<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M0000816">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>319</idno>Wilhelm Eichhoff an Karl Marx in London. Berlin, Samstag, 31.
                    Oktober, und Sonntag, 1. November 1868</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
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            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">D 1220/D II 111 Fotosign.
                            10195a–h</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Der Brief besteht aus zwei Bogen mittelstarkem, weißem Papier im Format
                            450 × 285 mm. Alle acht Seiten hat Eichhoff vollständig beschrieben. Auf
                            dem zweiten Bogen mit dem Schreiben vom 1. November scheint der Text der
                            Rückseite durch, was die Lesbarkeit etwas erschwert. Schreibmaterial:
                            schwarze Tinte.</p>
                  <p>Von unbekannter Hand: Nummerierung des Briefes auf der ersten Seite oben
                            rechts „36“.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2325</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006480 http://d-nb.info/gnd/11641684X">Wilhelm Eichhoff</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002487 http://www.geonames.org/2950159">Berlin</placeName>
               <date when="1868-11-01"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <correspContext>
               <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M0004983"/>
            </correspContext>
            <note>
               <p>Eichhoff beantwortet einen nicht überlieferten Brief von Marx, geschrieben
                        vor dem 31. Oktober 1868 (<ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0004983">Marx an W. Eichhoff, vor
                            31.10.1868</ref>). Siehe
                        „Freundlichen
                        Dank für Ihre Benachrichtigung und Bereitwilligkeit meine Vertheidigung zu
                        übernehmen …“.</p>
            </note>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0003714">Preußen</term>
               <term key="M0002585">Internationale Arbeiter-Assoziation (IAA, A.I.T.,
                        I.W.M.A.)</term>
               <term key="M0001907">Arbeiterparteien und -vereine</term>
               <term key="M0002306">Zeitungen der IAA</term>
               <term key="M0002035">Lektüren im Korrespondentenkreis</term>
               <term key="M0003389">Deutsche Sozialdemokratie</term>
               <term key="M0003380">Genossenschaften</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingAct">
            <opener>
               <dateline sameAs="MBDatumszeile">
                  <pb/> Friedrich Strasse 79.<lb/>Berlin, 31.
                        October 1868.</dateline>
               <salute sameAs="MBAnrede">Lieber Marx,</salute>
            </opener>
            <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Freundlichen
                    Dank für <ref xml:id="bb508f14-b864-4f59-908f-14b864bf5926" corresp="#e2538447-9b53-4e94-9384-479b536e94f0" type="editorialNote">Ihre Benachrichtigung</ref><note xml:id="e2538447-9b53-4e94-9384-479b536e94f0" corresp="#bb508f14-b864-4f59-908f-14b864bf5926" type="editorial">Nicht überlieferter Brief, <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0004983">Marx an Eichhoff, vor dem 31.10.1868</ref>.</note> und
                    Bereitwilligkeit meine Vertheidigung zu übernehmen gegen – – –
                    ? Über das Wen habe ich allerdings meine bestimmte Muthmaßung
                    im Bereich der höheren Socialdemokratie.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">
               <ref xml:id="ca7b440c-c89e-45a8-bb44-0cc89ec5a8ad" corresp="#aa9f3779-328a-427f-9f37-79328a127f69" type="editorialNote">Was nun 1., meinen Compromiß mit der preußischen Regierung resp.
                            Polizei betrifft</ref><note xml:id="aa9f3779-328a-427f-9f37-79328a127f69" corresp="#ca7b440c-c89e-45a8-bb44-0cc89ec5a8ad" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000574">S.
