
                            wurden erst nach seinem Tod von Engels als Band 2 und Band 3
                            veröffentlicht. Ausführlicher dazu siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0004898">hier</ref> (Exkurs zur Fortsetzung des „Kapital“).</note>
            </p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Ich habe am Ende des vorigen Jahres das Scharlachfieber
                    gehabt und habe bis vor kurzer Zeit an seinen Folgen gelitten. Mein <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M4141026">jüngster
                        Junge</persName> — 5 Jahre alt, bekam es erst und ich
                    bekam es nach ihm. Die <ref xml:id="d306e0c8-4285-43b7-86e0-c8428543b765" corresp="#f87f22c2-3791-480a-bf22-c23791f80ada" type="editorialNote">beiden andern</ref><note xml:id="f87f22c2-3791-480a-bf22-c23791f80ada" corresp="#d306e0c8-4285-43b7-86e0-c8428543b765" type="editorial">Tochter <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007466 1013462">Fanny</persName>
                            und der ältere Sohn <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003918">Louis
                            Imandt.</persName>
                  </note> blieben verschont. —
                    Meine
                    Existenz hier oben, wie <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007279 http://d-nb.info/gnd/1131571541">Heise</persName>
                    zu sagen pflegte — ist eine höchst langweilige. Die Stelle an
                    der Schule ist mager, sodaß ich durch Privatpauken ein mühsames Dasein fristen
                    muß. — Von
                    frühern
                    Freunden habe <pb/> ich alle Spur verloren. Nach den
                    Mittheilungen zu schließen, die mir <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007464 1013460">Carl</persName>
               nach seinem
                    Besuche bei Dir machte, existiren <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006380 http://d-nb.info/gnd/118854380">Dronke</persName>
                    und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005603 http://d-nb.info/gnd/116193034">Biscamp</persName>
                    noch. Wo sind sie? <ref xml:id="e4d5da6b-7036-463b-95da-6b7036e63bd6" corresp="#e2ef8c74-2dd4-46e5-af8c-742dd416e5c4" type="editorialNote">Ist Engels noch in Manchester?</ref><note xml:id="e2ef8c74-2dd4-46e5-af8c-742dd416e5c4" corresp="#e4d5da6b-7036-463b-95da-6b7036e63bd6" type="editorial">Engels siedelte am 20. September 1870 von
                            Manchester nach London über (siehe
                                <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0483680">E. Dupont an Marx,
                            19.9.1870</ref>
                     ).</note>
            </p>
            <p sameAs="MBTextmitEinzug">Die preußische Regierung hat mich seit Jahren mit
                    Mahnbriefen wegen einer Schuld die die
                    Bonner
                    Universität reclamirt, belästigt.
                    Es sind die Stundungsgelder für die Collegien, die ich in Bonn hauptsächlich
                    über elende Theologie hörte. Ich
                    refüsirte zuletzt die Briefe. Aber der Norddeutsche Bund
                    hat nun einen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M4417634">Consul</persName>
                    hier und durch ihn werde ich nun allen Ernstes getreten. Ich nahm keine Notiz
                    von der Sache, indeß hat der General Consul in London für den Bundeskanzler
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">H. v. Bismark</persName> einen hiesigen Solicitor
                    engagiert, von dem ich in der nächsten Woche einer
                    Summons
                    vor den Sheriff zu gewärtigen habe. Die Schuld beträgt nur
                    50 r<ex>eichstaler</ex> – aber es mögen andere <ref xml:id="dd92a7d6-e469-466a-92a7-d6e469266a30" corresp="#ad6062c0-33fd-4144-a062-c033fda1444f" type="editorialNote">Reclame</ref><note xml:id="ad6062c0-33fd-4144-a062-c033fda1444f" corresp="#dd92a7d6-e469-466a-92a7-d6e469266a30" type="editorial">Siehe <ref target="https://www.dwds.de/wb/etymwb/Reklame">„Reklame“</ref>, in: Wolfgang
                            Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993),
                            digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im
                            Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am
                            20.02.2023. </note>
               von
                    Greifswalde nachkommen. Nun wäre es doch abgeschmackt nach
                    22 Jahren
                    „bittern
                    Brodes in der Verbannung“ <pb/> diesen preußischen Hunden noch
                    Geld bezahlen zu müssen. Die Schuld datirt vom Jahre 1844–45. also 26 Jahre.
                    Denkst Du daß ich zahlen muß? Du bist ja
                    ein alter
                    Jurist, was sagen die Gesetze der Verjährung? Wie soll ich
                    mich verhalten, soll ich zahlen oder vor Gericht gehen? Wenn Du mir mit Deinem
                    Rathe beistehen willst, auf den ich Alles halte und nach dem ich zu verfahren
                    entschlossen bin, so schreibe mir sofort, denn die Frage ist eine brennende.
                    Der
                    schwäbische
                    Musikus
                    von hier, den Du im Coupée
                    in Frankreich
                    vorigen Sommer getroffen, hat mir Deinen Gruß getreulich
                    ausgerichtet. Er war amüsirt darüber, daß Du ihn für einen Commis voyageur
                    hieltest. — Uebrigens he ought to be so, not being a musician of note.
                    Hast Du immer noch nicht Lust einmal hierher auf zu kommen? Die Steamers gehen
                    noch immer jede Woche von den London Docks hierher. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007464 1013460">Carl</persName> does a good business in Lille. Mit besten Grüßen an
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008236 http://d-nb.info/gnd/118578510">Frau Marx</persName> und die „Kinder“.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <signed>Dein Imandt. </signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
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