<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M0001096">
    <teiHeader>
        <fileDesc>
            <titleStmt>
                <title><idno>201</idno>Friedrich Wilhelm Fritzsche an Karl Marx in London. Leipzig,
                    Sonntag, 11. Juli 1869</title>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Gavrilchenko</surname>
                        <forename>Svetlana</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Gioeva</surname>
                        <forename>Tatjana</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
                <respStmt resp="contribution" n="project">
                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
                    </persName>
                    <resp ref="https://credit.niso.org/?s=Writing+%E2%80%93+review+%26+editing">Bearbeitung</resp>
                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark">f.  1 op. 5 d. 2018</idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Der Brief besteht aus einem Bogen dünnem, weißem, leicht vergilbtem,
                            kariertem Papier im Format 446 × 280 mm. Auf allen Seiten scheint der
                            Text der Rückseite durch, was die Lesbarkeit aber nicht sonderlich
                            beeinträchtigt. Fritzsche hat die ersten drei Seiten vollständig, die
                            vierte Seite zur Hälfte beschrieben. Schreibmaterial: schwarze
                            Tinte.</p>
                        <p>Archivsignatur des Moskauer Marx-Engels-Instituts (IMĖ) auf den ersten
                            drei beschriebenen Seiten oben links mit Bleistift: „Rj 135a–d“.</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
                <listWit>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/T7P7CRLH">Erstveröffentlichung: Die
                            I. Internationale in Deutschland (1964). S. 374–376.</bibl>
                    </witness>
                </listWit>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006841 http://d-nb.info/gnd/133290263">Friedrich Wilhelm Fritzsche</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003610 http://www.geonames.org/2879139">Leipzig</placeName>
                    <date when="1869-07-11"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
                </correspAction>
                <note>Zur Datierung: Marx berichtet den Inhalt des Briefes auf der Sitzung des
                    Generalrats de IAA am 13. Juli 1869 (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA I/21</bibl>. S. 674.13–14). So ist zu vermuten, der
                    Brief könnte um den 11. Juli 1869 geschrieben worden sein.</note>
                <note>Marx übersendet den Brief an Engels am 17. Juli 1869
                    (siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0001110">Marx
                        an Engels, 17.7.1869</ref>).</note>
            </correspDesc>
            <textClass>
                <keywords>
                    <term key="M0001907">Arbeiterparteien und -vereine</term>
                    <term key="M0003389">Deutsche Sozialdemokratie</term>
                    <term key="M0002585">Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA, A.I.T.,
                        I.W.M.A.)</term>
                    <term key="M0004106">Gewerkschaften</term>
                </keywords>
            </textClass>
        </profileDesc>
        
    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><salute sameAs="MBAnrede"><pb/> Sehr geehrter Herr!</salute></opener>
                <p sameAs="MBTextohneEinzug"><ref xml:id="c9120d6a-fe43-4431-920d-6afe438431d5" corresp="#ecfaa275-3cbe-4b29-baa2-753cbedb2910" type="editorialNote">Auf
                            Veranlassung <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Liebknechts</persName> wende ich
                            mich an Sie um Sie zu bitten Ihren Einfluß bei den englischen
                            Gewerksgenossenschaften für uns geltend zu
                            machen.</ref><note xml:id="ecfaa275-3cbe-4b29-baa2-753cbedb2910" corresp="#c9120d6a-fe43-4431-920d-6afe438431d5" type="editorial">Siehe
                            Minutes of the General Council, July 13, 1869 (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 674 u. S. 1957, Erl.
                            674. 13-14) und  <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0001088">W.