                                L. Borkheim an Marx, 15.3. 1868</ref>, <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000643">21.5.1868</ref>
                            und
                            Marx
                            an Engels, 16.5. 1868 und
                    Erläuterungen.</note>, so beruht dieser Vorwurf offenbar auf der
                    Thatsache, daß ich nach meiner Rückkehr nach Berlin 5 oder 6 mal in einem
                    hiesigen renommirten Bierlokal Skat gespielt habe, den Point à 1 Pfennig, mit
                    einem interimistisch bei der
                    Fremdenabtheilung
                    des hiesigen Polizeipräsidiums angestellten
                    Regierungsassessor,
                    (einem alten Universitätsbekannten von mir,) und
                    zwei
                    Polizeilieutenants, darunter mein damaliger
                    Revierpolizeilieutenant. In Folge und im Verlauf dieser
                    Skatverschwörung wurde mir eines Nachts <hi rendition="#u">nach</hi> Zwölfe die
                    erfreuliche Mittheilung <supplied cert="high">gemacht</supplied> (unter dem
                    Siegel der Verschwiegenheit, weshalb ich auch Sie um Discretion ersuche,) es sei
                    vom Polizei-Präsidium die Observation meiner Person, meines Thuns und Treibens
                    anbefohlen <hi rendition="#u">gewesen</hi>, indessen in Folge der Berichte
                    meines Revierpolizeilieutenants eingestellt worden. Letzterer nämlich hatte sich
                    durch den persönlichen Skatumgang mit mir davon überzeugt, daß ich den alten
                    Sauerteig durchaus nicht wieder aufzurühren beabsichtigte, hatte sich <hi rendition="#u">ohne</hi> mein Zuthun, <hi rendition="#u">ohne</hi> mein
                    Wissen, <hi rendition="#u">ohne</hi> meine Autorisation für mein Wohlverhalten
                    verbürgt, und ich habe es allerdings diesem Umstande zu danken, daß ich seitdem
                    gänzlich unbelästigt und unbehelligt geblieben bin. Der Assessor ist seitdem
                    nach Holstein, der Lieutenant nach Hannover versetzt, den anderen Lieutenant
                    sehe ich nicht mehr, und damit hat meine <hi rendition="#u">einzige</hi>
               <pb/> Beziehung zur preußischen Regierung resp. Polizei ihr definitives Ende
                    erreicht. Was nun die dort verhandelten Compromisse betrifft, so beschränkten
                    sich diese auf den unumgänglich nothwendigen Compromiß zwischen
                    Schellen
                    – Roth – Grün und Eicheln etc.: andere Compromisse zwischen
                    der preußischen Polizei und mir sind nie abgeschlossen oder verhandelt
                    worden.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Was 2., den Ihnen
                    übersandten Auszug aus meiner Rede bei <ref xml:id="ac6b50cc-33cf-4bdf-ab50-cc33cffbdfe4" corresp="#db80130d-98dd-4278-8013-0d98ddb2783a" type="editorialNote">Stiftung des
                                <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004633">Demokr. Arb. Vereins</orgName>
                  </ref><note xml:id="db80130d-98dd-4278-8013-0d98ddb2783a" corresp="#ac6b50cc-33cf-4bdf-ab50-cc33cffbdfe4" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000769">W.
                                Eichhoff an Marx, 2.10.1868</ref> sowie <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/AE939SQE">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> I/21</bibl>. S. 2185. </note>
                    betrifft, so vermuthe ich, daß dieser Auszug derjenige <hi rendition="#u">Tendenzbericht</hi> ist, welcher von dem reporter der <bibl type="periodika" corresp="">„Kreuzzeitung“</bibl> und <bibl type="periodika" corresp="">„Norddeutschen Allgemeinen
                        Zeitung“</bibl>,
                    Herrn
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011559 1018408">Matthias</persName>,
                    angefertigt, von beiden Zeitungen indeß nicht abgedruckt worden ist, und
                    wahrscheinlich seinen Weg ins Lager des <bibl type="periodika" corresp="">„Socialdemokrat“</bibl> gefunden hat, und aus diesem an den Generalrath in
                    Form einer Denunciation gelangt ist. Über die Mittheilungen dieses Berichts kann
                    ich mich nicht eher erklären, ehe sie mir nicht mitgetheilt worden sind; ich
                    weiß nur von der Existenz dieses Berichts, ohne seinen Inhalt zu kennen. <ref xml:id="d81ee3db-42b1-4675-9ee3-db42b1f6753d" corresp="#d2cae070-eaef-4cbf-8ae0-70eaefacbf2b" type="editorialNote">Ebenso wenig darf ich für den Bericht des <bibl type="periodika" corresp="">„Demokratischen
                                Wochenblatts“</bibl> verantwortlich gemacht werden</ref><note xml:id="d2cae070-eaef-4cbf-8ae0-70eaefacbf2b" corresp="#d81ee3db-42b1-4675-9ee3-db42b1f6753d" type="editorial">Aus Berlin schreibt man uns: „In der ersten
                            Sitzung (am 15. Oktober) ‚demokratischen Arbeitervereins zu Berlin‘ gab
                            Wilh. Eichhoff …“ In: Demoktatisches Wochenblatt. Leipzig. Nr. 43, 24.
