<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M0000144">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>140</idno>Friedrich Engels an Karl Marx in London. Manchester, Mittwoch, 25. Juli 1866</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>IISG</institution>
                  <collection>Marx-Engels-Nachlass</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">D 1617/D III 387</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Der Brief besteht aus einem Bogen mittelstarkem, weißem Papier im Format
                                                  230 × 180 mm. Wasserzeichen: „A
                                                  Pirie &amp; Sons 1865“. Die Prägung ist nicht
                                                  deutlich erkennbar, evtl. „London Superfine“ und
                                                  ein Wappenschild. Die ersten zwei Seiten hat
                                                  Engels vollständig beschrieben, die dritte zu
                                                  einem Drittel, die vierte ist leer.
                                                  Schreibmaterial: schwarze Tinte.</p>
                  <p>Von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005553 http://d-nb.info/gnd/118509993">Eduard
                                                  Bernsteins</persName>
                                                  Hand: Nummerierung des Briefes bzw. der
                                                  beschriebenen Seiten: „315,1“ bis „315,3“ und
                                                  „39,1“ bis „39,3“ (gestrichen). Redaktionelle
                                                  Vermerke.</p>
                  <p>Von <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006322 http://d-nb.info/gnd/11945842X">Heinrich
                                                  Dietz’</persName>
                                                  Hand: Nummerierung des Briefes: „858“
                                                  (gestrichen).</p>
                  <p>Von unbekannter Hand: Vermerk mit Blaustift „<hi rendition="#u">Abg</hi>“, auf der ersten Seite
                                                  oben links; Anstreichung mit Bleistift am linken
                                                  Rand der zweiten Seite („Daß brother Liebknecht“
                                                  bis „war so weit gekommen daß“) und der Vermerk
                                                  mit Bleistift „Hier fehlt ein Brief von Marx“
                                                  (gestrichen) auf der dritten Seite.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 1 op. 1 d. 1981</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/RDJTHVVL">Erstveröffentlichung: Bw 3 (1913).
                                                  S. 335–337.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004039 http://www.geonames.org/2643123">Manchester</placeName>
               <date when="1866-07-25"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001374 http://d-nb.info/gnd/118578537">Karl Marx</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004412 http://www.geonames.org/2643743">London</placeName>
            </correspAction>
            <correspContext>
               <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M0000143"/>
               
               <ref type="next" target="https://megadigital.bbaw.de/M0000146"/>
            </correspContext>
            <note>Engels beantwortet Marx’ Brief vom 21. Juli (<ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000143">Marx an Engels, 21.7.1866</ref>)
                                                sowie sein nicht überliefertes Telegramm (<ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0004927">Marx an Engels, zw. 21.
                                                  7. u. 25.7.1866</ref>), gesendet zwischen 21. und
                                                25. Juli 1866 („Deines Telegramms“). Marx
                                                antwortete ihm am 27. Juli 1866 (<ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000146">Marx an Engels,
                                                27.7.1866</ref>).</note>
            <note>Der im Brief („den Zettel“) erwähnte, von Engels irrtümlich
                                                beigefügte Zettel ist nicht überliefert.</note>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0003244">Internationale Beziehungen in
                                                Europa</term>
               <term key="M0003714">Preußen</term>
               <term key="M0002264">Österreich</term>
               <term key="M0004344">Deutscher Krieg 1866</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingSession">
            <opener>
               <dateline>
                  <pb/> Manchester 25 Juli
                                                66.</dateline>
               <salute>Lieber Mohr</salute>
            </opener>
            <p>
               <anchor type="verweisziel" xml:id="start_cmc_5pt_qz"/>Ich denke Du hast die
                                        Noten jetzt richtig erhalten, ich muß in der Zerstreutheit
                                                <ref xml:id="cb4eb74d-624e-4347-8eb7-4d624e03475e" corresp="#a021239b-0d36-460a-a123-9b0d36560a88" type="editorialNote">den Zettel statt ihrer
                                                  eingelegt haben auf dem ich mir die N<hi rendition="#sup">os</hi> notirt hatte.</ref><note xml:id="a021239b-0d36-460a-a123-9b0d36560a88" corresp="#cb4eb74d-624e-4347-8eb7-4d624e03475e" type="editorial">Der Zettel von Engels,
                                                  geschrieben zwischen 21. und 25. Juli 1866, ist
                                                  nicht überliefert.</note> Die Noten selbst
                                        hatte ich unter den Deckel meiner Schreibmappe geschoben wo
                                        ich sie auch fand, nachdem ich mich von der ersten
                                        Überraschung Deines Telegramms erholt hatte. Hoffentlich
                                        waren sie noch rechtzeitig.<anchor type="verweisziel" xml:id="stop_cmc_5pt_qz"/>
            </p>
            <p>Die Geschichte in Deutschld scheint mir
                                        jetzt ziemlich einfach. Von dem Augenblick an wo <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> den
                                                <del rendition="#s">deutsch<sic ana="#break-off"/>
               </del> kleindeutschen Bourgeoisplan mit der pr.
