1Der Briefjahrgang 1867 enthält den überlieferten Briefwechsel von Karl Marx und Friedrich Engels vom 8. Januar bis 31. Dezember 1867.

2Von den insgesamt überlieferten 298 Briefen wurden 62 Briefe von Marx (davon 42 an Engels) geschrieben. Bei drei Briefen griff Marx‘ Frau Jenny stellvertretend zur Feder. 45 Briefe sind von Engels (davon 37 an Marx) verfasst. Umgekehrt waren 156 Briefe an Marx gerichtet, 107 an Engels. Mehr als die Hälfte der Briefe (158) wird hier erstmals veröffentlicht, sechs Briefe erstmals in der Sprache des Originals. Zusätzlich konnten fast neunzig verlorengegangene Briefe aus der überlieferten Korrespondenz erschlossen werden, die in diesem Jahr überdurchschnittlich dicht und umfangreich war.

3Der erste Band des „Kapital“ bildet den Spannungsbogen des Brief- und Kalenderjahres 1867: angefangen von den letzten Arbeiten am Manuskript, über die persönliche Übergabe desselben an den Verleger Otto Meißner in Hamburg im April bis zu der Auslieferung des Druckes Ende September/Anfang Oktober, dem ungeduldigen Warten auf erste Reaktionen in der Presse („Die Kritik läßt lange auf sich warten, die Kost ist den Leuten wohl zu schwer.“, O. Meißner an Marx, 7.10.1867), den Bemühungen von Engels, Carl Siebel, Louis Kugelmann u. a., Besprechungen in deutschsprachige Zeitungen zu lancieren und der Suche nach geeigneten Übersetzern für eine englische und französische Ausgabe. Die Korrespondenz zwischen Marx und Engels in der Phase der Korrektur und Revision der Druckbogen bietet dabei noch einmal einen inhaltlichen Einblick in die Werkstatt des Autors, wenn etwa im Brief von Marx an Engels vom 27. Juni das Kapitel zur „Werthform“ in seiner Struktur durch Marx neu angelegt wird. Nach dem Erscheinen des „Kapital“ sind erste Stimmen aus der gebildeten Arbeiterschaft zu vernehmen, am beeindruckendsten sicher von dem Lohgerber Joseph Dietzgen in einem langen Brief an Marx vom 5. November 1867 formuliert (J. Dietzgen an Marx, 5.11.1867). Die Reisebriefe von Marx aus Hamburg und Hannover, wo Marx Gast der Familie Kugelmann ist, sind Zeugen von seltenen Momenten heiterer Gelöstheit des Schreibers.

4Weitere thematische Schwerpunkte bilden u. a. der Kongress der IAA in Genf (Themen – Debatten – Lager), das europäische Machtgefüge unter dem Eindruck der Gründung und Konsolidierung des Norddeutschen Bundes, die parlamentarische Debattenkultur im neu gegründeten Norddeutschen Reichstag, dem Wilhelm Liebknecht als Abgeordneter angehörte, und der durch Sigismund Ludwig Borkheim eingebrachte Blick auf Russland und den Anarchismus. Anlass zu Äußerungen über politisch motivierte Gewalt bietet die Hinrichtung der wegen Mordes verurteilten Fenier in Manchester. Besondere Aufmerksamkeit verdient sicherlich die Korrespondenz mit Wilhelm Liebknecht, dessen Frau Ernestine im Mai des Jahres verstarb („Der Tag der Rache wird kommen.“, Liebknecht an Marx, 29.5.1867). Liebknecht, der versucht, in Leipzig durch die Gründung einer Zeitung ein politisches Sprachrohr für die Sozialdemokratie zu etablieren, zeichnet in seinen Briefen ein ernüchterndes Bild der realpolitischen Arbeit in Sachsen und Preußen, deren Pragmatismus nicht in jedem Fall von Marx und Engels im fernen Londoner Exil goutiert wird (W. Liebknecht an Engels, 11.12.1867).

5In der Privatsphäre der Familie Marx bahnt sich die Hochzeit (1868) zwischen Tochter Laura mit dem angehenden Mediziner Paul Lafargue an. Friedrich Engels steht im Konflikt mit seinem Firmencompagnon Gottfried Ermen und wird von seiner Mutter mit neuesten Familiennachrichten aus Barmen versorgt.

6Die Briefe von Januar bis April 1867 wurden bearbeitet von Svetlana Gavrilchenko. Die grundlegende Arbeit an den Briefen von Mai bis Dezember 1867 hat Jurij Vasin (gest. 2012) geleistet, fortgesetzt durch Ludmila Vasina unter Mitarbeit von Tatiana Gioeva und Svetlana Gavrilchenko am Russländischen Staatlichen Archiv für Sozial- und Politikgeschichte (RGASPI, Moskau). Die Endredaktion und Bearbeitung der Online-Fassung des Briefjahrgangs erfolgten an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften durch Thomas Lindenberg unter Mitarbeit von Regina Roth.

7Die redaktionellen Arbeiten zu den Brieftexten, Zeugenbeschreibungen und Textgeschichten wurden im April 2019 abgeschlossen. Erläuterungen zu den Briefen werden beim nächsten Update bereitgestellt.

8Einzelheiten zur Bearbeitung und Benutzung siehe Editorische Hinweise.

9Ansprechpartner: Thomas Lindenberg, lindenberg@bbaw.de