                            Oktober 1868. S. 339, Sp. 2, 340, Sp. 1/2. Siehe auch <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000798">Engels
                                an Marx, 22.10.1868</ref>. </note>;
                    derselbe ist
                    ein
                    einfacher Abdruck des vom Berichterstatter der <bibl type="periodika" corresp="">„Zukunft“</bibl>
               <hi rendition="#u">ohne mein Zuthun</hi> verfaßten Berichts; ich habe nicht
                    gewußt, daß <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Liebknecht</persName> solchen Detailbericht
                    bringen würde, sonst hätte ich die „Zukunft“ corrigirt und ihm den redigirten
                    Bericht eingesandt. Ich kann daher weder den in Ihren Händen befindlichen
                    Bericht, noch den Bericht der „Zukunft“ und des „Demokratischen Wochenblatts“
                    anerkennen, schon aus dem Grunde, weil dieser Bericht, den ich kenne, die
                    Pointe, um die es sich gehandelt hat, <hi rendition="#u">nicht</hi> verstanden,
                        <hi rendition="#u">nicht</hi> erfaßt und an Stelle eines Gedankens
                    zusammenhangslose Worte wiedergegeben hat.</p>
            
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich befinde mich nämlich in
                    der angenehmen Lage, daß ich von meiner Rede selbst nicht ein Wort
                    zurückzunehmen oder hinzuzufügen <pb/> habe, schon aus dem Grunde, weil es sich
                    gar nicht um <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> und den <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">Kön<ex>iglichen</ex>
               </expan>
               <expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">Pr<ex>eußischen</ex>
               </expan>
                    Socialismus gehandelt hat; letzterer ist ganz aus dem Spiel geblieben, und das
                    Recht, den Herrn von Bismark en passant erwähnen zu dürfen, wird mir wohl
                    höchstens diejenige höhere Socialdemokratie bestreiten, welche mit Bismark
                    kokettirt hat und schnöde zurückgewiesen worden ist. Es ist mir zwar nicht
                    möglich, heute meine damaligen Worte zu reproduciren: der Sinn und Zusammenhang
                    aber war folgender. </p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Es handelte sich um die
                    Bornirtheit der Partei <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009498 http://d-nb.info/gnd/118762575">Schulze-<expan resp="editor" sameAs="dottet_underline">Del<ex>itzsch</ex>
                  </expan>
               </persName>,
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006427 http://d-nb.info/gnd/116251670">Franz Duncker</persName>, <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004751 http://d-nb.info/gnd/116905549">Max Hirsch</persName>. Ich citirte aus einem Bericht der <bibl type="periodika" corresp="">„Zukunft“</bibl> Einiges aus den
                    Verhandlungen des „social science congress“, und gab im Gegensatz dazu Excerpte
                    aus den Leitartikeln der <bibl type="periodika" corresp="">„Volkszeitung“</bibl> zum besten, in welchen sie gegen die Nürnberger
                    Beschlüsse die Apostelgeschichte (<persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002455 https://d-nb.info/gnd/1147225486">Ananias</persName>
                    &amp; <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002870">Sapphira</persName>) ins Gefecht führt, die
                    Arbeiter vor dem in Nürnberg adoptirten Programm warnt und väterlich ermahnt,
                    sich auf <lb/>
               <hi rendition="#c">„erreichbare Forderungen“</hi>
            </p>