                                        Armee &amp; so kolossalem Succeß durchführte, hat die
                                        Entwicklung in Deutschl. diese Richtung so entschieden
                                        genommen daß wir ebensogut wie Andre das fait accompli
                                        anerkennen müssen, we may like it or not. Was die <hi rendition="#u">nationale</hi> Seite der Sache
                                        angeht, so wird B. jedenfalls das kleindeutsche Kaiserthum
                                        in dem von den Bourgeois beabsichtigten Umfang, d.h. incl.
                                        Südwestdeutschld, herstellen, denn die Redensarten von der
                                        Mainlinie &amp; von der optional South German separate
                                        confederacy sind jedenfalls nur für die Franzosen berechnet
                                        &amp; inzwischen marschiren die Preußen auf Stuttgart. Die
                                        deutschöstr. Provinzen werden diesem Reich übrigens in nicht
                                        gar langer Zeit auch zufallen sintemal Östr. jetzt ungarisch
                                        werden muß &amp; die Deutschen die 3<hi rendition="#sup">te</hi> Nation im Reich werden – noch unter den
                                        Slaven.</p>
            <p>Politice wird <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">B.</persName>
               <del> oder <sic ana="#break-off"/>
               </del> genöthigt sein sich
                                        auf die Bourgeoisie zu stützen die er gegen die
                                        Reichsfürsten braucht. Vielleicht nicht in diesem
                                        Augenblick, da jetzt noch das prestige &amp; die Armee
                                        hinreichen. Aber schon um sich vom Parlament die nöthigen
                                        Bedingnisse für die Centralgewalt zu sichern muß er den
                                        Bürgern etwas geben, &amp; der natürliche Verlauf der Sache
                                        wird ihn oder seine Nachfolger immer zwingen wieder an <pb/>
                                        die Bürger zu appelliren; sodaß wenn B. auch möglicher Weise
                                        jetzt den Bürgern nicht mehr gibt als er eben <hi rendition="#u">muß</hi>, er doch in das Bürgerliche
                                        mehr &amp; mehr hinein getrieben wird.</p>
            <p>Die Sache hat das Gute daß sie die
                                        Situation vereinfacht, eine Revolution dadurch erleichtert
                                        daß sie die Krawalle der kleinen Hauptstädte beseitigt,
                                        &amp; die Entwicklung jedenfalls beschleunigt. Am Ende ist
                                        doch ein deutsches Parlament ein ganz andres Ding als eine
                                        preußische Kammer. Die ganze Kleinstaaterei wird in die
                                        Bewegung hineingerissen, die schlimmsten lokalisirenden
                                        Einflüsse hören auf, &amp; die Parteien werden endlich
                                        wirklich nationale statt bloß lokale.</p>
            <p>Der Hauptnachtheil ist die
                                        unvermeidliche Überfluthung Deutschlds durch das
                                        Preußenthum, &amp; das ist ein sehr großer. Dann die
                                        momentane Abtrennung Deutsch-Oestreichs, die ein sofortiges
                                        Vorschreiten des Slavischen in Böhmen, Mähren, Kärnthen zur
                                        Folge haben wird. Gegen Beides ist leider Nichts zu
                                        machen.</p>
            <p>
               <anchor type="verweisziel" xml:id="start_bsq_qk5_qz"/>Wir können also meiner
                                        Ansicht nach gar nichts andres thun als das Factum einfach
                                        acceptiren ohne es zu billigen, &amp; die sich jetzt
                                        jedenfalls <subst>
                  <del>darbietenden</del>
                  <add>darbieten</add>
               </subst> müssenden größeren Facilitäten zur <hi rendition="#u">nationalen</hi> Organisation &amp;
                                        Vereinigung des dtschen Proletariats benutzen so weit wir
                                                können.<anchor type="verweisziel" xml:id="stop_bsq_qk5_qz"/>
            </p>
            <p>
               <ref xml:id="bb4c3628-ab4d-4ddd-8c36-28ab4deddd8a" corresp="#b1fbd683-4ed6-4154-bbd6-834ed6e15406" type="editorialNote">Daß brother
                                                  <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007983 http://d-nb.info/gnd/118572768">Liebknecht</persName> sich in <subst>
                        <del>einen fanatischen</del>
                        <add>eine fanatische</add>
                     </subst> Oestreicherei hineinreiten würde,
