<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="M0000122">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>
               <idno>118</idno>Elisabeth Engels an Friedrich Engels in
                                        Manchester. Engelskirchen, Freitag, 8. Juni 1866</title>
         </titleStmt><editionStmt><p/></editionStmt>
         <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://megadigital.bbaw.de/</idno><idno type="URLXML">https://megadigital.bbaw.de/.xml</idno></publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc rend="manuscript">
               <msIdentifier>
                  <institution>STAW (Stadtarchiv
                                                  Wuppertal)</institution>
                  <collection>ND 3 (Dokumentation Friedrich
                                                  Engels)</collection>
                  <idno>
                     <idno type="shelfmark">Nr. 202/6</idno>
                  </idno>
               </msIdentifier>
               <physDesc>
                  <p>Der Brief besteht aus einem Bogen und einem Blatt
                                                  mittelstarkem, weißem Papier im Format 284 x
                                                  220 mm bzw. 142 × 220 mm sowie einem Umschlag
                                                  aus blauem Papier im Format 147 × 60 mm mit der
                                                  Prägung: „EE“. Elisabeth Engels hat fünf Seiten
                                                  vollständig beschrieben, die sechste ist leer.
                                                  Schreibmaterial: schwarze Tinte. </p>
                  <p>Auf dem Umschlag vier Poststempel: „Engelskirchen
                                                  8 6 * 2–3“ (zweimal), „P.D.“ (auf
                                                  der Vorderseite), „A Manchester 10 Ju 66
                                                  2“ (auf der Rückseite) sowie eine
                                                  Drei-Silbergroschen- und eine
                                                  Zwei-Silbergroschen-Briefmarke.</p>
                  <p>Von unbekannter Hand: auf dem Umschlag mit Tinte
                                                  der Vermerk „8.6.66“ sowie einige
                                                  Berechnungen.</p>
               </physDesc>
               <additional>
                  <listBibl>
                     <bibl>RGASPI f. 9 op. 1 d. 51</bibl>
                  </listBibl>
               </additional>
            </msDesc>
            <listWit>
               <witness>
                  <bibl corresp="https://megadigital.bbaw.de/WXILZ7M7">Erstveröffentlichung: Die Herkunft des Friedrich
                                                  Engels (1991). S. 647/648.</bibl>
               </witness>
            </listWit>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc><textClass><keywords><term>letter</term></keywords></textClass>
         <correspDesc>
            <correspAction type="sent">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006533 https://d-nb.info/gnd/189469986">Engels, Elisabeth
                                                (1797-1873)</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004167 http://www.geonames.org/2930216">Engelskirchen</placeName>
               <date when="1866-06-08"/>
            </correspAction>
            <correspAction type="received">
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0001917 http://d-nb.info/gnd/118530380">Friedrich Engels</persName>
               <placeName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0004039 http://www.geonames.org/2643123">Manchester</placeName>
            </correspAction>
            <correspContext>
               <ref type="prev" target="https://megadigital.bbaw.de/M0004951"/>
            </correspContext>
            <note>Elisabeth Engels beantwortet einen nicht überlieferten Brief
                                                (<ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0004951">Engels an F. Engels,
                                                zw. 6. 4. u. 8.6.1866</ref>) von Engels („Deinen
                                        lieben Brief“), geschrieben zwischen 6. April und
                                        8. Juni 1866 (siehe <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000083">Engels an H.
                                                Engels, 6.4.1866</ref>: „... der ich dieser Tage
                                        auch schreibe,“).</note>
         </correspDesc>
         <textClass>
            <keywords>
               <term key="M0002134">Privates - Engels (Familie,
                                                Geschäfte)</term>
               <term key="M0004344">Deutscher Krieg 1866</term>
               <term key="M0001956">Finanz- und Wirtschaftskrisen
                                                1866</term>
            </keywords>
         </textClass>
      </profileDesc>
      
   </teiHeader>
   <text><body>
         <div type="writingSession">
            <opener>
               <dateline>
                  <pb/> Engelskirchen 8 Juni
                                                66</dateline>
               <salute>Lieber
                                                Friedrich</salute>
            </opener>
            <p>
               <anchor type="verweisziel" xml:id="start_zp3_jbw_4z"/>Ich wollte Deinen <expan>l<ex>ieben</ex>
               </expan> Brief schon früher
                                        beantworten, wurde aber theils durch die Unruhe die <ref xml:id="ca8fdd6d-d61f-423a-8fdd-6dd61f223a02" corresp="#d8517d2a-461c-48aa-917d-2a461cf8aa19" type="editorialNote">ein Umzug</ref><note xml:id="d8517d2a-461c-48aa-917d-2a461cf8aa19" corresp="#ca8fdd6d-d61f-423a-8fdd-6dd61f223a02" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006533 https://d-nb.info/gnd/189469986">Elisabeth
                                                  Engels</persName> wohnte zeitweise in Barmen
                                                  (Wuppertal), zeitweise in Engelskirchen.