            <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">(also auf Vorschuß-,
                    Kranken- Versicherungskassen etc.) zu beschränken. Gegen diese Theorie der
                    „erreichbaren Forderungen“ waren meine Ausführungen gerichtet, und nachdem ich
                    sie zur Genüge lächerlich gemacht hatte, schloß ich mit folgender Betrachtung,
                    welche das in Rede stehende Mißverständniß verursacht hat:</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Während <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009498 http://d-nb.info/gnd/118762575">Schulze-Delitzsch</persName> und Consorten den Arbeitern
                    genau die Gränze des Erreichbaren fixiren, über welche Linie hinaus die
                    Bestrebungen der Arbeiter als Thorheit und Wahnsinn zu betrachten seien,
                    verhalte sich die Regierung passiv, offenbar aus Rathlosigkeit und
                    Unentschlossenheit, was zu thun sei. Inzwischen aber nähmen die Ereignisse
                    unbekümmert um die Regierung und Schulze-Delitzsch ihren Fortgang, und würden
                    sich bald naturgemäß dahin entwickeln, daß die Regierung Stellung zu nehmen
                    gezwungen sein würde. Diese könne doppelter Art sein: arbeiterfeindlich oder
                    arbeiter<pb/>freundlich. Im ersteren Falle würde die Regierung den Versuch
                    machen, die sociale Bewegung mit Gewalt zu unterdrücken, da indeß anzunehmen
                    sei, daß auch die Regierung aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt habe,
                    sei nicht zu erwarten, daß die alte Hetzjagd der 50<hi rendition="#sup">er</hi>
                    Jahre von Neuem losgehen würde. Somit bleibe der Regierung nur übrig, die
                    Arbeiter durch freundliches Entgegenkommen zu ködern. Da frage sich nun, ob der
                    Köder darin bestehen solle, daß die Regierung den Arbeitern die „erreichbaren
                    Forderungen“ des Herrn Schulze auf dem Präsentirteller darreichen, und damit die
                    Arbeiter abspeisen solle. Es sei kein Zweifel, daß Herr Schulze sich so etwas
                    alles Ernstes einbilde, und vielleicht aus diesem Grunde gehe er über die Gränze
                    dessen, was er von der Regierung für acceptabel halte, nicht hinaus. Doch gehöre
                    dazu die Voraussetzung, daß sich Herr von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> von Schulze-Delitzsch ins Schlepptau nehmen lassen
                    wolle, und unter den obwaltenden Verhältnissen diese Voraussetzung für möglich
                    zu halten, dazu müsse man so verblendet sein, wie Schulze-Delitzsch selbst.
                    Grade Schulze mache es der Regierung möglich, ihn durch einen einzigen
                    Theatercoup
                    zu überbieten, und wenn dieser coup bevorstehen sollte, müsse im Voraus darauf
                    hingearbeitet werden, daß die Arbeiter an der dann zu Tage tretenden Bornirtheit
                    ihrer Führer nicht irre würden, daß sie im Gegensatz zu deren kläglichen Haltung
                    dastünden als geschlossene Phalanx mit ihren nach Ansicht von Schulze-Delitzsch
                    „unerreichbaren“ Forderungen. <ref xml:id="b4cc7f85-1763-48e4-8c7f-85176388e479" corresp="#d989d6e3-8a9f-42a8-89d6-e38a9fb2a87c" type="editorialNote">Zu diesem Zweck habe man
                            in Nürnberg ein Programm von <hi rendition="#u">großer</hi>
                            politisch-socialer Tragweite angenommen</ref><note xml:id="d989d6e3-8a9f-42a8-89d6-e38a9fb2a87c" corresp="#b4cc7f85-1763-48e4-8c7f-85176388e479" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000722">Erl.