                                Liebknecht an Karl Marx, 7.7.1869</ref>.</note></p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Seit dem Jahre 1863 haben wir Cigarrenarbeiter einen
                        <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M5348699">Verein</orgName> der im Anfange sich auf Leipzig
                    beschränkte später zu einen nationalen und in der letzten Zeit zu einen
                    internationalen um gestaltet wurde. Die Zwecke des Vereins sind dieselben wie
                    die der englischen <choice>
                        <sic>Trates</sic>
                        <corr cert="high">Trades</corr>
                    </choice> Unions und es hat derselbe allen andern, auch den von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Liebknecht</persName> gegründeten, als Muster gedient. Der
                    Verein zählte im vergangenen Jahre 9861 Mitglieder und zahlte über
                        9000 R<ex>eichs</ex>th<ex>a</ex>l<ex>er</ex> Reiseunterstützungen (zum
                    größten Theil an Arbeitseinsteller) ferner ca 6000 r<ex>eichstaler</ex> directe
                    Unterstützung an Strikende, desgl<ex>eichen</ex> 650 r<ex>eichstaler</ex>
                    Sterbegelder, hat seine eigene <bibl type="periodika" corresp="">Zeitung</bibl>, die, auf je 10 Mitgl<ex>ie</ex>d<ex>er</ex>
                        1 Ex<ex>em</ex>pl<ex>ar</ex> gratis vertheilt wird wodurch es uns gelungen
                    ist die Mehrheit, ja wohl fast alle Mitglieder zu Social Demokraten heran zu
                    bilden und so auf die andern Arbeiter einwirkend einen Verband von
                    Gewerksgenossenschaften zu bilden.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Augenblicklich sind wir aber in eine mißliche <pb/> Lage
                    gerathen. In Leipzig findet eine Arbeitseinstellung von Mitgliedern des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M5348699">Vereins</orgName> statt und obgleich wir wöchentlich
                        1000 r<ex>eichstaler</ex> brauchen um die Strikenden zu unterstützen so sind
                    wir doch im Stande dies auszuhalten um aber zu siegen ist dies ungenügend. Die
                    Leipziger Fabrikanten beschäftigen in verschiedenen kleineren Ortschaften um
                    Leipzig mehr <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">Cigarrenarb<ex>ei</ex>ter</expan> als <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">L<ex>ei</ex>pz<ex>i</ex>g</expan> selbst und so
                    ist es ihnen möglich den nöthigsten Bedarf zu beschaffen. Die Arbeiter in den
                    betreffenden <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">Com<ex>m</ex>anditen</expan> gehören zu uns und sind nur unseres Winkes
                    gewärtig gleichfalls die Arbeit niederzulegen aber hierzu reichen unsere Mittel
                    nicht aus denn schon sieben Wochen hält der Strike an Dr. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">Schweitzer</persName> als Präsident des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003640 http://d-nb.info/gnd/2033776-0">Arbeiterschafts
                        Verbandes</orgName> hätte, wenn auch nicht die
                    statutenmäßige so doch die moralische Verpflichtung gehabt für die glückliche
                    Durchführung des Strike thätig zu sein. Es hätte nur eines zündenten Aufrufes
                    von ihm bedurft und wir hätten wöchent<ex>lich</ex> 1000 r<ex>eichstaler</ex>
                    durch Beiträge anderer Gewerksgenossen erhalten dadurch wären wir stark genug
                    gewesen die <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">Commanditen</expan>
                    der von Strike betroffenen Fabrikanten lahm zu legen und hätten vielleicht gegen
                        3000 r<ex>eichstaler</ex> sparen können. Er hat es nicht gethan und das wird
                    seinen Sturz herbeiführen zumal wenn uns durch Vermittelung der von ihm
                    heim<pb/>lich bekämpften „<orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004811 https://d-nb.info/gnd/503624-0">Internationalen
                        Association</orgName>“ die Hülfe unserer englischen Brüder zu theil wird.
                    Unser Ersuchen geht nun dahin Sie möchten sich im Interesse der <hi rendition="#u">ehrlichen</hi> Social Demokratie in Deutschland bei den
                    Englischen Trates unions dahin verwenden daß uns von denselben eine Summe von
                    3000 Rth. auf eine bestimmte Zeit geliehen werde damit wir mit den gehörigen
                    Nachdruck vorgehen können. Soll es etwas helfen muß die Hülfe schnell kommen
                    damit der Geist der Feiernden ein so guter bleibe wie bisher. Von den
                    460 Strikenden haben in sieben Wochen nur sieben Mann die Arbeit wieder
                    aufgenommen und dies sind Individuen die im Zuchthaus herangebildet worden sind.
                    Von anderen Orten ist auch nicht ein Mann zugereist das ist gewiß ein Zeichen
                    von dem Ernst und der Ehrlichkeit die in den Cigarrenarbeitern wohnt und bürgt
                    somit auch für die pünktliche Rückzahlung. Außerdem besitzen wir, um
                    gemaßregelte Mitglieder dauernt zu unterstützen, eine Genossenschafts Fabrik zu
                    Berlin, die ca 5000 r<ex>eichstaler</ex> Betriebskapital besitzt und somit
                    bietet auch diese Garantie für Erfüllung unserer Verbindlichkeiten.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Nochmals, es würde den internationalen Bestrebungen der
                    Arbeiter nur förderlich sein wenn wir durch Ihre werthe Vermittelung solch eine
                    Anleihe <pb/> machen könnten. Daß Sie den besten Willen haben werden für die
                    Sache thätig zu sein davon bin ich fest überzeugt und so richte ich nur noch die
                    Bitte an Sie, doch ja recht <hi rendition="#uu">schnell</hi> zu thun was in
                    Ihren Kräften steht.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Mit vorzüglicher Hochachtung</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><signed>FWFritzsche<lb/>Präsid. d. Allg. Tabak &amp; Cigarrenarb<ex>ei</ex>ter Vereins</signed>
                    <address><addrLine>d. Z. Leipzig</addrLine><addrLine>Sternwartestraße</addrLine><addrLine>N<hi rendition="#sup">o</hi> 11.</addrLine></address></closer>
                
            </div>
        </body></text>
</TEI>