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                <title><idno>182</idno>Friedrich Engels an Elisabeth Engels in Engelskirchen.
                    Manchester, Donnerstag, 1. Juli 1869</title>
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                        <surname>Gavrilchenko</surname>
                        <forename>Svetlana</forename>
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                        <surname>Gioeva</surname>
                        <forename>Tatjana</forename>
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                        <surname>Lindenberg</surname>
                        <forename>Thomas</forename>
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                    <persName>
                        <surname>Lura</surname>
                        <forename>Caroline</forename>
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                </respStmt>
            </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc rend="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <institution>Standort Orig. nicht bekannt; Kopie: RGASPI</institution>
                        <idno><idno type="shelfmark"> f. 1 op. 1 d. 2470. Fotosign. 852a–b
                            </idno></idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Soweit aus der s/w-Fotokopie zu ersehen ist, besteht der Brief aus einem
                            Bogen unliniertem Papier. Engels hat alle vier Seiten vollständig
                            beschrieben.</p>
                        <p>Heftlochung in der Mitte des Bogens. Die Textverluste durch die Lochung
                            des Papiers konnten rekonstruiert werden.</p>
                        <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite mit
                            Bleistift: „852“.</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
                <listWit>
                    <witness>
                        <bibl type="print" corresp="https://megadigital.bbaw.de/D7JW8T4Y">Erstveröffentlichung:
                            Briefe von Friedr. Engels an Mutter und Geschwister (1921). S.
                            237–239.</bibl>
                    </witness>
                    <witness>
                    </witness>
                </listWit>
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        </fileDesc>
        <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004039 http://www.geonames.org/2643123">Manchester</placeName>
                    <date when="1869-07-01"/>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006533 https://d-nb.info/gnd/189469986">Elisabeth Engels</persName>
                    <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004167 http://www.geonames.org/2930216">Engelskirchen</placeName>
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            <textClass>
                <keywords>
                    <term key="M0002134">Privates - Engels (Familie, Geschäfte, Reisen)</term>
                    <term key="M5289031">Textilindustrie</term>
                </keywords>
            </textClass>
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    </teiHeader>
    <text><body>
            <div type="writingAct">
                <opener><dateline sameAs="MBDatumszeile"><pb/> 86 Mornington St. Stockport
                        Road<lb/>Manchester, 1 Juli 1869.</dateline><salute sameAs="MBAnrede">Liebe
                        Mutter</salute></opener>
                <p sameAs="MBTextohneEinzug"><ref xml:id="b6fcc7fa-7d85-4ba7-bcc7-fa7d85eba7a1" corresp="#de747f7d-b074-4ef4-b47f-7db074fef4cb" type="editorialNote">Heute ist der erste Tag
                            meiner Freiheit</ref><note xml:id="de747f7d-b074-4ef4-b47f-7db074fef4cb" corresp="#b6fcc7fa-7d85-4ba7-bcc7-fa7d85eba7a1" type="editorial">Zum
                            Ausscheiden
                            von Friedrich Engels aus der Firma Ermen und Engels,
                            Manchester siehe die <ref target="https://www.thegazette.co.uk/London/issue/21588/page/2679#sharing-tool">Anzeige</ref> in: The London Gazette. Nr. 21588, 29. August 1869.
                            S. 2679.</note>, &amp; ich kann ihn nicht besser benutzen, als
                    indem ich gleich an Dich schreibe. Gestern endlich bin ich in allen Hauptsachen
                    mit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006575 1030794">G. <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">E<ex>rmen</ex></expan></persName> ins Reine gekommen. Der
                    Contractsentwurf wie sein Advocat ihn entworfen hatte, war der Art, daß ich ihn
                        <hi rendition="#u">so</hi> nie unterschrieben hätte. Ich verpflichtete mich
                    ihm während 5 Jahren keine Concurrenz zu machen, d. h. kein gebleichtes,
                    gefärbtes oder appretirtes Baumwollengarn zu machen oder zu verkaufen. Das war
                    in der Ordnung. Nun aber hatte sein Advocat dies so gesetzt, daß wenn ich diese
                    oder jene Stipulation bräche, ich von vorn herein eine Strafe zahlen sollte, die
                    von £ 100.– bis £ 1000.– für die einzelnen Fälle <del rendition="#s"><unclear reason="illegible" cert="low">xxr</unclear></del> sich steigerte. So daß
                    ich <del rendition="#s">hätte</del> dem G. E. in diesen Geldstrafen <hi rendition="#u">mehr</hi> als die mir gezahlten £ 1750.– hätte zurückzahlen
                    müssen, von den Prozesskosten gar nicht zu sprechen. Mein Advokat rieth mir
                    entschieden, hierauf gar nicht einzugehn, &amp; so strichen wir denn diese ganze
                    Geschichte, beinahe die Hälfte des ganzen Entwurfs, durch. Dann war noch ein
                    Punkt, nämlich wegen Fortführung der Firma <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002994">E.