                                zu Marx an Engels, 29.8.1868</ref>.</note>,
                    welches eben verhindere, daß die Arbeiter jemals ein Spielball in den Händen der
                    jeweiligen Machthaber, gleichviel ob Bismark, ob Schulze-Delitzsch, würden; es
                    sei nur nöthig, daß die Arbeiter sich um dies Banner schaarten, daher zum Schluß
                    der alten Mahnruf:
                    „Arbeiter
                    aller Länder, vereinigt Euch!“ </p>
         </div>
         <div type="writingAct">
            <dateline sameAs="MBDatumszeile">
               <pb/>
                    cont. 1. November 1868.</dateline>
            <p rend="MBTextOhneEinzug" style="text-align: justify; ">Dies der
                    inkriminirte
                    Hergang. Es bleibt mir noch übrig, zu erklären, wie dieser 5 Minuten lange
                    Passus einer ¾ stündigen Rede überhaupt zu der Ehre gekommen
                    ist, in dem
                    Bericht der <bibl type="periodika" corresp="">„Zukunft“</bibl> und des
                        <bibl type="periodika" corresp="">„Demokr. Wochenblatts“</bibl>
                    besonders hervorgehoben zu werden.</p>
            
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Es ist dies die Folge einer
                    wohlwollenden, fürsorglichen Bemerkung von meinem Freunde <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004250 http://d-nb.info/gnd/117290076">Guido</persName> (nicht Adolf) <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004250 http://d-nb.info/gnd/117290076">Weiss</persName>, Redacteur der <bibl type="periodika" corresp="">„Zukunft“</bibl> . Er hielt für nöthig, um einem <hi rendition="#u">möglichen</hi> Mißverständniß vorzubeugen, zu constatiren, daß ich
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> kein Vertrauenssvotum habe
                    ertheilen wollen, (was <hi rendition="#u">mir</hi> nämlich auch gar nicht
                    eingefallen war,) und fügte die Bemerkung hinzu, die mich und meinen Vortrag
                    zwar nichts anging, aber doch zur Folge hatte, daß die schnodderige
                    „Schlepptau“-Bemerkung in die Zeitung kam, wenn <hi rendition="#u">er</hi> zu
                    wählen hätte zwischen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009498 http://d-nb.info/gnd/118762575">Schulze</persName> und Bismark,
                    so sei <hi rendition="#u">ihm</hi> Schulze lieber. (Ob als Mensch oder als
                    Politiker, sagte er zwar nicht, jedenfalls aber meinte er den Politiker, denn
                    den versoffenen Sittlichkeitsapostel, den
                        Dr. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002931 http://d-nb.info/gnd/11671073X">Henneberg</persName> in Gotha noch neulich als den „edelsten“
                    Menschen pries, überhaupt zu toleriren, ist eine jedenfalls starke
                    Zumuthung.)</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Genug: mir war es in dieser
                    ersten Sitzung des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004633">Demokr. Arbeiter Vereins</orgName>
                    nur um die Stellung des Vereins gegenüber <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009498 http://d-nb.info/gnd/118762575">Schulze-Delitzsch</persName> zu thun. Veranlaßt hierzu wurde ich durch den
                    Umstand, daß von den Gründern des Vereins Tischler <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M5147957">Jäger</persName>
                    Vorstandsmitglied eines Schulze’schen Consumvereins, und Buchhändler <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007549 http://d-nb.info/gnd/1037556534">Alex. Jonas</persName> manager der Schulze’schen
                    „Friedrichstädtischen Volksbank“ ist. Deshalb hielt ich es für nothwendig, zu
                    allererst nach dieser Rictung hin die Stellung des Vereins zu präcisiren. Dies
                    ist geschehen, und die Regierung und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName>
                    führte ich, wie Sie aus meinem gestrigen Schreiben ersehen haben werden, genau
                    in derselben Weise ins Gefecht, wie der Verfasser des Aufsatzes: „Das Verhältniß
                    der Capital- und Junkerpartei zu den Arbeitern“ im gestrigen, mir so eben zu
                    Gesicht gekommenen <bibl type="periodika" corresp="">Demokr.
