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            <titleStmt>
                <title><idno>646</idno>Otto von Breitschwert an Karl Marx in London. London, Montag,
                    30. Oktober 1871</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
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                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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                    <msIdentifier>
                        <institution> RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark">f. 1 op. 5 d. 2604</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen weißem Papier. Wasserzeichen: „<hi rendition="#mPrint">Towgood's /
                                Extra Super</hi>“. Prägung: &lt;drei Blumen&gt;. Von Breitschwert
                            hat alle vier Seiten vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze
                            Tinte.</p>
                        <p>Archivsignatur des Moskauer Marx-Engels-Instituts (IMĖ) auf der allen
                            beschriebenen Seiten oben links: „Rj 298a–d“ (Bleistift).</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
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                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005768 1003723">Otto von Breitschwert</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                    <date when="1871-10-30"/>
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                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
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    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> Kroll’s Hotel, Amerika Square <lb/>Minories E.<lb/>London,
                        30. Oktober 1871.</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Verehrter Herr Doktor!</salute></opener>
                <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Die Money order über 7 £.
                    welche ich Ihnen hiermit zu übermitteln das Vergnügen habe, bezieht sich
                    zunächst auf das gütige Darlehen von 5 £, welches Sie schon im December 1864,
                    als ich in bedrängter Lage hier lebte, mir freundlichst gewährten.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Die übrigen 2 £ bitte ich in
                    meinem Namen der Kasse der <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">International <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">W<ex>orking</ex></expan>
                        <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">M<ex>en’s</ex></expan>
                        Assoc.</orgName> zu übermitteln.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Und nun gestatten Sie mir,
                    mich wegen meines jähen Verschwindens im Januar 1865 zu entschuldigen.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich war damals von einem
                    Leiden heimgesucht, das zu seiner Heilung geschickter Aerzte und ein günstiges
                    Clima, nebst allen <pb/> sanitätlichen Erleichterungen u. Bequemlichkeiten
                    welche festländische Heilanstalten bieten, bedurfte. Als ich daher unverhofft
                    die Mittel erhielt nach dem Continent abzureisen, zögerte ich keinen Augenblick,
                        <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">u<ex>nd</ex></expan>
                    <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">zw<ex>ar</ex></expan> erstens
                    weil meine Gesundheit keinen weiteren Aufschub gestattete, u. dann, weil eine
                    auch nur kurze Verlängerung des londoner Aufenthalts meine Reisemittel
                    unzuländlich gemacht hätte.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Zwei Tage nach meiner
                    Ankunft in Mannheim wurde ich dort glücklich operirt und im März 1865 konnte ich
                    nach Frankfurt <hi rendition="#sup">a</hi>/M übersiedeln.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich führte dort bis vor
                    Kurzem ein ärmliches Literatenleben, welches mir leider nicht gestattete meine
                    Schuld gegen Sie, verehrter Herr, abzutragen.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ein unverhoffter Auftrag
                    führte mich im Juli <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">d<ex>ieses</ex></expan>
                    <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">J<ex>ahres</ex></expan> nach
                    Amerika, u. nach meiner nunmehr glücklich bewerkstelligten Rückkehr von dort,
                    zögere ich nicht mit Schiller zu sprechen: <ref xml:id="bb6aa588-62db-4d14-aaa5-8862db0d147b" corresp="#aeb47acc-d65c-4018-b47a-ccd65c90188e" type="editorialNote">„S’ist
                            eine heil’ge Schuld – ich will sie
                            zahlen“.</ref><note xml:id="aeb47acc-d65c-4018-b47a-ccd65c90188e" corresp="#bb6aa588-62db-4d14-aaa5-8862db0d147b" type="editorial">„Ist eine
                            heilge Schuld, ich will sie zahlen.“ (Friedrich Schiller: Wilhelm Tell.
                            Vierter Aufzug. Dritte Szene.)</note>
                </p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/> Daß ich die
                    Internationale und ihre Bestrebungen nicht aus den Augen und dem Herzen verloren
                    habe, dafür könnte ich verschiedene Belege anführen. Ich beschränke mich aber
                    darauf zu erwähnen, daß ich 1868 versuchte in Mainz ein socialistisches Blatt
                    unter dem Titel <bibl type="periodika" corresp="">„Die
                        Wohlfahrt“</bibl> herauszugeben, wovon ein paar
                    Probenummern erschienen sind. Die Herrn Bourgeois-Republikaner von Mainz u.
                    Frankfurt (Demokrat. Wahlverein) hatten pekuniäre Unterstützung der Sache
                    zugesagt, ließen mich aber, als ich die Arbeitersache im Sinn der
                    Internationalen vertrat, schmählich im Stiche, so daß ich lange an den
                    pekuniären Folgen des mißlungenen Versuchs zu laboriren hatte.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Im selben Jahre wurde ich
                    mit <hi rendition="#u"><persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0008643 http://d-nb.info/gnd/117078247">Oberwinder</persName></hi>
                    bekannt (der Frankfurt besuchte) und freute mich, vor u. während seiner
                    Verhaftung, im <bibl type="periodika" corresp="">„Frankfurter
                        Beobachter“</bibl> kräftig für ihn u. die Wiener Arbeiter eintreten zu
                    können.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich reise jetzt nach
                    Frankfurt, Wien und Italien, wo ich die Wintermonate verleben möchte, könnte ich
                    in Neapel irgend etwas thun, was Ihnen oder der Internationalen wünschenswerth
                    wäre, so würde es mich freuen. </p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; "><pb/> Noch habe ich eines
                    Umstandes zu erwähnen, von dem ich fürchte, daß er mich bei den Bekannten dem
                    Kreise der Internationalen in ein falsches Licht gebracht hat, weshalb ich die
                    Belegstücke meiner Nichtschuld daheim sorglich aufbewahrt habe. Kurz vor meiner
                    Abreise fand ein Fest der Internationalen statt. Man hatte auch mir Karten für
                    den Ball zur Unterbringung gegeben, ich war jedoch zu unwohl um viel dafür zu
                    thun, u. habe nur 3–4 davon verschenkt, keine einzige aber verkauft. Sämmtliche
                    Karten, außer den erwähnten, sind noch in meinem Besitz u. ich werde dieselben
                    nach meiner Ankunft in Frankfurt wieder an’s Licht ziehen u.
                        Hrn. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005682 1003242">Bolleter</persName> oder <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006462 http://d-nb.info/gnd/122016599">Eccarius</persName> zusenden. Wollen Sie einstweilen gütigst
                    bei diesen Herrn meine Sache in Schutz nehmen.</p>
                <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Für den Fall, daß Sie mit
                    einen General-Pardon für das lange Säumen zu kommen lassen wollen, bitte ich,
                    verehrter Herr Doktor, dies recht bald, durch Billet oder Telegramm thun zu
                    wollen, da ich vielleicht morgen, Mittwoch Abend noch nach dem Continent
                    abreisen muß, (allerspätestens Mittwoch früh.) </p>
                
                <closer sameAs="MBUnterschrift">
                    <salute>Mit herzlicher Theilnahme für Ihre verehrte Familie (ich las das
                        Abenteuer unter der <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009891 http://d-nb.info/gnd/118801937">Thiers</persName>-Republik in
                            <bibl type="periodika" corresp="">Woodhull &amp; Claflings
                            Blatt</bibl>) zeichne ich mit aufrichtiger Hochachtung u. treuer
                        Ergebenheit Ihr</salute>
                    <signed>Otto v. Breitschwert</signed>
                </closer>
            </div>
        </body></text>
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