<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M0000414">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>407</idno>Joseph Dietzgen an Karl Marx in London. Sankt
                                        Petersburg, Dienstag, 5. November 1867</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">D 1030/D II 15
                                                  Fotosign. 2330&lt;a–h&gt;</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Der Brief besteht aus zwei Blättern
                                                  mittelstarkem, weißem Papier im Format
                                                  206 × 272 mm. Alle vier Seiten hat Dietzgen
                                                  vollständig beschrieben. Schreibmaterial: schwarze
                                                  Tinte.</p>
                  <p>Von Marx’ Hand: alle Vermerke mit schwarzer
                                                  Tinte: Auf der zweiten Seite: Die Passage „Das
                                                  Fundament {bis} Denkprozesses“
                                                  angestrichen,
                                                  in eckige Klammern gesetzt und am linken
                                                  Seitenrand dazu „Bravo!“ notiert; neben der
                                                  Passage „Alles <hi rendition="#u">Sein</hi> {bis}
                                                  beständiges Sein“
                                                  am
                                                  linken Seitenrand: „Schelling!“ geschrieben; auf
                                                  der dritten Seite: Über den Worten „Der fade
                                                  Büchner“
                                                  der
                                                  Vermerk: „Well said!“; die Passage „‚Die Kraft
                                                  lässt sich nicht sehen {bis} pure Kraft.“
                                                  ist
                                                  mit einem Ausrufezeichen versehen.</p>
                  <p>Datierung in der Erstveröffentlichung: 7.
                                                  November 1867.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 2114</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/8HKY7X9Q">Erstveröffentlichung:
                                                  Briefe
                                                  von Karl Marx an Dr. L. Kugelmann
                                                  (1902).
                                                S. 126–128.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006324 http://d-nb.info/gnd/118525646">Dietzgen, Joseph
                                                (1828-1888)</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001396 http://www.geonames.org/2988507">Sankt Petersburg</placeName>
               <date when="1867-11-05"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <note>Zur Datierung:
                                        Dietzgen
                                        datierte den
                                        Brief mit 24. Oktober/7. November 1867.
                                        Der
                                        24. Oktober nach dem julianischen Kalender entspricht
                                        eigentlich dem 5. November 1867 des gregorianischen
                                        Kalenders.</note>
            <note>Marx legte den Brief Dietzgens seinem Brief an Louis Kugelmann
                                        vom 7. Dezember 1867 bei (siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000470">Marx
                                                an L. Kugelmann,
                                        7.12.1867</ref>). Überliefert ist eine
                                        Kopie des Briefes von Dietzgen, angefertigt von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007777 1015601">Gertrud
                                                Kugelmann</persName> (IISG, Marx-Engels-Nachlass,
                                        Sign. C 343/C 102a).</note>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002748">„Das Kapital“ (Arbeit an
                                                Manuskripten, Veröffentlichung, Rezeption)</term>
               <term key="M0004027">Naturwissenschaften</term>
               <term key="M0002035">Lektüren im
                                                Korrespondentenkreis</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingSession">
            <opener>
               <address>
                  <addrLine>
                     <pb/> Herrn Dr. Karl Marx in London.</addrLine>
               </address>
               <salute>Hochverehrter Herr!</salute>
            </opener>
            <p>Gestatten Sie, ich bitte, Ihnen unbekannterweise meine Huldigung
                                        darzubringen, für die unschätzbaren Verdienste, welche Sie
                                        durch Ihre Forschungen sich sowohl um die Wissenschaft, wie
                                        speziell um die Arbeiterklasse erworben haben. In früher
                                        Jugend schon, als ich den überreichen Inhalt Ihrer Schriften
                                        mehr nur zu ahnen, als zu verstehn vermochte, wurde ich
                                        davon gefesselt und konnte nicht unterlassen zu lesen und
                                        wieder zu lesen, bis ich mir zu selbstgenügender Klarheit
                                        verholfen hatte. Die Begeisterung, welche nun das Studium
                                                <ref xml:id="df2503b5-92b7-4a17-a503-b592b7da1709" corresp="#e1ca361b-8078-4bd7-8a36-1b8078bbd741" type="editorialNote">Ihres jüngst in Hamburg
                                                  erschienenen Werkes</ref><note xml:id="e1ca361b-8078-4bd7-8a36-1b8078bbd741" corresp="#df2503b5-92b7-4a17-a503-b592b7da1709" type="editorial">
                     <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/PT9GISVC">Karl Marx.