                        Wochenblatt</bibl> dies thut, d. h. nur im Gegensatz zur Stupidität der
                    Bourgeoispartei und des „edlen“ Schulze-Delitzsch. </p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">
               <pb/> Viel wichtiger, als
                    mich gegen <hi rendition="#u">diese</hi> lächerliche Anklage zu verantworten,
                    ist mir nun aber die Frage, Wer mein Denunciant ist.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">
               <ref xml:id="bba2b60f-cb96-4a11-a2b6-0fcb96aa1161" corresp="#d0159fb5-cd7c-4401-959f-b5cd7cf40134" type="editorialNote">Ich halte dieser Denunciation nur vier Personen fähig</ref><note xml:id="d0159fb5-cd7c-4401-959f-b5cd7cf40134" corresp="#bba2b60f-cb96-4a11-a2b6-0fcb96aa1161" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000819">Marx
                                an Engels vom 4.11.1868</ref> und Erl.
                        </note>: Herrn von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">Schweitzer</persName>,
                    oder dessen Berliner „<persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009926  http://d-nb.info/gnd/118623079">Tölcke“</persName> Herrn
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006841 http://d-nb.info/gnd/133290263">Fritzsche</persName>, oder die Herren <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003596 http://d-nb.info/gnd/133292800">Hasselmann</persName> und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001948">Armborst</persName>, dessen Werkzeuge.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich bin ferner der Ansicht,
                    daß die Denunciation nicht in Folge der inkriminirten Rede, sondern in Folge
                    eines Vorganges in der zweiten Sitzung des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004633">Demokr. Arb.
                        Vereins</orgName>,
                    über welchen
                    das gestrige <bibl type="periodika" corresp="">Demokr. Wochenblatt</bibl>
                    in (meiner) Berliner Correspondenz berichtet, also nach dem
                    19. October, entstanden ist.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Daß, gleichviel Wer der
                    nominelle Verfasser, Herr von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">Schweitzer</persName> der
                    eigentliche Urheber ist.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Daß aus Rache wegen meiner
                    Opposition gegen ihn und den <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003640 http://d-nb.info/gnd/2033776-0">Allg. deutschen
                        Arbeiter-Verein</orgName> und bloß in der Absicht mich auf irgend eine Weise
                    unschädlich zu machen, der Denunciant sich dazu hat hergeben müssen, eine
                    absichtliche Täuschung des Generalraths durch eine wissentlich falsche
                    Denunciation zu versuchen.</p>
            <p>Denn: 1., sind von dieser
                    Koterie
                    die Herren <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003596 http://d-nb.info/gnd/133292800">Hasselmann</persName> und <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001948">Armborst</persName> in der Eröffnungssitzung des Demokr. Arb.
                    Vereins persönlich anwesend gewesen und haben den inkriminirten Passus meiner
                    Rede mit angehört.</p>
            <p>2., von den anwesenden reporters hat, weil die Zeitungen über Vereinssitzungen
                    nur kurze Referate bringen, bloß <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0011559 1018408">Matthias</persName>,
                    reporter der <bibl type="periodika" corresp="">Norddeutschen Allg.</bibl>
                    und der <bibl type="periodika" corresp="">Kreuzzeitung</bibl>, sich die
                    Mühe genommen, nachzuschreiben und ein ausführliches Referat zusammenzustellen.
                    Die „Kreuzzeitung“ wies sein Referat mit der Zuschauer-Bemerkung an alle ihre
                    reporters, sie mit derartigen Referaten zu verschonen, zurück, und die
                    Norddeutsche unterdrückte das Referat meiner Rede durch die sehr richtige
                    Bemerkung, dieselbe habe nichts Neues enthalten. Das dem Generalrath übersandte
                    <pb/> Referat kann daher nur das von Matthias verfaßte, auf den Ankauf durch die
                    Norddeutsche und Kreuzzeitung berechnet gewesene, aber wahrscheinlich vom <bibl type="periodika" corresp="">„Socialdemokrat“</bibl> angekaufte sein.