                        &amp; E.</orgName> durch Gottfried. Mein Advocat sagte
                    mir, daß falls ich ihm dies <hi rendition="#u">ausdrücklich</hi> erlaube, ich im
                    Fall einer Fallite noch als Associé angesehen &amp; haftbar gemacht werden
                    könne. Ich verlangte also, daß meine <hi rendition="#u">ausdrückliche</hi>
                    Einwilligung hierzu ebenfalls auf 5 Jahre beschränkt werde &amp; auch das nur,
                    solange er selbst während dieser Zeit activer Associé im Geschäft sei.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Mein <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006575 1030794">Gottfr.</persName>, der im
                    Anfang sehr eilig mit den <pb/> Verhandlungen war, zog die Sache bald sehr in
                    die Länge, &amp; ließ sogar den Entwurf einmal 3 Wochen zu Hause liegen, ohne
                    etwas davon zu sagen, sodaß ich den 2<hi rendition="#sup">ten</hi>
                    Contractsentwurf (der zwischen G. E., <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006572 1008445">Anton
                        E.</persName> &amp; mir ist &amp; die Auseinandersetzung bei meinem Austritt
                    regelt) erst vor c<hi rendition="#sup">a</hi> 3 Wochen bekam, &amp; <subst>
                        <del rendition="#s">mit den</del>
                        <add place="intralinear">wegen der</add>
                    </subst> üblichen Advocatenformalitäten erst for 8 Tagen anfangen konnte zu
                    verhandeln. Dazu schien <del rendition="#s">mir</del> G. E. in den letzten Tagen
                    mir viel aus dem Wege zu gehen, als wollte er die Sache verschleppen bis ich aus
                    dem Geschäft heraus <supplied cert="high">sei</supplied>, wo er dann leichter
                    mit mir fertig zu werden hoffen durfte. Erst gestern Morgen kamen wir zur
                    Verhandlung, &amp; da gab G. <hi rendition="#u">in allen Punkten</hi> nach,
                    wogegen ich ihm nachgab, während der 5 Jahre auch kein Baumwollen Garn <hi rendition="#u">unter
                            N<hi rendition="#sup">o</hi> 40<hi rendition="#sup">r</hi></hi> spinnen &amp; doubliren zu wollen; der <hi rendition="#u">Handel</hi> mit solchem Garn blieb mir aber freigestellt,
                    solange es im <hi rendition="#u">rohen</hi> Zustand ist. Diese Conzession hat
                    für mich keinerlei praktische Bedeutung &amp; ich that ihm daher den
                    Gefallen.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Hiermit ist nun die Sache bis auf wenige juristische
                    Formfragen erledigt &amp; ich denke in 3 Wochen <hi rendition="#u">kann</hi>
                    Alles abgemacht sein, bin aber darauf gefaßt, daß es bis in den August dauert,
                    da die Bilanz erst fertig sein muss &amp; die Advokaten immer Alles so
                    schrecklich verschleppen.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Gestern Nachmittag ging ich mit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006575 1030794">Gottfr<ex>ied</ex></persName> in die Fabrik &amp; sah mir das Lager
                    &amp; die Aufnahme an, nachher gingen wir nach seinem Hause, wo er mir eine
                    Flasche sehr schönen <ref xml:id="d7bf8295-7f2c-4195-bf82-957f2c919500" corresp="#d5be8e5c-efc5-4473-be8e-5cefc5f473c6" type="editorialNote">Scharzhofberger</ref><note xml:id="d5be8e5c-efc5-4473-be8e-5cefc5f473c6" corresp="#d7bf8295-7f2c-4195-bf82-957f2c919500" type="editorial">Der Scharzhofberg ist eine Weinbaulage an der
                            Saar.</note> vorsetzte. Er ist so froh wie ich daß er mit der
                    Sache fertig &amp; jetzt ganz alleiniger Herr im Geschäft ist, &amp; daß er
                    keinen Krakehl mit mir <pb/> bekommt, denn 1) hätte ich mich mit meinen Brüdern
                    associirt so hätten wir, wie mein Advocat sagt, <hi rendition="#u">auch
                        hier</hi> die Firma <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002994">E. &amp; E.</orgName> führen
                    können während wir es ihm verbieten konnten, 2) hat er überhaupt vor Concurrenz
                    grosse Angst, &amp; 3) stellt sich jetzt heraus daß er mich noch auf einige Zeit
                    sehr nöthig hat, wenn nicht arge Böcke im Geschäft vorkommen sollen, weswegen er
                    mich auch eingeladen hat, so oft aufs Comptoir zu kommen wie ich wolle &amp;
                    mich gebeten, den Leuten hie &amp; da Auskunft zu geben was ich natürlich
                    zusagte. Er hat einen jungen Stuttgarter als Correspondenten engagirt, der aber
                    erst 3 Wochen dort &amp; natürlich noch sehr grün ist. Er wird Last genug
                    haben.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Mit <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009205 1023852">Charles</persName>
                    ist <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006575 1030794">G.</persName> auch noch nicht fertig, seine
                    Kündigungsfrist läuft in 8 Tagen ab, ich bin begierig, ob sie sich einigen.