                                                </note> mit sich bringt, theils auch durch ein
                                        Unwohlsein daß ich hier gleich zu überstehn hatte daran
                                                verhindert.<anchor type="verweisziel" xml:id="stop_zp3_jbw_4z"/> Hier fand ich auch nicht
                                        Alles so gut wie ich wohl gewünscht hätte, <ref xml:id="b6a1c9af-0619-4c94-a1c9-af0619cc9440" corresp="#b87eb144-2f06-4e9a-beb1-442f065e9a8b" type="editorialNote">Elise</ref><note xml:id="b87eb144-2f06-4e9a-beb1-442f065e9a8b" corresp="#b6a1c9af-0619-4c94-a1c9-af0619cc9440" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0007075 1011078">Elise von
                                                  Griesheim</persName>. </note> hatte den
                                        Winter viel Husten gehabt u. grade wie ich hierher kam litt
                                        sie wieder bedeutend daran, sie trinkt jetzt Emser Wasser,
                                        was ihr hoffentlich gut thun wird. <ref xml:id="e8baa487-3c62-4aad-baa4-873c629aadd4" corresp="#fde13bfb-b2af-442a-a13b-fbb2af642ad5" type="editorialNote">Emil</ref><note xml:id="fde13bfb-b2af-442a-a13b-fbb2af642ad5" corresp="#e8baa487-3c62-4aad-baa4-873c629aadd4" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006534 http://d-nb.info/gnd/136846998">Emil
                                                  Engels</persName>. </note> hatte Ende Mai
                                        eine Rippenfell-Entzündung, die wie ich kam glücklich
                                        überstanden war, er klagte aber über Wasser in der Brust,
                                        was er sich bewegen fühlen könne u. man auch bei einer
                                        gewissen Bewegung die <pb/> er machte hören konnte. Die
                                        beiden Aerzte die er hier hatte konnten bei einer
                                        Untersuchung kein Wasser finden, sie konnten es aber hören,
                                        dabei fühlte Emil gar keine Beschwerden, er schlief gut,
                                        hatte guten Appetit, fühlte keine Beklemmung u. konnte
                                        liegen wie er wollte. Die Aerzte wußten nicht was sie davon
                                        denken sollten u. machten sehr bedenkliche Gesichter, Emil
                                        mußte Spanischefliegen legen Arzenei nehmen, kurz er wurde
                                        wie ein recht Kranker behandelt u. Dr. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010273 1029889">Wiefel</persName>
                                        sagte mir, er halte die Sache allerdings für sehr
                                        bedenklich. Nun entschloß sich Emil nach Cöln zu <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006710 http://d-nb.info/gnd/116561157">Fischer</persName> zu
                                        gehn, der untersuchte ihn sehr gründlich u. erklärte er habe
                                        kein Wasser in irgend einem Theil der Brust, weder in der
                                        Rippenfell Blase, noch im Herzbeutel noch in einem Theil
                                        <pb/> der Lunge. Das Klucksen was man hören könne komme von
                                        dem Magenwasser her, seine inneren Theile seien wie das nach
                                        einer Entzündung immer der Fall sei noch nicht wieder in
                                        einem normalen Zustand, er solle nur noch einige Wochen
                                        warten, dann würde er weder etwas fühlen noch hören können.
                                        Er dürfe mäßig Wein trinken, gut essen, keine Arzenei nehmen
                                        u. die Spanischefliege gleich heilen lassen. Du kannst wol
                                        denken wie froh wir über diesen sehr bestimmt
                                        ausgesprochenen Ausspruch waren, <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006534 http://d-nb.info/gnd/136846998">Emil</persName> geht
                                        nun wieder seinem gewohnten Leben nach u. sieht schon wieder
                                        recht gut aus. Ueber diese Sorge war mir die Politik ganz in
                                        den Hintergrund getreten. Es sieht hier im Lande recht
                                        traurig aus u. wenn der Krieg einmal wirklich da ist, wird
                                        es wol noch schlimmer <pb/> werden. Bestellungen bleiben
                                        nathürlich aus u. es wird mit verkürzter Zeit gearbeitet.