                    Wenn dies der Fall, so hat</p>
            <p>3., der Einsender den Generalrath dadurch, daß er den Ursprung dieses Referats
                    verschwiegen hat, in eine absichtliche Täuschung über den Charakter und die
                    Tendenz meiner Rede versetzen wollen, welche versuchte Täuschung</p>
            <p>4., mir gegenüber den Charakter einer wissentlich falschen Denunciation annimmt,
                    da der Denunciant durch <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0003596 http://d-nb.info/gnd/133292800">Hasselmann</persName> und
                        <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001948">Armborst</persName> von dem eigentlichen
                    Sachverhältniß unterrichtet sein mußte. Wozu</p>
            <p>5., hinzukommt, daß der angebliche Compromiß zwischen der Preuß. Regierung oder
                    Polizei und mir bloße Erfindung ist und der Denunciant für diese Behauptung
                    nicht einmal den Schatten eines Beweises beibringen kann.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Aus diesen Gründen ersuche
                    ich den Generalrath, sich bei dieser Denunciation und meiner Antwort nicht zu
                    beruhigen, sondern die Sache weiter zu untersuchen, und vor Allem den
                    Denuncianten um genauere Daten und um Beweismaterial zu ersuchen.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Andererseits bin ich, wenn
                    der Generalrath die persönlichen (nicht sachlichen) Gründe zu hören wünscht, aus
                    denen ich in der zweiten Sitzung des <orgName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004633">Demokr. Arb.
                        Vereins</orgName> gegen <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">Schweitzer</persName>
                    aufgetreten bin, um von vornherein <hi rendition="#u">jede</hi> Amalgamation,
                        <hi rendition="#u">jede</hi> Beziehung zwischen ihm und uns zu
                    hintertreiben, gern erbötig, Einzelheiten, die in Berlin von Mund zu Munde
                    circuliren, dem Generalrath mitzutheilen, jedoch nur unter der Bedingung, daß
                    ich für diese scandalosa, die ich
                    bona
                    fide weiter erzählen würde, und von deren Wahrheit ich
                    allerdings selbst überzeugt bin, nicht verantwortlich gemacht werde, da es
                    unmöglich ist, in Fällen dieser Art die Gränze zwischen Wahrheit und
                    Übertreibung <pb/> zu ziehen und ohne auffällige Nachforschung sich innerhalb
                    des Bereiches der beweisfähigen Thatsachen zu halten. Ich habe deshalb eine
                    frühere Aufforderung, dem Generalrath über die Fortschritte des Allg. Deutschen
                    Arbeiter-Vereins zu berichten, bisher absichtlich unbeantwortet gelassen, und
                    nur durch die That <hi rendition="#u">meine</hi> Ansicht documentirt: denn so,
                    wie die Verhältnisse liegen, ist der Allg. Deutsche Arbeiter-Verein – Herr von
                    Schweitzer, und dieser – <hi rendition="#u">unter</hi> der Kritik.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Ich wenigstens bin davon
                    überzeugt, daß wenn Herrn <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">von Schweitzer</persName>
                    sein Coup mit den Arbeiterschaften mißlingt, und meiner Ansicht nach ist der
                    Versuch bereits gescheitert, der ganze Schwindel über kurz oder lang
                    zusammenbricht und hierdurch der Arbeitersache ein Schlag bevorsteht, der von
                    den Organen der Reaction und Bourgeoisie auf das Kräftigste ausgebeutet werden
                    wird, wenn nicht bei Zeiten vorgebeugt und Herr von Schweitzer und seine
                    Anhängerschaft isolirt wird. Lieber auf alle Vortheile, die sie bieten können,
                    verzichten, als sich mit dieser Bande amalgamiren, lieber auf den gesammten
                    Allgemeinen Deutschen Arbeiter Verein nicht reflectiren, als Herrn von
                    Schweitzer mit in den Kauf nehmen.</p>
            <p rend="MBTextMitEinzug" style="text-align: justify; ">Dies ist indessen meine
                    persönliche Ansicht, die ich nur aus dem Grunde rückhaltlos ausspreche, weil ich
                    in Herrn <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009513 http://d-nb.info/gnd/118760092">von Schweitzer</persName> den eigentlichen
                    Denuncianten vermuthe und deshalb für nöthig halte, meinen Standpunkt zur Sache
                    und zur Denunciation nach jeder Seite hin festzustellen.</p>
            <closer sameAs="MBUnterschrift">
               <salute>Mit freundschaftlichem Gruß</salute>
               <signed>Ihr<lb/>W<hi rendition="#sup">m</hi> Eichhoff.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>