                    Charles hatte von ihm vor 5 Jahren die Procura versprochen erhalten, sie aber
                    nie bekommen, &amp; verlangt nun £ 1000.– Entschädigung dafür, die ihm G. aber
                    nie geben wird.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Den <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006572 1008445">Anton</persName> scheint er
                    auch nicht als Associé behalten zu wollen. Wenigstens löst der 2<hi rendition="#sup">te</hi> Contractsentwurf die Association mit ihm ganz in
                    derselben Weise auf, wie mit mir &amp; <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006575 1030794">G.</persName>
                    würde sich diese Mühe nicht geben, wenn er es nicht wirklich so vorhätte. G. hat
                    einerseits eingesehn, daß A. im praktischen Geschäft, dh. zum Geldverdienen,
                    absolut nichts werth ist, &amp; andrerseits zieht Anton fortwährend so viel Geld
                    hinter G.’s Rücken &amp; schickt es an seine <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006577 1008448">Julie</persName>, daß dem G. doch bange ist, er möge einmal anfangen Geld
                    direct aus der Bank zu ziehn, solange er – Anton – das Recht der Unterschrift
                    hat. Als Anton eintrat, schoss ihm G. £ 500.– vor die Antons Kapital
                    repräsentirten, aber <pb/> Monsieur Anton, der jährlich £ 250.– aus seinem
                    Nutzen stehn lassen sollte, hat dies nicht nur nicht gethan sondern auch die
                    £ 500.– längst vermöbelt.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Meine neue
                    Freiheit
                    sagt mir ungeheuer zu. Ich bin seit gestern ein ganz andrer Kerl, &amp; zehn
                    Jahre Jünger. Statt in die düstre Stadt, ging ich heute Morgen bei dem
                    wunderschönen Wetter ein paar Stunden in die Felder, &amp; an meinen
                    Schreibtisch, in einem comfort<supplied cert="high">abel</supplied>
                    eingerichteten Zimmer, wo man die Fenster öffnen kann ohne daß der Rauch überall
                    schwarze Flecken macht, mit Blumen im Fenster &amp; ein paar Bäumen vor dem
                    Hause, arbeitet sich ganz anders als in meinem düstern Zimmer im Warenhouse mit
                    der Aussicht auf einen Wirthshaushof. Ich wohne zehn Minuten weit vom <ref xml:id="f63e0277-64aa-4bbb-be02-7764aaebbb4b" corresp="#c01fda2e-9c7c-4f3c-9fda-2e9c7c3f3c95" type="editorialNote">Club</ref><note xml:id="c01fda2e-9c7c-4f3c-9fda-2e9c7c3f3c95" corresp="#f63e0277-64aa-4bbb-be02-7764aaebbb4b" type="editorial"><orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004814">Albert
                            Club</orgName>?</note>, grade weit genug, aus dem deutschen &amp;
                    gewöhnlichen Chambregarnisten <del rendition="#s"><unclear reason="illegible" cert="high">xxt</unclear></del> viertel, um sicher zu sein daß ich nicht
                    überlaufen werde. Abends 5 oder 6 Uhr esse ich zu Hause, die Küche ist recht
                    gut, &amp; gehe dann meistens ein paar Stunden in den Club Zeitungen lesen usw.
                    Dies Alles kann ich aber erst ordentlich einrichten wenn ich nicht mehr wegen
                    der Bilanz pp nach der Stadt zu lau<supplied cert="high">fen</supplied>
                    habe.</p>
                <p sameAs="MBTextmitEinzug">Nun aber Adieu, liebe Mutter, grüße Alle recht herzlich,
                    &amp; wenn Ihr Reisepläne habt, so theilt sie mir mit, damit ich mich wo möglich
                    danach richten kann; wie ich jetzt noch stehe, dürft Ihr auf mich keine
                    Rücksicht nehmen.</p>
                <closer sameAs="MBUnterschrift"><signed>Von Herzen Dein Sohn<lb/>Friedrich</signed> </closer>
            </div>
        </body></text>
</TEI>