                                                  Das Kapital. Bd. 1. Buch 1. Hamburg
                                                  1867</bibl>.</note> in mir erregt, reißt
                                        mich zu der vielleicht zudringlichen Unbescheidenheit hin,
                                        Ihnen meine Anerkennung, Verehrung und Dankbarkeit bezeugen
                                        zu wollen.</p>
            <p>
               <ref xml:id="eacf2d89-8440-4abb-8f2d-8984408abbf7" corresp="#fb99aeab-2b72-48ed-99ae-ab2b72a8ed41" type="editorialNote">Das in Berlin erschienene 1 Heft „Zur
                                                  Kritik der politischen Oekonomie“</ref><note xml:id="fb99aeab-2b72-48ed-99ae-ab2b72a8ed41" corresp="#eacf2d89-8440-4abb-8f2d-8984408abbf7" type="editorial">
                     <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/TRVS3BVD">Karl Marx: Zur Kritik der
                                                  Politischen Oekonomie. Erstes Heft. Berlin
                                                  1859</bibl>. (<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/RDLJVE6F">MEGA<hi rendition="#sup">2</hi> II/2</bibl>.
                                                  S. 95–245.)</note> habe ich seiner Zeit mit
                                        vielem Fleiße studirt, und gestehe, daß niemals ein Buch,
                                        wie volouminös auch immer, mir soviel neue, positive
                                        Erkenntniß und Belehrung gebracht hat, wie dies kleine Heft.
                                        So habe ich denn die Fortsetzung mit vieler Ungeduld
                                        erwartet. </p>
            <p>Sie sprechen es zum erstenmal in klarer, unwiderstehlicher,
                                        wissenschaftlicher Form aus, was von jetzt ab die <hi rendition="#u">bewusste</hi> Tendenz der
                                        geschichtlichen Entwicklung sein wird, nähmlich, die bisher
                                        blinde Naturmacht des gesellschaftlichen
                                        Produktionsprozesses dem menschlichen Bewusstsein zu
                                        unterordnen. Dieser Tendenz den Verstand gegeben, zu der
                                        Einsicht verholfen zu haben, daß unsere Produktion kopflos
                                        ist, <pb/> das ist Ihre unsterbliche That, hochverehrter
                                        Herr! Allgemeine Anerkennung dafür wird und muß die Zeit
                                        Ihnen bringen.</p>
            <p>Zwischen den Zeilen Ihres Werkes lese ich, daß die Voraussetzung
                                        Ihrer gründlichen Oekonomie eine gründliche Philosophie ist.
                                        Da letztere mir viel Arbeit gemacht hat, kann ich den Wunsch
                                        nicht unterdrücken, Ihnen mit dem Bekenntniß, daß ich ein
                                        nur elementarisch geschulter Lohgerber bin, kurze
                                        Mittheilung von <hi rendition="#u">meinen</hi>
                                        wissenschaftlichen Bestrebungen zu machen.</p>
            <p>Mein Gegenstand war, von früh an, eine systematische
                                        Weltanschauung. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006684 http://d-nb.info/gnd/118532758">Ludwig Feuerbach</persName> hat mir den Weg dazu
                                        gezeigt. Vieles jedoch verdanke ich eigener Arbeit, so daß
                                        ich nun von mir sagen darf: die <hi rendition="#u">allgemeinen Dinge</hi>, die Natur des Allgemeinen,
                                        oder das „Wesen der Dinge“ ist mir wissenschaftlich klar.