                                                  brauchte mir <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0009802  http://d-nb.info/gnd/121308510">Stumpf</persName>
                                                  nicht zu schreiben,</ref><note xml:id="b1fbd683-4ed6-4154-bbd6-834ed6e15406" corresp="#bb4c3628-ab4d-4ddd-8c36-28ab4deddd8a" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000141/start_o2p_fvs_qz">P. Stumpf an
                                                  Engels,
                                                  16.7.1866</ref>.</note>
                                        das konnte gar nicht anders sein. <ref xml:id="a908ce91-863b-4c50-88ce-91863bec501d" corresp="#de24220a-9ab1-4ed5-a422-0a9ab15ed54c" type="editorialNote">Er hatte übrigens in der  <bibl type="periodika" corresp="">Neuen Frkf. Ztg</bibl>
                                                  ganz unverkennbare Wuthcorrespondenzen aus
                                                  Leipzig.</ref><note xml:id="de24220a-9ab1-4ed5-a422-0a9ab15ed54c" corresp="#a908ce91-863b-4c50-88ce-91863bec501d" type="editorial">Derartige Korrespondenzen aus Leipzig konnten
                                                  nicht ermittelt werden.</note> Diese
                                        fürschtenmörderische <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005636 http://d-nb.info/gnd/118796569">Blindsche</persName>
               <ref xml:id="b040f14e-0223-46e3-80f1-4e0223d6e379" corresp="#d82238d8-e1c7-4dba-a238-d8e1c79dbab2" type="editorialNote">N. Fr. Ztg war so weit gekommen
                                                  daß <pb/> sie den Preußen ihre schändliche
                                                  Behandlung</ref><note xml:id="d82238d8-e1c7-4dba-a238-d8e1c79dbab2" corresp="#b040f14e-0223-46e3-80f1-4e0223d6e379" type="editorial">Siehe
                                                  <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/L4KMJM6A">Frankfurt, 30. Juni. Die Preußen
                                                  nahmen …</bibl> In: Neue Frankfurter Zeitung. Nr.
                                                  179, 1. Juli 1866. S. 1; <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/RGZWN6IF">Frankfurt, 1. Juli.</bibl> Ebenda. Nr. 180, 2.
                                                  Juli 1866. S. 1 und <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/7TTH7RIU">Kassel, 22. Juni.</bibl> Ebenda. 
                                                  
                                                  
                                                </note>
               <ref xml:id="bd468211-7888-4738-8682-11788897386e" corresp="#e1d056d1-a674-412d-9056-d1a674512d10" type="editorialNote"> des <hi rendition="#u">„ehrwürdigen </hi>
                     <hi rendition="#u">Kurfürsten v.
                                                  Hessen“</hi>
                  </ref><note xml:id="e1d056d1-a674-412d-9056-d1a674512d10" corresp="#bd468211-7888-4738-8682-11788897386e" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006831 http://d-nb.info/gnd/118703250">Friedrich
                                                  Wilhelm I.</persName>
                  </note> vorwarf, &amp; für <ref xml:id="ff45fefa-54b2-411f-85fe-fa54b2711f6a" corresp="#d4d47fdd-39a7-4670-947f-dd39a75670d1" type="editorialNote">den armen blinden Welfen</ref><note xml:id="d4d47fdd-39a7-4670-947f-dd39a75670d1" corresp="#ff45fefa-54b2-411f-85fe-fa54b2711f6a" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001406 http://d-nb.info/gnd/118690485">Georg V.</persName>, der König war im
                                                  jugendlichen Alter erblindet. </note>
               <ref xml:id="f31d8843-dea1-41eb-9d88-43dea151eb00" corresp="#f89de147-9324-4e1f-9de1-4793248e1fc2" type="editorialNote">schwärmte!</ref><note xml:id="f89de147-9324-4e1f-9de1-4793248e1fc2" corresp="#f31d8843-dea1-41eb-9d88-43dea151eb00" type="editorial">Siehe <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/EP3L77N3">Hannover, 29. Juni.</bibl> In: Neue Frankfurter
                                                  Zeitung. Nr. 180, 2. Juli 1866. S. 1.
                                                  </note>
            </p>
            <p>
               <ref xml:id="b59e70f9-6b61-4be5-9e70-f96b617be571" corresp="#e6bbaaa0-1eca-4bb9-bbaa-a01ecabbb9f0" type="editorialNote">Im <bibl type="periodika" corresp="">Guardian</bibl>
                                                  Nichts mehr geschrieben.</ref><note xml:id="e6bbaaa0-1eca-4bb9-bbaa-a01ecabbb9f0" corresp="#b59e70f9-6b61-4be5-9e70-f96b617be571" type="editorial">Siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000143/start_jmp_rvs_qz">Marx an Engels,
                                                  21.7.1866</ref>
                                                  und <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000143/fd78161d-a72a-46fe-9740-9fe2d2a688bf">Erl.</ref>
                  </note>
            </p>
            <closer>
               <signed>Dein F. E.</signed>
               <salute>Beste Grüße an die ladies. </salute>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>