                                        Hier bekommt man nur die Zeitungen u. hat durch sonstige
                                        Nachrichten nicht so viel Aufregung, in Barmen war das
                                        schlimmer. Es ist überall eine große Noth, besonders durch
                                        die Aushebungen zum Dienst u. alle Verhältnisse werden
                                        gestört. <ref xml:id="bce9f34d-ba79-47eb-a9f3-4dba79a7eb29" corresp="#a75e9d27-d5a3-4938-9e9d-27d5a3b93800" type="editorialNote">Der Bräutigam von
                                                  <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005625 1002969">Marie
                                                  B.</persName>
                  </ref><note xml:id="a75e9d27-d5a3-4938-9e9d-27d5a3b93800" corresp="#bce9f34d-ba79-47eb-a9f3-4dba79a7eb29" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002057">Robert
                                                  Barthels</persName>. </note> gehört noch
                                        1 Jahr im ersten Aufgebot, <ref xml:id="b751870b-a77d-4622-9187-0ba77d162259" corresp="#fdc2def2-5348-452d-82de-f25348f52db6" type="editorialNote">sein Bruder</ref><note xml:id="fdc2def2-5348-452d-82de-f25348f52db6" corresp="#b751870b-a77d-4622-9187-0ba77d162259" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002878">Barthels,
                                                  Bruder</persName>. </note> ist aber
                                        Leutenant in der Landwehr u. wird wol früher fort müssen,
                                        dann wird R. <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0002057">Bartels</persName> als Einziger im Geschäft, wol
                                        nicht genommen werden.</p>
            <p>
               <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0006575 1030794">G. Ermen</persName> geht es ja schlecht mit
                                        seinen Spekulationen, ich glaube er will mit Gewalt noch
                                        immer reicher werden. <ref xml:id="fdd305bc-df17-454a-9305-bcdf17154a17" corresp="#cabd9975-e012-44f2-bd99-75e01264f221" type="editorialNote">Wie sieht es
                                                  aus, Du wirst mich doch in diesem Jahr auch
                                                  besuchen.</ref><note xml:id="cabd9975-e012-44f2-bd99-75e01264f221" corresp="#fdd305bc-df17-454a-9305-bcdf17154a17" type="editorial">Engels hielt sich in Deutschland Ende
                                                  August/Anfang September 1866 auf. Siehe dazu auch
                                                  <ref target="https://megadigital.bbaw.de/M0000161">Engels an E. Engels,
                                                  23.8.1866</ref>.</note>
               <pb/> Hier kann man jetzt keine Reiseplane machen, denn wenn
                                                <ref xml:id="c2c1fe60-5ed6-42c0-81fe-605ed612c066" corresp="#e6c8048e-ad5a-4ac3-8804-8ead5a5ac341" type="editorialNote">der Krieg</ref><note xml:id="e6c8048e-ad5a-4ac3-8804-8ead5a5ac341" corresp="#c2c1fe60-5ed6-42c0-81fe-605ed612c066" type="editorial">Der
                                                  Deutsche Krieg (1866).</note> einmal
                                        angefangen hat, weiß man nicht welche Ausdehnung er gewinnt.
                                        Ihr seid doch recht glücklich in Eurem England u. habt
                                        wenigstens keine Aussicht auf Krieg. Ich kann nicht
                                        begreifen daß der <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0005607 http://d-nb.info/gnd/11851136X">Bismark</persName> noch immer Minister bleibt, das
                                        ganze Land u. ganz Europa ist ja einig darüber, daß er
                                        allein die Schuld trägt. Doch was kann das Klagen helfen,
                                        wir haben ja <ref xml:id="bfd298a8-cf5e-405c-9298-a8cf5eb05c3c" corresp="#a02ad7da-d1d4-4853-aad7-dad1d4885351" type="editorialNote"> einen
                                                  Regenten</ref><note xml:id="a02ad7da-d1d4-4853-aad7-dad1d4885351" corresp="#bfd298a8-cf5e-405c-9298-a8cf5eb05c3c" type="editorial">
                     <persName ref="https://megadigital.bbaw.de/M0010286 http://d-nb.info/gnd/118632884">König
                                                  Wilhelm I.</persName>
                  </note> über alle Regenten, der wird's schon
                                        wieder in Ordnung bringen, auf den verlasse ich mich. Leb
                                        nun wohl lieber Friedrich, Gott sei mit Dir u. erhalte Dich
                                        gesund. Schreibe mir recht bald mal wieder. Von hier lassen
                                        Dich Alle herzlich grüßen.</p>
            <closer>
               <signed>Mit treuer Liebe<lb/>Deine Mutter E.</signed>
            </closer>
         </div>
      </body></text>
</TEI>