                                        Was mir zu wissen übrig bleibt, sind die <hi rendition="#u">besondern Dinge</hi>. Da ich davon Einzelnes weiß,
                                        sage ich mir, daß Alles zu wissen für den Einzelnen zu viel
                                        ist.</p>
            <p>Das
                                        Fundament aller Wissenschaft besteht in der Erkenntniß des Denkprozesses.
                                        <hi rendition="#u">Denken heißt aus dem sinnlich Gegebenen,
                                                aus dem Besondern das Allgemeine entwickeln</hi>.
                                        Die Erscheinung bildet das <hi rendition="#u">nothwendige</hi> Material des Denkens. Sie muß
                                        gegeben sein, bevor das Wesen, das Allgemeine oder Abstrakte
                                        zu finden ist. Das Verständniß dieser Thatsache enthält die
                                        Lösung aller philosophischen Räthsel. Die Frage z.B. nach
                                        Anfang u. Ende der Welt gehört nicht mehr in die
                                        Wissenschaft, wenn die Welt nur Voraussetzung, aber nicht
                                        Resultat des Denkens oder Wissens sein kann.</p>
            <p>Das
                                        Wesen des Gedankes ist die Zahl. Alle logischen Unterschiede
                                        sind rein quantitativ. Alles <hi rendition="#u">Sein</hi> ist ein mehr oder minder
                                        beständiges Scheinen, aller <hi rendition="#u">Schein</hi>
                                        ein mehr oder minder beständiges Sein.</p>
            <p>Alle Ursachen sind Wirkungen und umgekehrt. Innerhalb einer <hi rendition="#u">nacheinanderfolgenden</hi> Reihe von
                                        Erscheinungen heißt das <hi rendition="#u">allgemein</hi>
                                        Vorhergehende Ursache. Von 5 Vögeln fliegen z.B. in Folge
                                        eines Schusses 4 auf <pb/> und davon. Also heißt der <hi rendition="#u">Schuß</hi> Ursache, daß 4 fliegen und
                                        Unerschrockenheit Ursache, daß 1 sitzt. Fliegt aber
                                        umgekehrt 1 und 4 sitzen, so heißt nicht mehr der Schuß,
                                        sondern die <hi rendition="#u">Schreckbarkeit</hi> Ursache
                                        des Fliegens. <ref xml:id="fcdaac64-e222-4086-9aac-64e2223086d0" corresp="#dd22d528-54ae-446a-a2d5-2854ae246a2e" type="editorialNote">Ein <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004424 http://d-nb.info/gnd/100816622">berühmter Physiker</persName>
                                                  schreibt: „Die Wärme selbst vermögen wir nicht
                                                  wahrzunehmen, wir schließen nur aus den
                                                  Erscheinungen auf das Vorhandensein dieses Agens
                                                  in der Natur.“</ref><note xml:id="dd22d528-54ae-446a-a2d5-2854ae246a2e" corresp="#fcdaac64-e222-4086-9aac-64e2223086d0" type="editorial">Joseph Dietzgen führt diese Beschreibung der
                                                  Wärmewirkung in seinem Werk „<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/7NKA84MV">Das
                                                  Wesen der menschlichen Kopfarbeit</bibl>.
                                                  Dargestellt von einem Handarbeiter. Eine
                                                  abermalige Kritik der reinen und praktischen
                                                  Vernunft“, Hamburg 1869“. S. 42f., 85, als eine
                                                  Aussage <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004424 http://d-nb.info/gnd/100816622">Karl
                                                  Koppes</persName> an. Der genaue, auch hier als
                                                  Zitat gekennzeichnete Wortlaut, ließ sich bei
                                                  Koppe nicht
                                                  nachweisen.
                                                  Möglichwerweise bezieht sich Dietzgen auf eine
                                                  Aussage in einer der Ausgaben von:<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/SNWBAAKU">
                                                  Karl Koppe: Anfangsgründe der Physik für den
                                                  Unterricht in den oberen Klassen der Gymnasien
                                                  [...]</bibl>. Die 1. Auflage erschien in Essen
                                                  1847, die 9. Auflage 1867.</note> Ich
                                        umgekehrt schließe aus der Unwahrnehmbarkeit der „Wärme
                                        selbst“ auf das Nichtvorhandensein dieses Agens und verstehe
                                        die Erscheinungen oder Wirkungen der Wärme als Materiatur,
                                        woraus sich der Kopf den abstrakten Begriff Wärme bildet.
                                        Nennen wir ohne Verwechslung der Begriffe das Konkrete,
                                        Sinnliche <hi rendition="#u">Stoff</hi>, dann ist das
                                        Abstraktum desselben die <hi rendition="#u">Kraft</hi>. Beim
                                        Abwägen eines Waarenballens wird ohne Rücksicht auf den
                                        Stoff der Gewichtstücke die Schwer<hi rendition="#u">kraft</hi> pfundweise gehandhabt. Der fade
                                        (Well said!)
                                        <ref xml:id="f786a82b-0370-4aa0-86a8-2b0370faa056" corresp="#e0d8bbfe-5567-4d8b-98bb-fe55675d8b22" type="editorialNote">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005822 http://d-nb.info/gnd/118667939">Büchner</persName>
                                                  sagt: „Now what I want is—facts“</ref><note xml:id="e0d8bbfe-5567-4d8b-98bb-fe55675d8b22" corresp="#f786a82b-0370-4aa0-86a8-2b0370faa056" type="editorial">Eigentlich <bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/Q3IJD3JW">Charles Dickens: Hard times.</bibl>
                                                  Bei <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006319 http://d-nb.info/gnd/118525239">Dickens</persName>: „Now, what I want is, Facts.
                                                  Teach these boys and girls nothing but Facts.
                                                  Facts alone are wanted in life. Plant nothing
                                                  else, and root out everything else. You can only
                                                  form the minds of reasoning animals upon Facts:
                                                  nothing else will ever be of any service to them.“
                                                  <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005822 http://d-nb.info/gnd/118667939">Büchner</persName> benutzte diese Stelle aus dem
                                                  Roman von Dickens als Epigraph für das Vorwort zu
                                                  seinem Werk „<bibl type="primary" corresp="https://megadigital.bbaw.de/5N8IRVKT">Kraft und Stoff“. Siehe Louis
                                                  Büchner: Kraft und Stoff.
                                                  Empirisch-naturphilosophische Studien. In
                                                  allgemein-verständlicher Darstellung. Frankfurt a.
                                                  M. 1855.</bibl> S. [VII].
                                                  </note>
               ,
                                        but he does not <hi rendition="#u">know</hi> what he wants;
                                        der Wissenschaft geht es nicht sowohl um Thatsachen, als um
                                        die <hi rendition="#u">Erklärungen</hi> der Thatsachen,
                                        nicht um Stoffe, sondern um Kräfte. Wenn auch in der
                                        Wirklichkeit Kraft u. Stoff indentisch sind, ist ihre
                                        Unterscheidung, die Trennung des Besondern u. Allgemeinen
                                        doch mehr wie berechtigt.
                                        „Die
                                        Kraft lässt sich nicht sehen.“ Ei ja, das Sehen selbst und
                                        das was wir sehen, ist pure Kraft. Wir
                                        sehen wohl nicht die Dinge „selbst“, sondern nur ihre
                                        Wirkungen auf unsere Augen. Der Stoff ist unvergänglich, das
                                        heißt nur, überall u. zu allen Zeiten ist Stoff. Der Stoff
                                        erscheint, und die Erscheinungen sind stofflich. Der
                                        Unterschied zwischen Schein und Wesen ist nur <hi rendition="#u">quantitativ</hi>. Das Denkvermögen
                                        setzt zusammen, aus dem Vielen das Eine, aus Theilen das
                                        Ganze, aus dem Vergänglichen das Unvergängliche, aus den
                                        Accidenzen die Substanz.</p>
            <p>Moral. Unter Moral versteht die Welt die Rücksichten welche der
                                        Mensch sich und dem Nebenmenschen zum Zweck des eigenen
                                        Heils zollt. Zahl u. Grad dieser Rücksichten bestimmen
                                        verschiedene Menschen und Menschenkreise verschieden. Den
                                        Kreis gegeben, vermag die Denkkraft nur das Allgemeine vom
                                        besondern Recht zu trennen. Was ist Zweck? Was ist Mittel?
                                        Dem abstrakten menschlichen Heil gegenüber sind <hi rendition="#u">alle</hi> Zwecke Mittel und insofern
                                        gilt unbedingt der Grundsatz: „der Zweck heiligt das
                                        Mittel.“ </p>
            <p>
               <pb/> Wenn nicht der Mangel an Gelehrsamkeit mich hinderte, würde
                                        ich über diese Themaes ein Werk schreiben, soviel Neues
                                        glaube ich davon zu wissen.</p>
            <p>Entschuldigen Sie, verehrter Herr! daß ich mir anmaßte derart
                                        Ihre Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Ich
                                        vermeinte Sie durch den Beweiß erfreuen zu können, daß die
                                        Philosophie eines Handarbeiters klarer ist, wie
                                        durchschnittlich unsere heutige Professoren-Philosophie.
                                        Ihren Beifall würde ich höher schätzen, als wenn irgend eine
                                        Akademie mich wollte zu ihrem Mitgliede ernennen.</p>
            <p>Ich schließe mit der nochmaligen Versicherung, daß ich den
                                        innigsten Antheil nehme an Ihren über unsere Zeit weit
                                        hinausreichenden Bestrebungen. Die sociale Entwicklung, der
                                        Kampf um die Herrschaft der Arbeiterklasse interessirt mich
                                        lebhafter wie die eigenen Privat-Angelegenheiten. Ich
                                        bedaure nur nicht thätiger dabei mitwirken zu können.</p>
            <p>
               <ref xml:id="fe91efb0-cdf0-43c7-91ef-b0cdf0d3c7c2" corresp="#aaae31bc-5c19-4af7-ae31-bc5c191af7e5" type="editorialNote">Allons enfants pour la
                                                  patrie!</ref><note xml:id="aaae31bc-5c19-4af7-ae31-bc5c191af7e5" corresp="#fe91efb0-cdf0-43c7-91ef-b0cdf0d3c7c2" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009253 http://d-nb.info/gnd/118942956">Claude
                                                  Joseph Rouget de Lisle</persName>: La
                                                  Marseillaise.</note>
            </p>
            <closer>
               <signed>Joseph Dietzgen<lb/>Meister der Wladimir’schen
                                        Lederfabrik<lb/>Wasili Ostrow, St Petersburg.</signed>
               <dateline>Oktob. 24/<ref xml:id="def5520f-2aa1-4bb6-b552-0f2aa16bb621" corresp="#d55f3782-e4b6-43d4-9f37-82e4b603d436" type="editorialNote">Nove<ex>m</ex>b. 7. 1867.</ref><note xml:id="d55f3782-e4b6-43d4-9f37-82e4b603d436" corresp="#def5520f-2aa1-4bb6-b552-0f2aa16bb621" type="editorial">
                        <note xml:id="cb619ad7-b20a-4273-ba7a-e9f40862ccc4">Eigentlich müßte es der 5. November
                                                  sein.</note>
                     </note>
               </dateline>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>